Närrische Pinguine stürzen sich in den kalten Kulkwitzer See
Es ist diesig, windig, schneematschig, minus zwei Grad Celsius. Nichts für Spaziergänger am Kulkwitzer See. Eher
das richtige Badewetter für ein paar närrische Pinguine. Leipzigs Winterbader feierten am Wochenende den wohl
originellsten Fasching der Stadt.
Ein dreifaches "Eis frei" gibt den Startschuss für 13 Putzfrauen, Leichtmatrosen, Herzlein und Pinguine.
Mit Jubelrufen selbst motiviert, rennt die Truppe durch das Schneegestöber ins zwei Grad kalte Wasser. Das
Ziel der meisten ist die 35 Meter entfernten Boje. Am Ufer stehen frierend zwei Passanten. Christine und
Josef Lauber sind extra für das Spektakel aus Bad Düben gekommen und die einzigen Zuschauer: "Unglaublich,
dieser Mut und diese Selbstbeherrschung", staunt Josef Lauber.
Nach drei Minuten und 70 geschwommenen Metern sind die Pinguine mit geröteten Körpern, aber gelösten
Gesichtern zurück an Land: "Herrlich, dieses erfrischendes Gefühl, wenn man aus dem Wasser kommt, es
prickelt am ganzen Körper, wegen der starken Durchblutung", schwärmt Carmen Puckelwaldt, die seit 22
Jahren winterbadet. Sie beeilt sich, trockene Sachen anzuziehen, bevor im eisigen Wind Hände und Füße
taub werden. "Das Reingehen ist Überwindung pur und der harte Teil am Sport", erzählt die als Putzfrau
verkleidete Grünauerin dabei, "aber ich bin mit Leib und Seele Winterschwimmerin und habe es wieder mal
geschafft". Ingolf Baumbach, kostümiert als Leichtmatrose, kommt gerade zum zweiten Mal aus dem Wasser
und nickt zustimmend: "Seit 35 Jahren gehe ich im Winter baden, aber jedesmal muss ich meinen inneren
Schweinehund überwinden. Und gemeinsam mit Sportkameraden macht das richtig Spaß, außerdem hat man
ein klasse Lebensgefühl", sagt der Grünauer. Für Monika Kelle, die älteste der "Leipziger Pinguine",
steht neben Spaß noch der gesundheitliche Nutzen im Vordergrund: "Das Winterschwimmen hat mich so
trainiert, dass ich meinen Blutdruck im Griff habe und keine Medikamente mehr brauche", so die
63-jährige Rentnerin. Für die Leipziger Eisbader, deren Saison von September bis April dauert, bietet
dieser Winter nicht die idealsten Trainingsbedingungen. Monika Kelle erinnert sich: "Es gab Winter,
da haben wir ein Loch hacken müssen durch dreißig Zentimeter dickes Eis und die Wassertropfen auf der
Haut sind gefroren, ehe man sich abtrocknen konnte. Das ist schon extrem. Richtig Spaß macht es an
einem knackig kalten, sonnigen, windstillen Wintertag."
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