Weihnachtstauchen im Kulkwitzer See mit mehr als 80 Teilnehmern / "Schluckis" als Belohnung unter Wasser
"Es ist gar nicht so leicht, unter Wasser zu trinken. Das meiste davon kriegen wahrscheinlich die Fische",
witzelte Harald Pechstädte, Mitglied des Tauchvereins "Leipziger Delphine". Soeben war er dem Kulkwitzer See
entstiegen, um sich bei Glühwein und den unter Insidern berühmten "Chili-Würstchen" aufzuwärmen. Er war einer
der 83 gemeldeten Teilnehmer des Weihnachtstauchens, mit dem am Sonnabend die Tauchsaison traditionell
beendet wurde. Seit der Gründung der "Leipziger Delphine" 1992 gibt es diese Veranstaltung. "Neben
Neptunfest, Oster- oder Faschingstauchen ist es eines von mehreren Angeboten, mit denen wir die Betreiber
des Individualsports Tauchen zusammenbringen wollen", beschrieb die Vereinsvorsitzende Petra Pfrepper den
Hintergrund.
Dabei fungierten drei als Weihnachtsmänner verkleidete "Delphine" als Leitfische, die den Schwarm der
neugierigen Hobbytaucher zu einer Unterwasserplattform in etwa drei Metern Tiefe führten. Dort angelangt,
gab es in weihnachtlich geschmückter Umgebung zur Bescherung kleine Likörfläschchen, von den Teilnehmern
liebevoll "Schluckis" genannt, für die tapfer der Kälte trotzenden Taucher. Trotzdem sei es schon
vorgekommen, dass Taucher ohne Schnäpschen zurückgekehrt seien, da sie sich sprichwörtlich vertaucht
und die Plattform trotz Kompass nicht gefunden hätten, erzählte Pfrepper.
Diese Gefahr bestand in diesem Jahr besonders, da das Ereignis erstmals per Funk statt Kabel in das
beheizte Besucherzelt übertragen wurde. Deshalb konnte diesmal keine Leitung den Weg in die Tiefe
weisen. Einmal angekommen, war die Orientierung aufgrund der Unterwasserbeleuchtung, von einer
wasserdichten Batterie betrieben, ein Leichtes. Doch es gab auch andere Ursachen für eine ausbleibende
Bescherung: "Ich tauche selten im Winter und habe deshalb kaum Erfahrung mit dem Trockentauchanzug.
Da der mehr Luft enthält und ich wahrscheinlich nicht genügend Blei dabei hatte, war der Auftrieb zu
stark und ich kam nicht runter", erklärte Werra Wollnitzka ihre ungewollt frühe Rückkehr auf das
Festland.
Diejenigen, die es schafften, mussten wie ihre Kinder am Heiligen Abend symbolisch ein Gedicht aufsagen,
um ihr Geschenk zu erhalten. Also nahmen sie einer nach dem anderen ihren Atemregler aus dem Mund und
blubberten dem Neopren-Weihnachtsmann etwas in die Ohren. Ob es sich dabei um einen Weihnachtsspruch
oder eine Beschwerde über das sieben Grad kalte Wasser handelte, bleibt ihr Geheimnis. Jedenfalls
habe es einige Hartgesottene gegeben, die mit Halbtrocken- oder gar Nasstauchanzügen in den See
stiegen, bei denen anders als beim Trockentauchanzug das kühle Nass auf die Haut gelange, so
Pfrepper.
Ob hartgesotten oder nicht, bei angenehmem Wetter reisten Taucher von zwölf verschiedenen Vereinen
an, um sich "Gut Luft" zu wünschen. Sogar aus Bayreuth machte sich eine Hand voll auf den Weg zu
einem der beliebtesten Tauchgewässer Deutschlands. "Viele andere Tauchvereine und -schulen kommen
das ganze Jahr über zum Kulkwitzer See, der deutschlandweit für seine hervorragende Sichtweite
bekannt ist. Außerdem ist er sehr schön bewachsen und beheimatet eine große Artenvielfalt",
erläuterte Pfrepper die Vorzüge des Sees. Deshalb habe man kürzlich mit Unterstützung des Landes
eine noch größere, abgestufte Plattform gebaut, an der das Tauchen erlernt werden könne.
Schließlich wolle man das Gewässer schonen und noch lange Jahre für Dinge wie das
Weihnachtstauchen nutzbar machen.
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