Heute ist es schon fast zu warm

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80 Hartgesottene springen bei neun Grad Außentemperatur in den vier Grad kalten Kulkwitzer See

Die Freundinnen Sigrid Vogel und Brigitte Brade aus Grünau, die warm eingepackt als Zuschauer am Lausener Strand des Kulkwitzer Sees stehen, sind an diesem kühlen ersten Dezembertag deutlich in der Unterzahl - gegenüber den etwa 80 Eisbären, Pinguinen, Eiszapfen und Seelöwen, die sich bereits in ihr leichtes, zum Teil weihnachtliches Badeoutfit geworfen haben. Pünktlich um 14 Uhr erklärt Moderator Ulrich Reisenberg das 20. Anschwimmen mit einem dreifachen "Eis frei" für eröffnet und "läutet damit die kalte Jahreszeit ein", wie die Vereinschefin der Leipziger Pinguine, Gisela Drya, erklärt.

Eine Handvoll Gäste schaut aus sicherer Distanz zu, wie die Teilnehmer der ingesamt 20 Vereine bei neun Grad Lufttemperatur nach und nach unbeirrt in die vier Grad kalten Fluten waten. Die Anschwimmer kommen für die zwei- bis dreiminütige Erfrischung extra aus ganz Deutschland angereist. Die jüngste Teilnehmerin an diesem Tag ist die 18-jährige Pinguindame Saskia Peto, die Älteste ist die 76 Jahre alte Plauener Eisspitze, Ursula Moskau. Die erklärt nach ihrem Sprung ins klirrende Nass mit einem Lächeln: "Es war zwar etwas kühl, aber es ging."

Carmen Puckelwaldt, Vereinsmitglied der Leipziger Pinguine, ist ebenfalls eine erfahrene Anschwimmerin. 1984 war sie einer von damals 20 000 Zuschauern und legte sogleich fest: "Da mach ich mit." Seit 1985 ist sie jedes Jahr dabei. "Heute ist es schon fast zu warm." Einmal sei sie im Februar bei tiefen Minustemperaturen anschwimmen gewesen und ihre Badekleidung in wenigen Minuten zu Eis erstarrt, als sie aus dem Wasser kam. "Das war toll", sagt die 57-Jährige begeistert. Je kälter, desto besser sei auch das Wohlbefinden, weil sich die Poren gegen die Kälte schneller zusammen ziehen. "Es sieht immer süß aus, wenn man bei 15 Grad unter null aus dem Wasser steigt und bei den Männern sofort der Bart gefriert", schmunzelt sie. Neben dem Spaßfaktor zählt für Puckelwaldt vorrangig eines: Sich selbst zu besiegen und auszutesten, was alles möglich ist. Das beweisen die Anschwimmer in ihrer Badesaison bei Wind und Wetter jeweils zwischen Ende September und Anfang Mai. Den Körper durchströme nach der Abkühlung ein wohlig warmes Gefühl, sagt die Extremsportlerin. Außerdem könne man sich damit gegen die typisch winterlichen Witterungseinflüsse abhärten. Krankheiten verliefen nicht mehr so schwer, eine Erkältung dauere nur noch drei Tage. Einige Teilnehmer hätten sogar ihre Kreislaufprobleme in den Griff bekommen.

So tough sie den winterlichen Temperaturen trotzen, "beim Anschwimmen sind auch Frostbeulen dabei", verrät sie. "Ich kenne jemanden, der im Sommer nicht baden geht, weil es ihm draußen zu warm und im Wasser zu kalt ist." Das Anschwimmen ist für alle angemeldeten Teilnehmer freiwillig.
Leipziger Volkszeitung - Christiane Lösch [03.12.2007]
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