Völlig verlottert: Grünauer ärgern sich über Grünanlage, die vor Jahren aufwändig mit EU-Geldern hergerichtet wurde

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Fast alle Grünauer freuen sich darüber, dass ihr Stadtteil neue Grünanlagen erhält: Wo Häuser abgebrochen wurden, werden deren Flächen aufwändig und schön hergerichtet. Doch an der Breisgaustraße gibt es einen kleinen Park, der immer mehr verlottert. "Wenn die Stadt kein Geld für die Pflege hat, werden die neuen Grünflächen auch bald verkommen sein", fürchten dort einige Bewohner.

Klaus-Dieter Wenzel hat ständig beide Extreme im Blick. Von seinem Balkon in der zehnten Etage der Breisgaustraße 81 sieht der Senior, wie südlich der Alten Salzstraße die neuen Grünanlagen entstehen - genau an der Stelle, wo vor kurzem Wohnblöcke abgebrochen wurden, weil es im Stadtteil an Mietern fehlt. "Es ist wirklich toll, was dort entstanden ist und entsteht", meint der 66-Jährige. Doch wenn sein Blick dann auf den kleinen Park fällt, der auf der Fläche unter seinem Balkon beginnt und sich an der Karlsruher Straße entlang bis an die Alte Salzstraße erstreckt, verfinstert sich seine Miene. "Dieser kleine Park ist vor reichlich fünf Jahren entstanden", erzählt er. "Aber jetzt ist er völlig verlottert."

Wer vor dem Areal steht, fühlt sich in der Tat in eine Wildnis versetzt: Das Unkraut sprießt fast einen Meter hoch, auch die Fugen des teuer verlegten Natursteinpflasters sind voller Unkräuter. Die Beete, die einst um Büsche, Hecken und Bäume angelegt wurden, sind ebenfalls zugewuchert. "Es reicht nicht aus, etwas zu errichten und es dann verkommen zu lassen", meint Wenzel. Auch einige seiner Nachbarn schütteln mit den Köpfen, wenn sie die Fläche sehen. "Wo jetzt der Park ist, stand früher eine Kindereinrichtung", erzählt Regina Rosemann aus der Breisgaustraße 79. "Nachdem sie abgerissen worden war, entstand mit Mitteln der Europäischen Union eine sehr schöne Parkanlage. Jetzt steht dort das Gras meterhoch, vergilbt und durch Regen und Winter runter gedrückt. Wenn es trocken ist, reicht wahrscheinlich eine glimmende Zigarette, um es zu entzünden."

Das Grünflächenamt wurde gestern von diesen Beschwerden überrascht. "Die Fläche ist in unsere niedrigste Pflegekategorie eingeordnet", räumt Amtsleiterin Inge Kunath ein. "Dort lassen wir praktisch nur Müll beräumen." Dies habe aber nichts mit den Haushaltszwängen der Stadt zu tun, sondern liege an einer Pflege-Empfehlung, die die zuständige Landschaftsarchitektin nach dem Anlegen des Parks gegeben hat. "Diese Einstufung lasse ich jetzt überprüfen und schaue mir die Fläche selber an. Wenn die Einstufung falsch ist, werden wir sie unverzüglich ändern."

Inge Kunath widerspricht den Ängsten, dass die neu entstehenden Grünflächen bald ähnlich schlimm aussehen könnten wie das beanstandete Areal. "Auch für sie wird es Pflegekategorien geben, die natürlich angemessen sein müssen", sagt sie. Eine Fläche zur Aufforstung werde deutlich weniger gepflegt als ein Park. "In Grünau sind die Grünanlagen in der Regel korrekt eingestuft. Ich war erst am Sonntag im WK 3 und war zufrieden mit dem, was ich dort gesehen habe." Klaus-Dieter Wenzel findet auch, dass es sich in Grünau gut leben lässt. Er will dem Stadtteil selbst dann treu bleiben, wenn sich an der Pflegekategorie der verlotterten Fläche vor seinem Haus nichts ändern sollte. "Die Einkaufsmöglichkeiten sind gut, unsere Schwimmhalle auch", erzählt der Diplomingenieur, der einst im Drehmaschinenwerk an der Pittlerstraße gearbeitet hat. "In unserem Block ziehen kaum Mieter weg. Viele bleiben, bis sie sterben. Aber dann stehen ihre Wohnungen oft leer, weil zu wenige Leute herziehen."
Leipziger Volkszeitung - Andreas Tappert [11.09.2008]
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