Das Juwel wird noch poliert

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Seit 33 Jahren erholen sich Leipziger sowie Besucher aus nah und fern an den Ufern des Kulkwitzer Sees

Erholungsuchende strömen seit mehr als drei Jahrzehnten nun schon zum Kulkwitzer See. Mal mehr, mal weniger. In diesem Sommer waren es an Spitzentagen wieder 15 000 bis 20 000 und damit annähernd so viele wie zu DDR-Zeiten, als der Kulkwitzer See noch alleiniger Treff für Sonnenanbeter und Wassersüchtige war. "Das ist doch ein Kompliment für den 33-Jährigen, der sich inzwischen gegenüber attraktiven Mitbewerbern behaupten muss", sagt Reinhard Ihle, Sachbearbeiter der Leipzig-Seen GmbH. Die Gesellschaft hat 2003 vom zuständigen Naherholungs-Zweckverband die Bewirtschaftung des Kulkwitzer Sees übernommen und betreibt das Terrain nun im Auftrag der Städte Leipzig und Markranstädt. Ihle kennt den See aus dem Effeff. Er hat in der abgebrannten Partytonne noch Filme geguckt und wartet jetzt, dass das Gelände eingeebnet und begrünt wird. Er kümmert sich mit seinen Kollegen um die Belange der Camper, behält im Blick, dass wöchentlich Wasserproben an den Stränden genommen werden und ist auch sonst für kleine und große Wehwehchen der Besucher da. "In jüngerer Vergangenheit hat sich schon einiges bei uns verändert", sagt Ihle. Und er denkt dabei zuerst an den Campingbereich, der grundlegend neu geordnet wurde. "Unsere neue Ferienhäuser im Schwedenstil sind Schmuckstücke. Jetzt modernisieren wir auch die Bunga- lows. Und selbst auf die Sanitäran- lagen können wir mittlerweile mit Stolz verweisen", erzählt Ihle und gibt das Kompliment eines Dauercampers wieder, der lobte: "Mensch, dort kann man ja essen."

Zum neuen Standard gehöre allerdings auch, dass der Campingbereich eingezäunt ist, was vielen Stammgästen des Sees zunächst gar nicht schmeckte. "Die Aufregung hat sich aber gelegt und wir fahren mit Zaun und Schranke wirklich besser, zum Beispiel was den Vandalismus in diesem Bereich betrifft", betont Ihle. An anderen Ecken des Sees sehe das ganz anders aus, ärgert er sich: "Wie sorglos manche Zeitgenossen mit diesem glasklaren Gewässer, das doch wie ein Geschenk unmittelbar neben dem riesigen Wohngebiet ist, umgehen, ist schon erschütternd." Nicht genug, dass vielen der Weg zu den Toiletten zu weit zu sein scheint. Auch bergeweise Müll und Unrat bleibe überall liegen. "Wir kommen mit Aufräumen oft gar nicht hinterher." Dabei werde in der Saison das siebenköpfige See-Team noch durch 20 Pauschalkräfte verstärkt. Der respektlose Umgang mit dem See, macht auch Christian Conrad, Geschäftsführer der Leipzig-Seen, ratlos. "Der Kulkwitzer See ist weithin bekannt als super Tauchrevier und lockt Wassersportler aus ganz Deutschland an. Da ist es schon traurig, wie vielen Leute das nichts bedeutet."

Conrad setzt auf die Stärken des Sees. "Er ist ein Juwel, das wir noch weiter polieren", sagt er. Taucherparadies und Schwedenstil, das sollen die Stichworte sein, die auch künftig Besucher anziehen. "Es ist wichtig, dass jeder der mitteldeutschen Seen sein ganz eigenes Gesicht bekommt." Conrad setzt dabei nicht auf neue Attraktionen, sondern will Gutes ausbauen. "Deshalb sind wir auch nicht mehr so scharf auf den Bebauungsplan für den See, der immer noch nicht beschlossen ist, weil es wohl 700 Hinweise und Anregungen dazu gab, die erst gesichtet werden müssen. Als er in Auftrag gegeben wurde, sollte das Gebiet noch parzelliert und verkauft werden, wie am Schiff begonnen. Doch das gefällt uns nicht. Wir entwickeln den See lieber ganzheitlich." Neuem sei die GmbH dabei trotzdem aufgeschlossen. "Nehmen wir nur das Rote Haus. Es ist schon ein Treff für Freunde romantischer Sonnenuntergänge geworden und soll noch einen Saal für 150 Personen bekommen. Außerdem möchten wir das Markranstädter Ufer aufwerten und hoffen bis Jahresende die Genehmigungen für ein Strandbad mit schwimmendem Spielplatz zu erhalten. Das könnte dann schon nächstes Jahr Besucher empfangen." Hier wie da soll sich der See aber auch künftig als familienfreundliches Tauchgewässer in Stadtnähe präsentieren.
Leipziger Volkszeitung - Cornelia Lachmann [19.08.2006]
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