Bürgermeisterin Carina Radon will die Gutachten für den Bebauungsplan am Westufer des Kulkwitzer Sees abwarten
Wegen der im April vorgestellten Ideen zur Gestaltung des Westufers des Kulkwitzer See in Markranstädt hat sich die
Bürgerinitiative (BI) "Pro Kulki kontra Bebauungswahn" gegründet. Bürgermeisterin Carina Radon erklärt, warum sie
einen Bebauungsplan für das 35 Hektar große Areal anstrebt.
Frage: Warum wollen Sie eingreifen, wenn viele Bürger die Uferbereiche so ursprünglich wie möglich belassen wollen?
Carina Radon: Überspitzt gesagt, wird Natur durch ungeordnete Nutzung auch zerstört. Nach schönen Wochenenden erhalte
ich vier bis fünf Beschwerden über Müll und Verunreinigungen am See. Ich kann dort nicht 24 Stunden Streifen laufen
lassen.
Was beabsichtigen Sie konkret? Wir brauchen Struktur für Nutzungsarten und Kontrollmechanismen durch vor Ort
ansässige wie das Strandbad, das am Tag bewirtschaftet ist. Beispielsweise gab es Probleme, Holzbauten für den
Seglerverein zu bauen. Dafür brauchen wir einen B-Plan, der festlegt, was man dort bauen kann - und was nicht.
Das gilt übrigens auch für dringende Baumaßnahmen am Kanuclub.
Überrascht Sie die Gründung der BI? Nein, das hat sich abgezeichnet. Ich finde gut, wenn es noch Menschen gibt,
die interessiert, was in der Stadt passiert.
Inwieweit wollen Sie Zugeständnisse machen? Das ist nicht der richtige Ansatz. Wir wollen die vorhandenen
Nutzungsarten sichern. In welcher Weise der Seeweg gebaut wird - in Asphalt oder nicht, oder wie ein Bereich
für wenige Veranstaltungen wie Nabucco gestaltet werden soll -, ist ja völlig offen. Auch über die Ferienhäuser
kann man diskutieren, die Skateboardanlage könnte an der Festwiese entstehen.
Berührt der Bebauungsplan auch im übergeordneten Regionalplan Westsachsen geschützte Grünzüge? Das ist möglich.
Wenn etwas geändert werden muss, dann wird es eine Anhörung, gegebenenfalls ein Verfahren geben. Voraussetzung
ist das genaue Studium der Pläne.
Die Bürgerinitiative hegt die Sorge, dass Uferzonen abgezäunt werden. Weitere Einfriedungen sind nicht vorgesehen.
Der Zugang zum See hat auch bei den Stadträten oberste Priorität.
Warum, meinen Sie, regt sich so viel Widerstand? Man muss ganz klar sagen: Es gibt Partikularinteressen der
Anwohner in Seenähe. An der Renne hatten wir erst einen genehmigten B-Plan, der dichtere Bebauung vorsah,
gegen die es keine Einwände gab. Bei der frühen Bürgerbeteiligung ist der Fehler gemacht worden, dass die
Idee der Auflösung der dichten Bebauung an der Renne über die gesamte Fläche und der Unterschied zwischen
städtbaulichem Rahmenplan und B-Plan nicht genügend herausgearbeitet wurde. Statt über Geltungsbereich und
mögliche Nutzungen zu sprechen, hat der Rahmenplan Diskussionsstoff gegeben.
Was wundert Sie an der Debatte? Ich habe manchmal den Eindruck, viele denken, der vorfristige B-Plan soll
vom Pappelwald bis Grünau reichen. Er betrifft aber nur den 1,5 Kilometer langen Weg am Strand zwischen
Anglerverein und Beachvolleyballplatz.
Wie sieht der Zeitplan aus? Ich erwarte das Artenschutzgutachten bis Anfang September. Damit werden
sich erst die Ausschüsse beschäftigen, dann der Stadtrat. Übrigens rechne ich mit einer Auslegungsfrist
von sechs bis acht Wochen. Sollten die Emissionswerte überschritten werden - auch dieses Gutachten steht
noch aus -, brauchen wir gar nicht weiter zu diskutieren.
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