Klettern mit Mut und Haken

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Christian Saupe nennt sie schmunzelnd die "Material-Vertrauensfrage". Er bekommt sie fast immer gestellt. Wenn er Sicherheitsgurte festzurrt, Karabinerhaken einklinkt und Helme verteilt. "Wichtig ist, dass es hält", sagt Saupe, Mitglied im Trainer-Team des Hochseilgartens am Kulkwitzer See. Bei der gestrigen Entdeckertour ist der 21-Jährige ein gefragter Mann, gibt im Minutentakt Hinweise. Mehr als 200 Besucher sind auf das Gelände am Ostufer des Sees gekommen.

Die sechsjährige Charlotte Gerschau hört sich aufmerksam die Einweisung an. Vorsichtig steigt sie in die Gurthose und setzt den Helm auf. Und schon pendelt sie in vier, fünf Metern Höhe im Giant Swing - auch Himmelsschaukel genannt. Auf Signal von Sicherheitscoach Volker Heidtmann (59) lässt sie das Seil los. Und schwingt, gut gesichert, meterhoch durch die Luft. "Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst, weil es so schnell losging. Aber dann war es Spaß." Sigrun Gerschau, die ihrer Tochter dabei aus der Ferne zuschaut, macht sich keine Sorgen. "Die turnt sonst auch überall rum. Da habe ich kein mulmiges Gefühl", sagt die Leipzigerin. Zumal ja Heidtmann alles im Griff hat. Anders ergeht es Marion Gerth. Die 42-Jährige ist eigens zur Entdeckertour aus Ober-Arnstadt bei Altenburg angereist. "Ehrlich gesagt, hatte ich schon ein etwas komisches Gefühl", gibt sie nach ihrem Kraftakt auf der Himmelsleiter zu. Wie ihr Mann Mario (43): "Ich hab' schnell gemerkt, wo meine Grenzen sind. Aber man macht trotzdem weiter. Eine tolle Sache."

Vier Elemente des bis zu zwölf Meter hohen Klettergartens am Westrand von Leipzig zeigt Betreiberin Barbara Schmidt an diesem Tag. Neben der Riesenschaukel und der Himmelsleiter warten die Besucher vor der Kletterwand sowie dem Pamper-Pol, einem Sprungelement am Seil. Die 75-jährige Marianne Braesel ist mit ihrem Enkel Benjamin (10) aus Neukieritzsch gekommen. "Benjamin hat es auf der Kletterwand bis ganz nach oben geschafft", erzählt sie stolz. Auch für den Schkeuditzer Tom Fiedler stellt die Holzmauer kein unüberwindbares Hindernis dar: "War doch gar nicht so anstrengend", sagt der 15-Jährige. Eine Station weiter legt der Leipziger Hans-Joachim Tamme seine Kletterausrüstung ab. Er hat sie bezwungen, die Himmelsleiter. Was dem 49-Jährigen den Respekt seines Sohnes Oliver (17) einbringt. "Hey Papa, ein bissel blass im Gesicht warst du oben schon. Aber ich bin stolz, dass du's geschafft hast." Woraufhin Tamme-Senior verrät, dass es oben "schon ein wenig wackelig war".
Leipziger Volkszeitung - Alexander Weise [12.08.2006]
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