Artenreiche Blumenwiesen statt tot gepflegtem Rasen!

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Das Besondere an Grünaus Natur ist, dass viele Tier- und Pflanzenarten nicht nur in angrenzenden Parks oder dem Auwald leben, sondern direkt zwischen den Wohnblocks vor der Haustür. In der Abenddämmerung lassen sich die zahlreichen Hasen gut beobachten, mit etwas Glück sogar ein Fuchs oder am Rand Grünaus auch ein Dachs. Über den Grünflächen jagen Turmfalken, aber auch Bussarde und der Rote Milan, nachts werden sie durch Fledermäuse abgelöst. Vor allem im Mai kann man

zahlreichen Singvögeln lauschen. Wer Berlin zur Nachtigallenhauptstadt ernannt hat, kennt Leipzig-Grünau nicht. An trocknen, steinigen Stellen ist die Zauneidechse nicht selten. Zahlreiche Wildobstgehölze bieten nicht nur den Vögeln im Herbst und Winter Nahrung, sondern auch Grünauern, die nach alter Weise daraus Marmelade kochen oder Likör herstellen. In Grünau kommen heute weit mehr Tier- und Pflanzenarten vor, als auf den Feldern, die dort waren wo heute die Wohnhäuser stehen. Woran liegt das?

Einmal daran, dass die industrialisierte Landwirtschaft vielen Tieren die Existenzmöglichkeiten genommen hat. So gab es auf den Feldern an Leipzigs Westrand in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch 5 bis 6 Feldhasen je Hektar, heute sind es 3 je hundert Hektar, ein Rückgang um 99,4%! Ein Teil dieser Arten wie

Hasen, Fasane, Wachteln, aber auch Elstern hat in der Stadt eine neue Heimat gefunden. Grünau ist überdies gut mit artenreicheren Lebensräumen außerhalb der Stadt verbunden. Der Zschampert bietet vielen Tieren einen Weg vom Auwald, vom Bienitz und von den Kulkwitzer Lachen zum Kulkwitzer See und nach Grünau. Der See selbst mit seinen vielen Grünflächen und dem Pappelwald, der Schöner Park und die angrenzenden Lachen beherbergen viele Arten, die von dort aus nur gelegentlich in Grünau auftauchen. Aber auch Grünau selbst bietet einiges. Die großen Grünflächen zwischen den Wohnhäusern, auf denen kein Durchgangsverkehr spielende Kinder gefährdet, laden auch viele Vögel und Säugetiere ein. In den zahlreichen Wildsträuchern finden sie Nahrung und Deckung und auch an Bäumen mangelt es nicht. Viele Wiesen werden nur ein bis zweimal im Jahr gemäht. Dadurch können dort viele Wildkräuter wachsen, blühen und fruchten. Das bietet zahlreichen Insekten und Vögeln Nahrung. Wer sich über die großen bunten Tagfalter freut, gern Vögeln wie Stieglitz oder Hänfling zusieht oder gar seine Kinder und Enkel auf die Hasen hinweist, muss wissen, dass diese auf artenreiche Wiesen angewiesen sind. Kitas und Schulen könnten artenreiche Naturwiesen für lehrreiche und wissenswerte Ausflüge nutzen und Kinder darauf aufmerksam machen, was in ihrem nahen Umfeld blüht und wächst und lebt. Der "Aha-Effekt" ist garantiert.

Einige Bürger schimpfen leider über verlotterte Grünflächen und versuchen, die Stadtreinigung zu häufiger Mahd zu nötigen. Oft gemähte Grünflächen bieten aber nur noch sehr wenigen Arten Raum, ein gepflegter englischer Rasen gar ist ökologisch tot und bringt für die Natur kaum mehr als eine rasenähnliche Kunststoffmatte. Der Naturschutzbund unterstützt daher ausdrücklich die Bemühungen der Stadtreinigung und der von privaten Eigentümern mit der Mahd Beauftragten, der Natur durch seltenes Mähen mehr Raum einzuräumen, auch wenn deren Hauptmotiv sicher die Einsparung von Geld ist. Aber es ist keine schlechte Sache, wenn Naturschutz dazu führt, dass knappe Finanzmittel gespart werden können. Einige Flächen werden gar nicht mehr gemäht. Das dient weder der Artenvielfalt noch sieht es gut aus. Mindestens einmal im Jahr muss gemäht werden und das Mähgut muss abtransportiert werden. Nährstoffreicher Boden führt dazu, dass sich nur wenige Pflanzen durchsetzen und die vielen Wiesenblumen verdrängen. Daher sind Grünflächen auch kein Hundeklo.

Attraktive Nachnutzungsmöglichkeiten sind z.B. neben Naturwiesen die Mietergärten im Wk 8, das interessante Kolonnadenprojekt in der Alten Salzstraße oder die Bepflanzung einer Abrissfläche mit Bäumen und Sträuchern in der Weißdornstraße, bei der sich etliche Anwohner beteiligten. Letzteres ist eine Möglichkeit, die sich mit Sicherheit wiederholen lässt, wenn das Interesse der Besitzer der Freiflächen vorhanden ist. Wünschenswert wäre, wenn sich weitere Flächen dieser Art etablieren würden. Es gibt genügend Flächen in Grünau, die vielfältigste und abwechslungsreiche Möglichkeiten der Nachnutzung bieten. Wichtig sind natürlich auch Wiesen, auf denen Kinder einfach nur spielen und toben können - wie z.B. auf Spielplätzen oder auch auf einem Fußballfeld - wie im Wk 8, nahe Zschampertaue.

Naturreichtum trägt übrigens erheblich zur Lebensqualität im Wohngebiet bei. Grünflächen binden außerdem Staub und wirken durch die Verdunstung der trocknen Luft in vielen Wohngebieten entgegen. Sie heizen sich im Sommer längst nicht so auf wie dicht bebaute Wohngebiete. Damit lassen sich vor allem sommerliche Hitzeperioden besser ertragen. Dass es in Wohngebieten deutlich wärmer ist als in der freien Agrarlandschaft, lässt sich vor allem im Frühjahr gut beobachten: Während in Lausen und Miltitz gerade erst die ersten Krokusse auftauchen, blühen in der Nähe der Stuttgarter Allee längst die Narzissen. Eine artenreiche Natur wirkt auch einfach entspannend. Es gibt daher auch für die Grünauer gute Gründe sich im eigenen Interesse für eine artenreiche Natur vor der eigenen Haustür einzusetzen.

Vielleicht schreiben Sie, liebe Leser, der Grün-As einmal Ihre Ideen für Nachnutzung von Freiflächen und unterlegen diese mit entsprechendem Foto der jeweiligen Fläche?
Dr. Leonhard Kasek [15.10.2008]
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