Pressespiegel 10/2008: "Völlig verlottert - Grünauer ärgern sich über Grünanlage"

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Alle Jahre wieder - Artikel in der LVZ, in denen sich Leser über Wiesen ärgern und Monatsrasen fordern. Vergangenes Jahr in Großzschocher, im Sommer in Taucha am Schlossberg, jetzt in der LVZ vom 11.09.2008 auf Seite 18 in Grünau. Dies macht uns als NABU-Regionalverband Leipzig doch schon sehr traurig, dass ein bisschen Natürlichkeit auf solches Unverständnis trifft. Auch muss man die LVZ-Redakteure nach der Objektivität solcher Artikel fragen, da sie nicht darstellen, vie viele Grünauer oder Bürger in den anderen Gebieten sich über bunte Blumenwiesen auch freuen.

Aus klimapolitischen, ökologischen und naturschutzfachlichen Gründen ist eine bunte Blumenwiese viel wertvoller, als die in unseren Wohngebieten allgegenwärtigen Monatsrasen (Grünflächen, die monatlich gemäht werden). Klimapolitisch, weil bei nur einer Mahd im Jahr viel weniger Kraftstoff für die Mahd verbraucht und damit weniger CO2 ausgestoßen wird. Ökologisch, weil längeres Gras die Verdunstungsrate des Wassers senkt und damit die Austrocknung des Bodens im Sommer verlangsamt. Häufig verbrennen im Sommer große Flächen der Monatsrasen und die großen braunen Flecken sehen dann auch unansehlich aus. Naturschutzfachlich, weil in einer einschürig gemähten Wiese eine viel größere Artenvielfalt an bunten Blumen, Heuschrecken, Schmetterlingen und vielen anderen Kleintieren zu finden ist.

Als Biologe erkenne ich auf den ersten Blick in dem Bild in der LVZ die Samenstände der wunderschön pikfarben blühenden Wiesen-Flockenblume, des gelb blühenden Pastinaks und immer noch weiß leuchten die Blüten der Wiesen-Schafgarbe. Natürlich müssen diese Blumen auch verblühen, um Samen für die nächste Generation bilden zu können. Dann sind solche Wiesen eine kurze Zeit lang auch weniger ansehlich.

Wiesen müssen selbstverständlich gepflegt werden. Dies bedeutet, mindestens 1-mal im Jahr gemäht werden. Ansonsten entwickeln sie sich in wenigen Jahren zu Gehölzbiotopen. Und eine massive Ausbreitung des im Hintergrund erkennbaren Eschenblättrigen-Ahorns, einer nicht heimischen, aber sich invasiv ausbreitenden Baumart ist nicht wünschenswert. Nach der im Bild erkennbaren Artenzusammensetzung ist eine jährliche Mahd Ende August/Anfang September notwendig. Außerdem sollte in einzelnen Jahren zusätzlich eine Mahd Ende Mai erfolgen, um die Dominanz bestimmter weniger wertvoller Brachearten, wie Land-Reitgras oder Kanadischer Goldrute zu verhindern.
Karl Heyde [18.10.2008]
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