Neues vom Kulkwitzer See: Fun- und Trendsportparadies contra Naturparadies?

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Am 23.05.2009 berichtet die LVZ auf Seite 25 unter der Überschrift "Kulkwitzer See wird zum Fun- und Trendsportparadies" u.a. folgendes:

"Spiel, Spaß und Sport auf dem Wasser wird in Markranstädt bald großes Thema. Für den 13. und 14. Juni ist das 4. Fun- und Trendsportwochenende am Westufer des Kulkwitzer Sees in Höhe des Strandbades geplant." Des weiteren wird die Amtsleiterin des Kreisentwicklungsamtes des Landkreises Leipzig, Frau Gesine Sommer, zitiert: "Wir haben uns 2006 gefragt, was können wir als Landkreis für die Region anbieten. Mit dieser Veranstaltung möchten wir zeigen, was in, an und um die Seen möglich ist. Und die Vielfalt an Freizeit- und Wassersport ist groß: Schnuppersegeln, Tauchen, ein Quad- sowie ein Hindernisparcours und Bouncen - die Fortbewegung auf Sieben-Meilen-Stiefeln aus speziellem Fiberglas, mit denen man höher sowie weiter springen kann - laden zum Vergnügen ein. Aber auch Reiten, Bogenschießen und der Kletterpark Deutzen werden wieder mit von der Partie sein. Wasserski mit Motorboten gebe es auch, kündigt Sommer an."

Der Kulkwitzer Se ist das Naherholungsgebiet für Grünauer und Markranstädter sowie Umgebung und somit ein nahtouristischer Ausflugsort. Vorteilhaft wäre, wenn man auf die vorhandenen Qualitäten des Sees und seiner Umgebung aufmerksam machen würde.

Ob dafür ein Fun- und Trendsportfest u.a. mit Drachenbootrennen und Bogenschießen, geeignet ist, welches in seinen angekündigten Ausmaßen ebenso weit über das Ziel hinausschießt, wie der bekannte Entwurf zum B-Plan für die Leipziger Ostseite des Sees, muss schon deutlich hinterfragt werden. Warum Wasserski mit Motorbooten und einen Kletterpark auf dem Kulkwitzer See anbieten? Eine Wasserskianlage – ohne Motorbooteinsatz - und ein Hochseilgarten sind bereits bestens etabliert. Wo sollen die Reiter entlang reiten, wo es keine Reitwege gibt? Am Oststrand gibt es bereits zu viel Verschmutzung mit Pferdeäpfeln von Reitern aus Leipzig-Lausen, die rechtswidrig am Ufer entlang reiten. Wo sollen die Segways fahren, ohne mit den reichlichen Wanderern und Radfahrern in Konflikt zu geraten? Wo sollen Quad- sowie ein Hindernisparcours stattfinden, etwa auf oder über die naturschutzfachlich wertvolle Kippe? Zum Glück hat der "Kulki" noch keinen asphaltierten Rundweg, so dass an seinem Rand noch Orchideen blühen können.

Die LVZ zitiert Frau Sommer wieder: "Es geht an diesem Wochenende darum, Schnupperangebote zu testen. Ist das 'ne Sache, mit der ich mich etablieren kann?, stelle sich als Frage für mögliche Anbieter." Aber warum am Kulkwitzer See, wo viele dieser Angebote schon etabliert sind – wie z.B. auch segeln, tauchen, rudern, paddeln? Will der Kreis Leipzig hier einen ruinösen Wettbewerb gegen Anbieter am See starten, die auf Leipziger Flur etabliert sind? Und dies auf Kosten des Sees?

Frau Sommer erzählt der LVZ: "Der Kulkwitzer See ist seit Langem ein touristischer Ausflugsort, während das andere Seen noch ein bisschen vor sich haben, sagt Sommer. Um die Stadt zu entwickeln, gelte es das Augenmerk stärker auf den See zu richten. Das Leipziger Ufer sei schon strukturierter." Dies zeigt sehr deutlich, dass es einmal mehr um Kleinstaaterei, Kirchturmpolitik und Neid geht. Sonst hätte man über den Zweckverband den See mit seinen Errungenschaften als ganzes betrachtet.

Sind sich die Veranstalter einschließlich Frau Sommer bewusst, dass sie mit einem Fun- und Trendsportparadies das Naturparadies Naherholungsgebiet Kulkwitzer See massiv gefährden? Im Gegensatz zu den großen Seen im Neuseenland im Süden Leipzigs ist der Kulkwitzer See ein sehr kleiner See. Dazu passt auch nur ein reduziertes, kleineres Angebot, wenn man den Charakter des Gebietes nicht auf Krampf vergewaltigen will.

Die Ausführungen von Frau Sommer lassen befürchten, dass sie bzw. die verantwortlichen Organisatoren den See und seine vielen Anlieger noch gar nicht wirklich kennen und einzig nach Vermarktungspotentialen Ausschau halten. Vielmehr wird überdeutlich, dass mit dem Kulkwitzer See der falsche See für die Ziele eines Fun- und Trendsportfestes gewählt wurde. Der Kulkwitzer See ist bereits vielfältig erschlossen und wird derzeit schon intensiver genutzt, als es dieses Paradies verträgt.

Zu einem Paradies gehören eine gesunde Flora und Fauna. Bei den Ausführungen zum genannten Vergnügungswochenende im Juni stellt sich unter dem Aspekt des Naturschutzes die Frage, wie das Naherholungsgebiet und die wertvollen Naturparadiese am bzw. im Kulkwitzer See dieses "Fun und Trendsportparadies" und seine Auswirkungen verkraften sollen? Bei den Planungen dieses Trendsportfestes fehlt gänzlich der Blick auf die Natur und die Wasserqualität des Sees.

Zum Thema "Wasserqualität Kulkwitzer See" gibt es umfangreiche Informationen in den News unter www.kulkwitzersee.com und im Menüpunkt "NATUR".

Die dramatische Verschlechterung der Wasserqualität in den letzten Jahren zeigt, dass der See bereits jetzt falsch gemanagt und übernutzt wird. Welche Vorschläge zur Nutzung hat Frau Sommer eigentlich, wenn in 20 Jahren der Kulki eine ähnliche Wasserqualität hat, wie der Leipziger Auensee und deshalb Badeverbot und Fischsterben auf der Tagesordnung stehen???

Karl Heyde, vom Landkreis als ehrenamtlicher Naturschutzhelfer bestellte Betreuer der Kippe Kulkwitz, der gleichzeitig auch Vorstandsmitglied des NABU-Regionalverbandes Leipzig e.V. ist, hat ernsthafte Bedenken: Die Veranstaltung in unmittelbarer Nähe der Hochkippe könnte dieses mit besonders wertvollen Naturgütern ausgestattete Naturparadies nachhaltig schädigen. So finden sich gesetzliche Schutzgüter direkt am Wegesrand, was eine motorisierte Fortbewegung, aber auch eine Fortbewegung mit breiteren Gefährten untersagt. Nicht zuletzt trägt auch der Veranstalter einer solchen Großveranstaltung in unmittelbarer Nachbarschaft von, nach der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der EU gesetzlich besonders streng geschützten, Schutzgütern eine enorm hohe Verantwortung, dass diese durch seine Teilnehmer und Gäste nicht beeinträchtigt werden.

Ergänzend lesen Sie bitte die Ausführungen zu den Bebauungsplan-Entwürfen am Ost- und Westufer des Sees, die auch aufzeigen sollen, was rund um den See möglich sein könnte. http://www.kulkwitzersee.com/kulkwitzer-see-leipzig-informationen.html.

Fun- und Trendsportparadies mit Motorbooten, Bebauungsplanentwürfe - es entsteht der Eindruck, als ob aus einem NAH-erholungsgebiet, geschaffen vor über 30 Jahren in erster Linie für die Anwohner, ein Erholungszentrum für Ferntouristen werden soll... Wurden bei all diesen Planungen auch die Nutzer des Sees - Anwohner oder Vereine am Ost - und Westufer -gefragt, wie sie ihren See künftig nutzen wollen, wie sie die Entwicklung dieses Naherholungsgebietes sehen?

Die Natur hat sich am Kulkwitzer See nach dem Braunkohletagebau in den zurück liegenden Jahrzehnten zurück erobert, was der Mensch ihr einst nahm. Greift der Mensch jetzt wieder in die Natur ein?

Der Mensch geht, die Natur bleibt, ... oder ist zerstört.
Karl Heyde, Vorstandsmitglied NABU-Regionalverband Leipzig e.V.
und
Elke Göbel, Redaktion www.kulkwitzersee.com
26.05.2009
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