Eisbader und Taucher springen bei sieben Grad Luft- und zehn Grad Wassertemperatur in den Kulki
Wasser zehn Grad. Luft sieben Grad, gefühlte drei Grad. Und eine widernatürliche Liaison zwischen Pinguinen
und Delphinen, die sich bei Regen und eisigem Wind in die Fluten des Kulkwitzer Sees stürzen - keine Frage,
am Sonnabend musste die Zeit der Narren begonnen haben.
"Das Karnevalsbaden entstand vor sechs Jahren als Gemeinschaftsaktion zwischen den Eisbadern, den Leipziger
Pinguinen, und den Tauchern, den Leipziger Delphinen", erklärte Gisela Drya, die Vorsitzende der Pinguine.
Delphin-Chef Reinhard Gräfe entwickelte die Idee. "Er wollte beweisen, dass die Taucher trotz Neopren keine
Weicheier sind", sagte Drya schmunzelnd. Obwohl er sich selbst zum Karnevalauftakt in diesem Jahr lieber in
wärmeren Gefilden, in Australien, aufhält.
Immerhin, fünf seiner Artgenossen zeigten sich, angestachelt durch 15 Pinguine, unerschrocken und wateten
geradewegs in den See. "So groß ist die Überwindung eigentlich nicht", sagte Taucher Thomas Gressler kurz
nach der Erfrischung. "Einfach straff reingehen, nicht zögern. Dann ist es herrlich." Obwohl es etwas
anders als beim Tauchen ist. Schließlich fehlt der Neopren-Anzug. Das warme Gefühl danach, wieder dick
eingepackt in Pullover und Jacke, schätzt Taucherkollege André Starke am Eisbaden. "Das ist einfach super.
Und außerdem war es im Wasser richtiggehend warm, gegenüber draußen", meinte der 52-Jährige.
Pinguin Wendy Ehrke fand es dennoch an Land gemütlicher. "Ich war in dieser Wintersaison noch nicht im
Wasser", sagte sie. Deswegen sei ein regnerisch-stürmischer Tag sehr ungeeignet. "Da geht die Gesundheit
einfach vor", erklärte sie. Schließlich gelten auch für die verrücktesten Eisbader einige Regeln. "Wir
bleiben immer nur ein paar Minuten im Wasser", so Vereinschefin Drya. Etwa drei waren es am Wochenende.
"Außerdem muss der Badende gesundheitlich absolut fit sein", sagte sie weiter. Nur dann bringe das Eisbaden
etwas. "Es erhöht das allgemeine Wohlbefinden und stabilisiert den Kreislauf", meinte Drya. Vom Training
der Selbstbeherrschung und Selbstüberwindung ganz zu schweigen. "Es ist eben ein Extremsport", erklärte
Drya schmunzelnd. Für Annett Räker-Lange zählt vor allem der Spaßfaktor. "Die gesundheitlichen Vorteile
nehme ich natürlich gerne dazu", meinte die Markkleebergerin lachend. Sie war das erste Mal bei einer
Aktion der Pinguine dabei - und begeistert. "Ich habe das übers Internet gefunden", erzählte die 38-Jährige.
"Und dachte gleich, dass es das Richtige für mich ist." Ohne einmal auch nur kurz zu zögern, zog sie sich
die dicken Sachen aus und watete ins Wasser. Gleichauf mit Ulrich Reisenberg. Als selbst ernannter
abgewrackter Taucher überwand der 52-Jährige den sprichwörtlichen inneren Schweinehund - und wurde von
den Zuschauern belohnt. Er erhielt am Ende den Preis für das originellste Kostüm. "Das perfekte, richtig
schöne Wetter zum Winterbaden", sagte er kurz nach dem Schwimmen närrisch.
Übrigens scheint auch der ursprünglich angekündigte Zeitpunkt um 11.11 Uhr als Karnevalsscherz gedacht
gewesen. Zuschauer wie Teilnehmer, die am Vormittag die Tauchbasis der Delphine aufsuchten, mussten
bis 15 Uhr warten.
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