Die klare Sicht macht den Kulkwitzer See zum Hotspot für Taucher aus ganz Deutschland. Mit für Binnenseen
sensationellen Sichtweiten von etwa 12 Metern hat sich das Gewässer im Leipziger Westen als Zentrum für
Sporttaucher etabliert. Seltene Spezies wie zum Beispiel Armleuchteralgen, Nixenkraut und Keulenpolyp
begeistern nicht nur Profis, sondern auch Hobbyforscher. Am 26. April wird im ältesten gefluteten
Tagebau Mitteldeutschlands wieder "Bestandsaufnahme" gemacht: Am Biotag des Tauchsportvereins Leipziger
Delphine lädt Diplombiologe Dr. Joachim Weiß ab 10 Uhr zum Abtauchen in die wundersame Welt unterhalb
des Seespiegels.
"Mit Fotoapparat, Binokular und Mikroskop gehen wir Veränderungen von Flora und Fauna im See auf
den Grund", erklärt Joachim Weiß, "Ausnahmsweise dürfen wir am Biotag Material zum Analysieren aus
dem Wasser mitbringen." Die Unterwasserwelt beherbergt sensible Organismen wie den Süßwasserschwamm,
erzählt der Naturwissenschaftler. Der Schwamm lebt unter anderem an den stählernen Tauchplattformen
und filtert als biologischer "Reiniger" Schwebstoffe aus dem Wasser, zum Beispiel Bakterien.
"Einwanderer" wie Schwebegarnele und Keulenpolyp - im Fachjargon Neozoen - stammen ursprünglich
gar aus dem kaspischen Raum. Wie solche Fernreisenden in unsere Gewässer gelangen, ist unklar:
"Vögel, Aquarianer oder auch Taucher könnten sie eingeschleppt haben", vermutet Weiß.
Doch die Schönheit des Sees ist zerbrechlich. Zu viele menschliche Rückstände lassen ihn trübe
werden. "Gut gemeint, aber gefährlich ist das Füttern der Vögel durch Spaziergänger. Das lockt
zu viele Tiere, heimisch zu werden und die Unterwasserwelt "abzugrasen". Zudem bringen ihre
Exkremente das Biosystem aus der Balance", warnt Biologe Weiß und formuliert plastisch: "Oben
schwimmen die Blesshühner, unten schneit es Kot." Auch Wassersportler, die den See als Biotoilette
benutzen, tragen zu Algenschwemme und schleichender Trübung bei. Folge: Der Sauerstoff wird
knapp - und die Bakterien fressende "Reinigungsbrigade" aus Dreikantmuscheln, Trompeten- oder
Glockentierchen stirbt ab.
"Genaue Prognosen über die Zukunft künstlich entstandener Seen sind kaum möglich. Wie bei den natürlichen Seen hängt dies von Frischwasserzufuhr, Tiefe des Sees, Nährstoffeintrag und Sauerstoffgehalt ab", so Weiß. Der Kulkwitzer See ist als Vorreiter des "Neuseenlands" beispielhaft für die Kraft der Natur - und setzt Maßstäbe für die Entwicklung der mitteldeutschen Seenlandschaft: "Seit der Flutung 1963 dauerte es nur wenige Jahrzehnte, bis der durchschnittlich 27 Meter tiefe See eine intakte Unterwasserbiologie beherbergte", sagt der passionierte Taucher und Naturforscher. "Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell sich ein funktionierendes Biotop in den neuen Seen etabliert, solange der Mensch nicht störend eingreift."
Auskunft zum Biotag unter www.tauchsport-leipzig.de
Im Vorfeld informiert Dr. Joachim Weiß am 19. April 2008 ab 14.30 Uhr im Roten Haus am Kulkwitzer See über das Unterwasserbiotop.
Links zum Thema:
• Beach & Boat Wassersportmesse Leipzig, Allgemeine Informationen - www.beach-and-boat.de
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