Grill und Stühle landen im See
Leipziger Delphine reinigen an Umwelttag Kulki / Erweiterung geplant / Müll bleibt Dauerproblem
Plastedosen, Papier, Verpackungen und sogar Glasflaschen - der Müll am Kulkwitzer See stört (fast) alle. Die
Leipziger Delphine haben an einem Umwelttag nun etwas dagegen getan. Mit 40 Helfern rückten sie den Müllbergen
im und neben dem Wasser zu Leibe.
Reinhard Gräfe kann nun wieder barfuß am Lausener Ufer spazieren gehen. Sofern es die Temperaturen zulassen
natürlich. "Wir haben 2,5 Kubikmeter Müll im und rund um den See gesammelt", sagt der Tauchlehrer.
Interessant ist aber vor allem, was so alles im Kulkwitzer See gelandet ist. "Decken, Teppiche, Matratzen,
Grillgestelle, Schwimmhilfen, Plastestühle, -tische, -bänke und sogar Einkaufswagen", zählt Gräfe auf.
"Das ist wirklich nicht mehr lustig." Das große Problem sei, dass die Badegäste ihren Müll einfach dort
liegen lassen, wo er entsteht. Neben der Decke beispielsweise, wie Christian Conrad, Geschäftsführer der
LeipzigSeen GmbH, beobachtet. "Ich frage mich, warum die Leute das Zeug, das sie mitbringen, nicht auch
wieder mit nach Hause nehmen können", sagt er. Der Müll am Kulki sei ein Dauerthema, meint Conrad. "Ich
bin immer wieder sehr erstaunt, wie viel die Leute wegschmeißen." Besonders prekär wird es, wenn
Glasflaschen im Badebereich zerschmettert werden. "Das kann zu ganz schlimmen Verletzungen kommen", so
Reinhard Gräfe. In der Tauchschule seien das mit die häufigsten Unfälle. "Warum man die Flaschen kaputt
machen muss, ist mir ein Rätsel", so der Taucher. "Als sei es nicht schon schlimm genug, dass sie
rumliegen." Manchmal passiere es sogar, dass die Glasflaschen im See schon sehr stark mit Muscheln
besiedelt sind. "Die lassen wir drin", erzählt Gräfe. Eine Entfernung bringe mehr Schaden als Nutzen.
Die Folgen der zunehmenden Verschmutzung seien erheblich, meint Biologe Joachim Weiß, der die Taucher
und Helfer am Umwelttag einwies. "Abgesehen davon, dass der See eine Müllgrube wird, kann es auch
richtig schlimm enden." Die ständige Verunreinigung mit Nitraten und Phosphaten führe zu einer
Sauerstoffarmut. "Irgendwann kippt der Kulki um", prognostiziert Weiß. "Dann hätten wir einen
Dorftümpel."
Um das zu verhindern, werden die Leipziger Delphine auch in den kommenden Jahren wieder Umwelttage
veranstalten. "Wir überlegen schon, auf drei Veranstaltungen zu erhöhen", sagt Reinhard Gräfe. "Der
Zuspruch ist wirklich gigantisch." Selbst aus der Schweiz hätten spontan zwei Tauchtouristen
geholfen. "Denen sollen wir beim nächsten Umwelttag wieder Bescheid sagen", freut sich Gräfe.
Neben diesem speziellen Event nehmen die Taucher allerdings bei fast jedem Tauchgang ein bisschen
Müll mit raus. "So konzentriert mit so vielen Helfern ist es aber nur an den zwei Tagen im Jahr",
so Gräfe. Eines sei jedoch auch klar, betont der Tauchlehrer: "Wir können nicht alles schaffen.
Wir müssen auch an die Vernunft der Besucher und Badegäste appellieren, ihren Müll in die
aufgestellten Behälter zu werfen, oder mit nach Hause zu nehmen. Schließlich wollen wir unsere
Badewanne, den Kulkwitzer See, noch eine Weile erhalten."
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