Das Entsetzen ist riesengroß: Nach Brandanschlag auf Komm-Haus: Fassungslosigkeit und Solidarität in Grünau

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Das Grünauer Komm-Haus wird nach dem Brandanschlag über Monate hinweg geschlossen sein. Inoffiziellen Schätzungen zufolge dürfte eine Instandsetzung mindestens ein Vierteljahr dauern. Nach einer Beratung gestern Abend steht fest: Die Angebote des städtischen Kulturzentrums werden so lange in anderen Einrichtungen fortgeführt. Kurzfristig werden Ausweichmöglichkeiten unter anderem im Freizeittreff Völkerfreundschaft und in der Volkshochschule bereit gestellt, teilte Rathaussprecher Steffen Jantz gestern Abend mit. Eine Terminübersicht soll nächste Woche auf der Internetseite des Quartiersmanagements Grünau (www.qm-gruenau.de) veröffentlicht werden. Zu weiteren Details will die Stadtverwaltung heute eine offizielle Erklärung abgeben. "So viel steht aber fest", kündigte Jantz bereits an, "das Komm-Haus bleibt und wird nach einer Sanierung in gewohnter Form wieder betrieben werden." Antje Kretzschmar vom Quartiersmanagement war mit dem Ergebnis der gestrigen Beratung zufrieden: "Es herrscht eine große Solidarität", sagte sie. "Das Komm-Haus war eine der wichtigsten Einrichtungen hier im Wohngebiet, eine Art Bürgerhaus." Täglich trafen sich hier Senioren zur Gymnastik, Frauen zum orientalischen Tanz, Kinder und Jugendliche zum Schachspiel, Arbeitslose zu Beratungsgesprächen. Deshalb habe der Brandanschlag auch für Fassungslosigkeit im Wohngebiet gesorgt. "Niemand konnte sich vorstellen, dass so etwas bei uns passiert", sagte sie. "Das Entsetzen im Stadtteil ist riesengroß". Wie berichtet, hatten Unbekannte am Montag gegen 2.30 Uhr die Eingangstür des Gebäudes aufgehebelt und mit einem Brandbeschleuniger Feuer im Erdgeschoss gelegt. Weil es zuvor immer wieder zu Attacken und Drohungen von Rechtsextremen gekommen war, mutmaßte die Bürgerinitiative (BI) Buntes Grünau, die gegen rechtsradikale Tendenzen im Viertel offen auftritt und sich einmal pro Monat im Komm-Haus traf, dass Neonazis dahinter stecken. "Es gibt hier ein Problem mit Rechtsextremismus und ein Brandanschlag wäre sicher eine neue, Besorgnis erregende Qualität", räumte auch Kretzschmar ein. Allerdings warnte sie vor voreiligen Schlüssen, so lange die Beweislage nicht eindeutig ist. Die Polizei will einen politischen Hintergrund der Tat nicht ausschließen. "Einen konkreten Verdacht gibt es jedoch nach wie vor nicht", sagte gestern Polizeisprecher Daniel Kapferer. Wie zu hören war, sollen die Eindringlinge in der Nacht zum Montag aus dem Komm-Haus auch einiges Inventar gestohlen haben, unter anderem Computer, Unterhaltungselektronik und Bargeld. Mancher hält es deshalb zumindest theoretisch für möglich, dass auch gewöhnliche Einbrecher den Brand gelegt haben könnten, um Spuren zu verwischen. Die Polizei bestätigte dies bisher nicht. "Ob der Anschlag von Nazis verübt wurde oder nicht - nach dem lähmenden Schockzustand infolge des Gewaltaktes muss wieder die Aktivität im Vordergrund stehen", erklärte BI-Sprecherin Klaudia Naceur. Die Bürgerinitiative rief gestern zu einem Arbeitseinsatz für Sonnabend, 10 Uhr, am Komm-Haus auf.

Kontakttelefon für Vereine und Initiativen, die im Komm-Haus Veranstaltungen angekündigt oder Räume reserviert haben: 0176 87162323. Zeugenhinweise an die Kripo unter 0341 96642234. Die Brandschäden im Komm-Haus sind immens. Eine Instandsetzung dürfte nach ersten Schätzungen mindestens drei Monate dauern.
Frank Döring
© Archiv Leipziger Volkszeitung | 28.11.2008; Quelle=LVZ/Leipziger-Volkszeitung; Ressort:Leipzig; Sektion:L/Leipziger Volkszeitung-Stadtausgabe/Stadtausgabe; S. 16
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