"Achtung - Das Füttern der Wasservögel ist im gesamten Gebiet des Kulkwitzer Sees nicht gestattet" - so steht
es auf einem Schild des Betreibers Leipzig Seen GmbH am Ufer. Nur, es hält sich kaum einer dran. Das ärgert
sowohl die Stadt als auch die Anwohner und Wassersportler vor Ort.
Mit einem Hilferuf wandte sich Leserin Elke Göbel an die LVZ. "Wir möchten dem entgegen wirken, dass es
dem Kulki in ein paar Jahren so ergeht wie dem Auensee", sagt sie. Das Problem: Durch das Füttern der
Vögel am Kulkwitzer See wird das Gewässer mehr und mehr verunreinigt - und droht irgendwann umzukippen.
Das bestätigt auf Nachfrage auch Reinhard Gräfe, Vereinsvorsitzender der Leipziger Delphine. "Wir Taucher
sehen an der Tier- und Pflanzenwelt im See eine starke Veränderung", erklärt er. Gestern seien die Delphine
beispielsweise zum Eistauchen hinabgestiegen. "Da schneit es unter Wasser", so Gräfe. "Allerdings keine
Schneeflocken, sondern Vogelkot." Der setze sich auf den Pflanzen ab und verhindere die Photosynthese.
"Der Sauerstoff fehlt dann den anderen Seebewohnern und sie sterben", sagt Gräfe. Außerdem verstecken
sich im Winter auch Fische in den Pflanzen. "Der Kot fällt auch auf sie", erläutert Gräfe. Parasiten- und
Egelbefall sind die Folge. "Wir haben erschreckende Unterwasseraufnahmen", erzählt der Taucher. "Da sind
Fische zu sehen, an denen hängen 14 Egel. Das ist wirklich ganz, ganz schlimm." Zumal die Ausscheidungen
der Enten, Blässhühner und Schwäne ja auch am Ufer liegen bleiben. "Und im Sommer waten dann alle barfuß
durch den Vogelkot", so Gräfe. "Bloß darüber machen sich die selbst ernannten Tierfreunde keine
Gedanken." Beutelweise schleppen die Leute Toastbrot, Schwarzbrot und Küchenabfälle an den See. "Dadurch
haben wir jetzt Tausende Tiere am See", sagt Gräfe. Das sei viel mehr, als der vertragen könne. "Ich
finde es traurig, dass ein Appell an die Vernunft nichts bringt", meint Gräfe. "Aber ich finde es auch
traurig, dass die Stadt Leipzig keine Schilder aufstellt, die das Füttern eindeutig verbieten." Umweltamtsleiterin
Angelika Freifrau von Fritsch erklärt, warum: "Wir haben schon oft darüber nachgedacht", sagt sie. "Aber wir
hätten wahrscheinlich nicht lange Freude daran." Sie schätzt, dass die Schilder schnell Vandalismus zum
Opfer fielen. Doch auch sie appelliert an die Tierliebhaber. "Das Füttern bringt mehr Schaden als Nutzen",
erklärt sie. "Bei der Vergärung von einem Kilo Brotresten werden anderthalb Kilogramm Sauerstoff verbraucht,
die dann anderen Wasserbewohnern fehlen." Zudem werde meist an flachen Ufern gefüttert, an denen auch
Kinder spielen und baden. "Das Futter lockt Vögel an, die dann die Uferbereiche verschmutzen", so
Fritsch. "Dadurch werden Salmonellen und andere Krankheitskeime verbreitet." Ganz abgesehen davon,
dass nicht artgerechtes Futter zu verschiedenen Erkrankungen der Tiere führen kann, so die
Umweltamtsleiterin. "Echte Tierfreunde füttern keine Wasservögel."
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