Überschüssiges Wasser fließt über 310 Meter lange Leitung in Zschampert / Pumpkosten gespart
Kaum zu sehen und doch so wirkungsvoll: Am Kulkwitzer See wurde gestern eine so genannte Freispiegelleitung
in Betrieb genommen. Sie soll überschüssiges Seewasser in den Zschampert leiten, der eigens dafür auf einer
Länge von 590 Meter vertieft und ausgebaut worden war. Neu entstanden war deshalb auch eine Brücke über das
kleine Flüsschen. Das litt bislang immer an Wassermangel, da der Kulkwitzer See, 1937 als Tagebau aufgeschlossen,
den natürliche Zustrom unterband. Mit der neuen, 310 Meter langen Leitung sollen dem Bach nun bis zu 86 Liter
Wasser pro Sekunde zufließen. Nötig macht das der Grundwasserwiederanstieg in der Tagebauregion. Da im Abbaufeld
Kulkwitz/Miltitz die Arbeiten 1964 eingestellt wurden, das Loch durch natürlichen Zustrom bis 1984 zum See wurde
und darüber hinaus Industrie und Landwirtschaft seit der Wende immer weniger Wasser entnahmen, stieg der Pegel
im See unaufhörlich an. Zwischenzeitlich hatte das Problem selbst höchste Behörden aufgeschreckt - nämlich als
der See an der Böschung der nördlich verlaufenden Bundesstraße 87 knabberte, sie auf Dauer zu unterspülen
drohte. Wie berichtet, wurde daher schon vor Jahren eine Pumpstation in Betrieb genommen, die das sauerstoffarme
Tiefenwasser in den Zschampert beförderte. Nachteil: bis zu 30 000 Euro jährliche Betriebskosten.
"Wir warten seit Jahren auf dieses Bauwerk", freute sich daher gestern Christian Conrad von der Leipzig-Seen-GmbH
als Betreiber des Gewässers über den künftig geringeren Betriebsaufwand. Das Geld könne nun genutzt werden, um
anderswo am See Gutes zu tun, so Conrad. Große Pläne mit dem See hat auch Markranstädts Bürgermeisterin Carina
Radon. Sie lenkt zusammen mit der Stadt Leipzig im Zweckverband Naherholungsgebiet Kulkwitzer See die Geschicke
des Gewässers, lässt derzeit auf Markranstädter Seite ein großes schwimmendes Strandbad errichten (die LVZ
berichtete). Nur ein Anfang, wie sie sagt: "Für die Entwicklung des Kulkwitzer Sees wird aber ein anderes Konzept
nötig sein als für die Seen südlich von Leipzig", erklärte sie der Runde der Festgäste. Dort sei der
Gewässerverbund das Thema, der Kulkwitzer See stehe jedoch allein da. Gleichwohl sei er beliebt als die
Badewanne von Leipzig und durch die absolute Nähe zur Stadt geprägt.
Taucher wiederum schätzen ihn als eine der saubersten und attraktivsten Tagebauseen überhaupt. "Gäste haben
uns aber zum Beispiel gesagt, der Kulki sei von Leipzig aus schwer zu finden. Wir werden also auch an der
Beschilderung noch arbeiten müssen", sagte Radon mit Blick auf Vertreter der Nachbarstadt. Froh sei sie, dass
nun zumindest für das Problem des Grundwasserwiederanstiegs eine Lösung gefunden worden sei. Die neue
Zwangsableitung werde das Wasser ab einer Höhe von 114,5 über Normalnull in den Zschampert fließen lassen,
erklärte Christian Röber von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV). Weil
diese nicht in der bergrechtlichen Verpflichtung für den See steht wie für die Tagebaugewässer im Südraum,
habe die Leitung als Sonderprojekt eingetaktet werden müssen. Röber dankte den Vertretern von Bund und Land,
die je zur Hälfte für die 380 000 Euro Baukosten aufkamen.
Weitere Informationen zu diesem Thema:
• Artikel aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.05.2007: Kulkwitzer See erhält Überlauf
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