Wasserqualität bleibt gut / Steigende Übernachtungszahlen durch Unterwassertourismus
Während immer mehr Seen im Leipziger Neuseenland langsam Gestalt annehmen, hat sich der Kulkwitzer See, schon
zum Paradies für Taucher entwickelt. Bereits seit 1973 nutzen Menschen den ältesten ehemaligen Tagebausee in
der Region Leipzig zur Naherholung. Abwechslungreiche Flora und Fauna, abgesenkte Artefakte sowie besonders
klares Wasser ziehen wie gewünscht Taucher aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Bayern und sogar aus dem Ausland
an, und gefährden dabei doch auch die Qualität des 150 Hektar großen Gewässers. "Es ist ein sehr, sehr schöner
See", sagt Petra Pfrepper, Vereinsvorsitzende des Tauchsportvereins Delphine über das Gewässer. Es gehöre zu den
saubersten in Deutschland, die tauchsportlich genutzt werden können. "Und wenn ein Taucher das sagt, will das
was heißen", fügt sie hinzu. Denn, wenn der unter Wasser etwas sehen wolle, muss es schon sehr klar sein. "An
guten Tagen sind 15 bis 17 Meter Sicht möglich, an schlechten nur vier bis fünf. Häufig anzutreffen sind
Karpfen, Hechte, Barsche, Rotfedern und Aale", erzählt Unterwasserfotograf Hans-Joachim Lingelbach, der seit
1996 begeistert taucht. Seltener sei da schon der Wels, so Lingelbach, "aber wenn man ihn trifft, ist es
spektakulär". Bis zu zwei Meter lang sei der Süßwasserfisch. Den hat er auch in seinem Kalender von der
Unterwasserwelt des Sees festgehalten.
Die Wasserqualität des Kulkwitzer Sees ist Ende 2007 erneut getestet worden. "Sie ist nach wie vor sehr
gut", sagt Christian Conrad, Geschäftsführer der Leipzig Seen GmbH. "Der Kulkwitzer See ist deutschlandweit
eines der bekanntesten und besten Tauchgewässer - deswegen ist der Sport hier der stärkste
Wirtschaftsfaktor. "Von 35 000 Übernachtungen 2007 in Ferienwohnungen und auf Campingplätzen rund um den
Kulkwitzer See entfielen zirka 60 bis 65 Prozent auf Taucher", so Conrad. Diese kämen auch aus der
Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Skandinavien. 2007 hat es zirka 15 000 Tauchgänge gegeben.
Der Trend sei nur sehr leicht steigend. Tauchen an sich stagniere in Deutschland als Sport, so Conrad.
Aber durch die Entwicklung der Seenlandschaft um Leipzig, gebe es in der Region einen leichten Aufwärtstrend,
erläutert er. Ob dieser gut für den See ist, weiß Conrad nicht genau: "Ich halte die Zahl momentan schon fast
für grenzwertig", sagt er. Andererseits könnten auch wenige Taucher dem See zu schaffen machen. Die
Wasserqualität sei schon mal besser gewesen, findet auch Pfrepper, die allerdings weiß, dass Tannwedelalgen
und Krebse ein Beleg für gute Wasserqualität sind. Sorge bereitet ihr aber der Eintrag organischer Stoffe
in den See: durch Menschen im Sommer sowie Wasservögel wie Enten und Haubentaucher im Winter. Es gebe durch
Überdüngung bereits Algen im Flachwasser, so die Vereinsvorsitzende. Die Taucher haben sich auch mit einer
Kampagne gegen das Füttern der Wasservögel in Grünau ausgesprochen, um "grünen Schnee", wie sie den Kot der
Tiere nennen, zu verhindern. Als positives Beispiel für den Schutz des Sees nennt Conrad die
Taucheinstiegsplattform der Delphine, an der noch ungeübte Taucher Tarierübungen absolvieren, ohne das
Sediment des Sees aufzuwirbeln. Die Mitglieder überlegen, ob die Erhebung einer Taucheinstiegsgebühr
sinnvoll und durchführbar ist. Die Einnahmen daraus könnten für Umweltschutz und Uferpflege verwendet
werden, so Pfrepper.
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