Freunde des Kulkwitzer Sees sorgen sich um Wasserqualität / Aufklärung statt Verbote
Der Kulkwitzer See ist in Gefahr. "Wenn die Leute weiter so unvernünftig sind und rund ums Jahr ungebremst
kiloweise Brot an Wasservögel verfüttern, verkommt diese Leipziger Sehenswürdigkeit zum Dorftümpel", warnt
Joachim Weiß. Der promovierte Biologe kennt das Gewässer in- und auswendig, denn er ist Leiter der
Biologiegruppe des Tauchvereins Leipziger Delphine und schaut jährlich rund 40 Mal unter Wasser nach
dem Rechten. Seine Sorge teilen viele Freunde des Kulkwitzer Sees und auch Experten. Einigkeit herrscht,
dass nicht Verbote, sondern Aufklärung gegen die falsch verstandene Tierliebe hilft.
"Wenn ein zwei Meter großer Badegast bis zum Hals im Kulkwitzer See steht, kann er normalerweise seine
Zehen sehen." Was Ingrid Carmienke, Referentin im Umweltfachbereich des Regierungspräsidiums,
veranschaulichen will, ist weithin als die Stärke des Sees am Großstadtrand bekannt - er ist glasklar.
Ein Attribut, das längst nicht nur Leipziger schätzen, sondern das inzwischen ein Wirtschaftsfaktor
ist, denn Sportler von überall her tauchen dort ab.
Allerdings könnte der Spaß von einem Tag auf den anderen vorbei sein, wenn die Wasserqualität einmal
kippt. "Diese Sorge ist durchaus berechtigt", sagt die promovierte Biologin und betont, dass
übermäßiger Nährstoffeintrag durch unerwünschtes Füttern nicht nur den Kulkwitzer See gefährde,
sondern sämtliche Gewässer vom Dorfteich bis zum Cospudener See. "Das Problem bei den Tagebauseen
ist zudem, dass sie durch sehr sauberes Grundwasser gespeist werden und auf solche Eingriffe des
Menschen empfindlich reagieren." Ein trauriges Beispiel sei die Lagune am Kulki. Weil dort seit
Jahren mit Vorliebe Vögel gefüttert werden, sei sämtliches Leben im Wasser zerstört worden. "Anfangs
konnten wir dort noch Krebse beobachten. Die sind alle weg. Die Bucht ist klar, aber tot",
berichtet Taucher Weiß traurig.
Dabei ist zu bedenken: Es dauert 20 bis 30 Jahre, ehe sich das Volumen des Kulkwitzer Sees einmal
erneuert. Darum sind zusätzliche Einträge - egal ob nun durch Futter und übermäßigen Kot oder
selbst Exkremente von Badegästen - von dem System nicht ohne Weiteres zu verkraften. Lange,
strenge Winter, in denen das Gewässer noch zufriert, erschweren zudem die Zirkulation des
Sauerstoffvorrats, so die Expertin. Gerade auf dieses Gleichgewicht komme es aber an, wenn im
Kulkwitzer See Besonderheiten wie das für Westsachsen einmalige Nixenkraut oder 13 Arten von
Armleuchteralgen überleben sollen. Dass manches bereits im Argen liegt, haben die Taucher weit
eher vor Augen als Landratten und schlagen deshalb Alarm. Aufklärung statt Verbote lautet das
"Rezept" des Regierungspräsidiums, das den Kulkwitzer See akribisch beobachtet und prüfen will,
wie es in geeigneter Weise helfen kann. Aufklärung und Kontrollen fordern die Tauchsportler.
"Wir tun, was wir können, holen auch regelmäßig groben Dreck aus dem See, doch gegen das
Füttern sind wir allein machtlos", bedauert Vereinschef Reinhard Gräfe. Welchen Schaden
maßloses Füttern anrichtet, müsse schon Kindern erklärt werden.
Das letzte Wort in Sachen unerwünschtes Füttern haben allerdings die Besitzer und Betreiber der
Gewässer. "In Kürze berät der Verwaltungsrat des Kulkwitzer Sees. Da werde ich das Thema ansprechen,
denn der Winter steht vor der Tür und damit die Zeit, wo wieder Berge von Futter bei uns abgeladen
werden", sagt Christian Conrad, Chef der Betreibergesellschaft.
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