"Was wir heute gesehen haben, ist nicht sehr erfreulich", sagt Joachim Weiß nach seinem Tauchgang im
Kulkwitzer See. Gemeinsam mit Matthias Gilbert und Bernd Vogel hatten sie Plankton und Proben von
Kleinstlebewesen gesammelt. Die Interessengemeinschaft "Biogruppe", so nennen sie sich, ist Teil des
Tauchsportvereins "Leipziger Delphine". Sie führen jährlich vier solcher Biotage durch. In der
jüngeren Vergangenheit hat der Verein mehrere Unterwasser-Übungsplattformen mit einer Höhe von
zum Teil mehr als 20 Metern im "Kulki" errichtet. "Dort haben sich viele Tiere angesiedelt, die
man sonst nicht gesehen hat", schwärmt Basisleiter, Reinhard Gräfe. Damit diese Kolonien nicht
wieder durch Taucher zerstört werden, sind die Stahlgerüste an den Seiten mit Netzen behangen
worden. "Lauter kleine Filtrierer und andere Kleinstlebewesen breiten sich auch dort aus", weiß
Gräfe. Die Biogruppe will nun Bilanz ziehen und sammelt an einer der Plattformen Proben zur
mikroskopischen Untersuchung. "Letztes Jahr haben wir den Keulenpolyp erstmals im See entdeckt",
sagt Weiß. Mit bloßem Auge sind sie einzeln kaum wahrnehmbar, sie bilden jedoch riesige braune
Polypenstöcke. "30 bis 40 Zentimeter wachsen sie ins Wasser rein", erklärt Gilbert, "das sieht
fast aus wie eine Meereskoralle." Die Keulenpolypen sind Einwanderer, so genannte Neozoen. Sie
sind Brackwassertiere, die aus dem Kaspischen und Schwarzen Meer (Pontokaspischer Raum)
stammen. "Sie haben sich im vergangenen Jahr an den Unterwasserplattformen so invasiv ausgebreitet,
dass sie nun die einheimischen Süßwasserschwämme verdrängen", erklärt Weiß. Die Biogruppe findet
auch verstärkt Grünalgen, Blaualgen und Schwefelpurpurbakterien. Das deute darauf hin, dass der
See eutrophiert - es kommt zu einer unerwünschten Nährstoffzunahme. "Auch im Badebereich finden
wir viele Schraubenalgen, die alles andere überwuchern", berichtet Weiß. Sein Fazit lautet: "Der
Zustand des Sees verschlechtert sich." An den vergangenen beiden Tagen haben Jürgen Herrmann
und Thomas Breinig aus Frankfurt/Oder für reichlich Aufregung am Kulki gesorgt. Denn mit
ihrem U-Boot, Nemo 100, haben sie nicht nur Taucher in Erstaunen gebracht. "Es gluckert so,
als wenn man auf dem Klo sitzt", lacht Dieter Wanke, der für das Fachmagazin Skipper eine
Probefahrt als Passagier unternimmt. "Das ist mit anderen Booten nicht zu vergleichen, und
ich bin sehr erstaunt wie gut es reagiert." Die Eigenkonstruktion komme völlig ohne Öl aus
und sei damit für Naturschutzgebiete geeignet, versichert Miterbauer Herrmann. "Wir haben
einen schönen Schwarm gesehen", berichtet Wanke. Ein Wrack und eine der Tauchplattformen
habe er ebenfalls gesichtet. Jedoch liege die Sichtweite im tieferen Wasser nur noch bei
etwa drei Metern und die Sichtkuppel des Bootes verzerre das Bild.
"Der See ist topp", sagt Herrmann, "gute Sicht und viel zu sehen." Vorerst sei Nemo 100 das letzte
Mal im Kulki auf Tauchfahrt gewesen. Erste Gespräche für eine dauerhafte Ansiedlung habe es aber
schon mit der Leipziger Seen GmbH gegeben.
|