Wasservögel kommen ohne Zubrot aus

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Nutzer des Kulkwitzer Sees klären auf

Es ist eine nie endende Geschichte um falsch verstandene Tierliebe. Alljährlich über die Wintermonate füttern viele Besucher des Kulkwitzer Sees die Wasservögel. Doch das ist weder zum Vorteil für die Tiere, noch für die Natur - sagen Biologen und örtliche Taucher - und deshalb nicht erwünscht.

"Meist spitzt sich die Situation bereits im Herbst zu, weil dann schon die Leute kommen und die Wasservögel füttern", sagt Biologe Joachim Weiß. Der natürliche Kreislauf werde unterbrochen, "weil die Vögel sich wohl fühlen und bleiben, anstatt weiter zu ziehen." Solange der See nicht gefriert, liegen die Fütterungsfolgen (Ablagerungen durch Brotreste und Kot) in den Tiefen verborgen, aber wenn Frost kommt und sich eine Eisschicht bildet, werde das Problem auch an der Oberfläche deutlich, so Weiß. Insbesondere die Situation in der Lagune sei immer angespannt. Während der See normalerweise eine Tiefe von bis zu 32 Metern hat, ist die Lagune mit fünf Metern vergleichsweise flach. Das Wasser und damit der Sauerstoff kann nicht problemlos zirkulieren. Letztlich wirkt sich der Sauerstoffmangel negativ auf die unter der Wasseroberfläche lebenden Tiere und Pflanzen aus.

Die Fütterungsproblematik kennt auch Christian Conrad, Geschäftsführer der Leipziger Seen GmbH, zu der der Kulkwitzer See gehört. "Aber dieses Jahr haben wir das Problem nicht in den Maßen", sagt er. Im Übrigen habe er vor jüngst Messdaten zur Wasserqualität des Sees bekommen, "die eine hervorragende Wasserqualität bestätigen". Die Sedimentablagerungen seien zwar für die Taucher unschön, für Tiere und Pflanzen allerdings nicht so problematisch, "jedenfalls nicht in dem Umfang, wie es zum Teil hervorgebracht wird", so Conrad. Weiß' Ausführungen zur gefährdeten Lagune bezeichnet er als zu populärwissenschaftlich, denn an dieser Stelle werde laut Conrad gar kein Brot gefüttert. Aber er sagt auch: "Diese Ecke ist unser Juwel und das soll natürlich geschützt werden." Es gebe zwei Diplomarbeiten zum See und "taufrische Prüfergebnisse" daraus, die selbst der Lagune beste Wasserqualität bescheinigten. Alles nicht so schlimm also? Nein. Denn auch Conrad spricht sich deutlich gegen die Fütterung der Wasservögel aus. "Die Tiere sollen sich selbst helfen. Deshalb haben wir Verbotsschilder aufgestellt und verteilen Informationsflyer."

Dennoch gibt es immer wieder Besucher, die den Wasservögeln zufüttern und Brot in den See werfen. Um das zu verhindern und die Leute über die Folgen aufzuklären, haben der Naturschutzbund Kreisverband Leipzig und die Tauchschule Leipziger Delphine Flyer drucken lassen, die sie unter anderem an die Wasservögel-Fütterer vor Ort verteilen. "Keiner würde auf die Idee kommen, in die Badewanne Brot hinein zu werfen. Im Wald brechen auch Äste ab, wenn sich zu viel Schnee darauf ablagert. Genauso ist es mit dem Brot und den Pflanzen im Kulkwitzer See", sagt Reinhard Gräfe von der Tauchschule. Er kennt die Situation unter Wasser aus zahllosen Tauchgängen. Mit Glück habe er heute noch etwa 15 Meter Unterwassersicht. Vor 17 Jahren seien es noch 25 Meter gewesen. Problematisch seien nicht die kleinen Mengen an Brot, die in den Kulki geworfen werden, sondern die Unmengen, sagt Angelika Freifrau von Fritsch, die Leiterin des Amtes für Umweltschutz. So gebe es keine konkreten Strafen für das Füttern von Wasservögeln, lässt das Amt verlauten. Wenn es um das Verschmutzen von Gewässern geht, bedürfe es einer Einzelfallprüfung. Besser sei daher in diesem Fall die Aufklärung.

Die wollen die Leipziger Delphine mit ihrer nächsten Ausgabe der mehrmals jährlich erscheinenden Zeitung "Delphinarium" weiter voran bringen. "Wir legen dieses Mal auch die Flyer bei, um auf das Problem aufmerksam zu machen", sagt Gräfe. Die gedruckten Exemplare gehen an Vereinsmitglieder, Sponsoren sowie etwa 20 Behörden - im Sinne der Aufklärung.
Leipziger Volkszeitung - Christiane Lösch [11.12.2008]
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