"See wird Kloake"

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Salmonellengefahr am Kulkwitzer See

Ärger am Kulkwitzer See: Aus vermeintlicher Tierliebe füttern Spaziergänger immer wieder die Wasservögel, vor allem am Lausener Strand. Eben ganz zum Ärger der Taucher und Naturschützer. Denn durch das Füttern kommt es zu vermehrten Kotablagerungen in und um den See - was wiederum zur Gefahr für die Tiere selbst und die sommerlichen Badegäste werden könnte.

"Es sieht wirklich schlimm aus. Der Kulkwitzer See wird langsam zur Kloake", schimpft Reinhard Gräfe vom Tauchsportverein Leipziger Delfine. "Wir sehen es ja jedes Mal unter Wasser. Da gammeln die Pflanzen an vielen Stellen einfach weg." Vor allem die Lausener Seite in unmittelbarer Nähe zum Schiff sei betroffen. "Dort schleppen die Leute zum Teil ganze Tüten mit Kuchenrändern und alten Brötchen hin", schimpft der Tauchschul-Besitzer. "Die Tiere schwimmen regelrecht im Brotteig." Ein Schlaraffenland für die Wasservögel. "Am See sind jetzt etwa 200 Schwäne und knapp 1000 Blesshühner", erklärt Gräfe. Hinzu kämen Möwen und Enten. "Das gab es früher nicht. Da sind die Vögel, wenn es nichts mehr zu fressen gab, weitergezogen." Nicht so in diesem Winter. "Die Tiere bleiben und verschmutzen mit ihrem Kot den schönen Badesee", so Gräfe. Sicher sei es schön, durch das Füttern die Schwäne und Enten auch mal aus der Nähe zu sehen. Dafür sei jedoch der Zoo da. Eine kleine Hand voll Brotkrümel reiche schon aus, den Tieren und dem See nachhaltig zu schaden, meint Gräfe. "Aus ein paar Krümeln werden nämlich bei hunderten Spaziergängern auch schnell ein paar Brötchen."

Mit fatalen Folgen: "Bei der Vergärung von einem Kilogramm Brotresten werden anderthalb Kilo Sauerstoff verbraucht", warnt Umweltamtsleiterin Angelika von Fritsch. "Die fehlen dann anderen Wasserbewohnern." Hinzu kommt, dass durch Uferverschmutzungen Salmonellen und andere Krankheitskeime verbreitet werden - vor allem für spielende Kinder gefährlich. Außerdem verhindere das zusätzliche Futterangebot die Ausbildung einer gesunden Population durch die natürliche Auslese kranker und schwacher Tiere, so von Fritsch.

"Am Kulkwitzer See ist es besonders schlimm, weil die Leute so viel altes Brot hinschleppen", so die Umweltamtsleiterin. Die Futterreste verfaulen dann im Wasser, dabei werden durch bestimmte Bakterien Giftstoffe freigesetzt. "Wenn die Vögel diese Stoffe dann aufnehmen, kann es zu Lähmungen und zum Tod großer Tierbestände kommen", sagt die Leiterin des Umweltamtes. Die Taucher können unter Wasser kaum noch gesunde Fische finden, bestätigt Gräfe. "Auf den Bildern, die wir regelmäßig machen, sind Pilze und Parasiten auf den Tieren zu erkennen. Irgendwann wird der See durch die anhaltenden Verschmutzungen einfach umkippen."

Um das zu verhindern, seien dem Umweltamt allerdings die Hände gebunden, meint von Fritsch. "Wir haben schon oft überlegt, Schilder aufzustellen. Die Frage ist nur, wie lange die dann dort stehen." Außerdem sei das Füttern der Wasservögel nicht verboten. "Das ließe sich nur schwer kontrollieren", so die Leiterin. Für Leser Leonhard Kasek, der ebenfalls beobachtet hat, dass Leute regelmäßig Tüten zum Kulkwitzer See schleppen, ist die Sache dagegen klar. In einer E-Mail an die Lokalredaktion heißt es: "Ich hätte nichts dagegen, wenn die Stadtverwaltung ein paar Politessen losschicken würde, um die fleißigsten Fütterer wegen Gewässerverschmutzung abzukassieren."

Standpunkt - von Linda Polenz

Eine verschneite Winterlandschaft am Kulkwitzer See. Traumhaft für Spaziergänger, die dann schnell Mitleid mit den armen Wasservögeln entwickeln, die im Winter nichts zu fressen haben. Doch der Griff in die Tüte mit Brotresten ist falsch verstandene Tierliebe. Schwäne und Enten finden auch in der kalten Jahreszeit ohne eine großzügige Menschenhand Futter. Ansonsten unterliegen sie der natürlichen Auslese, die wichtig für den Tierkreislauf ist, damit der Bestand nicht explodiert. Und: Massenweise Exkrementablagerungen verschmutzen langfristig den See.

Niemand will im Sommer in einer Kloake baden, auch wenn dann die Folgen des winterlichen Schlaraffenlandes nicht mehr auf den ersten Blick zu sehen sind. Im Zoo untersagen Schilder das Füttern der Tiere. Am Kulkwitzer See sollte es der gesunde Menschenverstand tun - auch wenn es nicht verboten oder ständig kontrolliert wird.
Leipziger Volkszeitung - Linda Polenz [06.02.2006]
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