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Schnee liegt in der Luft, die Temperaturen sind längst unter dem Gefrierpunkt und auch die Grünauer warten schon - gleich
werden sich am Kulkwitzer See "Delphine" tummeln. Doch auch wenn sich die echten hier noch nicht angesiedelt haben, das
jährliche Neujahrstauchen der Freizeitsportler mit dem bezeichnenden Namen sorgt wie immer für zahlreiche Zuschauer.
Der sportliche Start Anfang Januar zeigt jedoch nicht nur die Freude am Tauchen, er soll auch symbolisch für ein gutes
Jahr stehen. "Für uns Freizeitsportler bedeutet es auch, dass sich die Wasserqualität nicht noch weiter
verschlechtert", sagt Jürgen Reins vom Vorstand des Tauchsportvereins Leipziger Delphine. Zwar habe der Kulki
immer noch einen guten Ruf - Sichtweiten bis zu zwölf Meter im ufernahen Bereich machten ihn in den letzten
Jahrzehnten zum Anziehungspunkt für Taucher aus ganz Deutschland. "Doch der Kulkwitzer See ist in Gefahr", sagt
Joachim Weiß. Nicht zum ersten Mal warnt der promovierte Biologe, Hobby-Taucher und Leiter der Biogruppe: Viel sei
in den letzten Jahren über falsche Tierliebe und sinnlose Fütterung der Wasservögel berichtet worden - gemeinsam mit
dem Naturschutzbund (Nabu) habe man Merkblätter herausgegeben und Schilder aufgestellt, um an die Vernunft der
Leipziger zu appellieren. Doch viel geändert habe sich nicht. "Rund ums Jahr werden kiloweise Brot und ganze
Bioabfälle an Wasservögel verfüttert." Und auch in diesen Tagen kann man Leipziger mit prall gefüllten Brottüten
sehen. "Dadurch werden immer mehr Tiere, insbesondere Blessrallen angelockt. Viel zu viele für den relativ kleinen
Kulki. Denn Futter, das nicht angenommen wird, versinkt. Hinzu kommen die Ausscheidungen der Wasservögel, die als
eine Art grüner Schnee täglich durch das Wasser rieseln und wie ein hochprozentiger Dünger wirken. Folge: Der
Sauerstoffgehalt verringert sich, Algen, Bakterien und Krankheitserreger vermehren sich, der See verkommt immer
mehr zum Tümpel." Dabei habe das Füttern keinen Zweck, denn gebe es nichts mehr zum Fressen, sind die Wasservögel
intelligent genug, bei Schneedecke und Eisschicht an offene Gewässer weiter zu ziehen. Ist es im Winter die falsche
Fütterei, sind es im Sommer die Badegäste, die den See als Toilette nutzen. Weiß: "An der Lagune sind die kleinen
Krebse längst weg." Dabei haben sich in dem ältesten gefluteten Tagebau Mitteldeutschlands seltene Spezies
angesiedelt: Armleuchteralge, Nixenkraut und Keulenpolyp oder die winzige Süßwassergarnele beispielsweise.
Sensible Organismen wie Süßwasserschwämme können als biologischer Reiniger Bakterien aus dem Wasser filtern,
so Weiß. Im März wird der Naturwissenschaftler gemeinsam mit der Biogruppe der Delphine dem See wieder auf den
Grund gehen: Bestandsaufnahme machen. Untätig sind auch die anderen Tauchsportler nicht, mittlerweile gehören
fast 200 Mitglieder zum Verein. "Wir haben eine starke Kinder- und Jugendgruppe", freut sich Jürgen Reins.
Gesellige Veranstaltungen, Sommerlager, Tauchgänge mit Sportlern, die aus allen Himmelsrichtungen an den See
kommen, gehören zum Jahresprogramm. Aber auch immer wieder Umwelttage, an denen die Delphine säckeweise Müll
einsammeln.
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