Rudern, Tauchen, Surfen - eine Übersicht der Wassersportarten am Kulkwitzer und Cospudener See
Sowohl der Cospudener als auch der Kulkwitzer See haben im Süden von Leipzig einiges in Sachen Wassersport
zu bieten. Während Tauchen, Paddeln, Surfen und Segeln eher zu den klassischen Dingen gehören, etablierten
sich in den vergangenen Jahren auch Trendsportarten. So können sich Unerschrockene mit einem Kite über den
Cospudener See oder auf Wakeboard und Wasserski über den Kulkwitzer See ziehen lassen. Alle Anbieter halten
Einsteigerkurse für die blutigen Anfänger bereit. Aber auch Profis kommen auf ihre Kosten - so bei zahlreichen
Wettkämpfen. Die LVZ stellt auf dieser Seite spritzige Angebote vor.
Ski im Wasser
Na gut. Wasserski ist doch gar nicht so schwer, denk' ich beim Frühstück - doch der Bissen wird mir wohl im
Hals stecken bleiben. Kurze Einführung dann am Kulkwitzer See. Einer der Betreiber der Wasserski- und
Wakeboardanlage, Jan Täschner, nimmt sich meiner an. "Das ist alles nur eine Kopfsache", sagt er. Ich
nicke. Natürlich. Nur ´ne Kopfsache. Alles klar. "Beim Start immer schön zum Mitnehmer schauen", fügt er
hinzu. Mitnehmer? "Das ist das, wo die Leine dran hängt." Aha. So weit, so gut. Gemächlich schlüpfe ich nach
dieser Einführung in den Neoprenanzug. Nur nichts überstürzen. Auf einmal kommt mir alles unheimlich schwer
vor. Meine Brille muss ich absetzen - so sehe ich das Unheil wenigstens nicht. Auch gut.
Bei Enrico Hartwig, der für die richtige Schaltung der Anlage zuständig ist, bekomme ich dann die zwei
Skier unter die Füße geschnallt. Naja, eigentlich schlüpfe ich eher hinein. "Ich lass' sie absichtlich
etwas lockerer, damit sie bei einem Sturz abgehen", erklärt der 18-Jährige. Na, das sind ja tolle
Aussichten. Am meisten graut es mir vor dem Zurückschwimmen. Denn: Wer reinfällt, muss per eigener Kraft
und Wassersuppe - wie passend - ans Ufer zurück.
Aber zunächst gilt es, den Start zu schaffen. "Das ist die größte Hürde für Anfänger", sagt Enrico. Okay.
Dann ist der Weg an Land wenigstens nicht so weit. Noch ein paar letzte Trockenübungen auf dem Steg
stehen an. Enrico reicht mir derweil die Hantel - den Griff, an dem ich mich festhalten muss. In die
Hocke soll ich gehen. Aha. Und Hacken runter? Das schaff' ich niemals. Stimmt. Mit einem Plumps sitze
ich auf den Brettern. Neuer Versuch. Enrico hat mich fest im Griff - er hält den Strick an der Hantel.
Das, was später die Anlage macht. "Bloß nicht am Griff hochziehen", warnt er. "Sonst gibt es eine
Bruchlandung." Und das wollen wir doch nicht. "Die Anlage läuft mit 28 Stundenkilometern", erwähnt mein
Trainer beiläufig. Ich glaube mich verhört zu haben. "Das ist nur die Anfängergeschwindigkeit. Bei den
Profis geht es schneller", fügt der Grünauer hinzu. Mir wird langsam angst und bange. "Das Kurvenfahren
ist neben dem Start das Schwierigste. Etwa 50 Meter vor den roten Bojen wird der linke Ski ins Wasser
gedrückt. Dadurch geht es rechts hinaus, durch die Markierungen", erklärt Enrico. "Aber das machen wir
später nochmal. Erst muss der Start klappen." Nun wird es ernst - und mir schlecht. Die Anlage läuft.
Enrico drückt. Der nächste Mitnehmer ist meiner. Ein kleiner Ruck. Dann geht es los. Und mit einem
Klatschen voll ins Wasser. Etwa zwei Meter hinter dem Steg. Bloß gut. Bedröppelt krabbele ich aus dem
eigentlich recht warmen Nass. Und schaue Enrico fragend an. Was habe ich denn falsch gemacht? "Zu
schnell aufgestanden", sagt der Profi nüchtern. Nach zwei Minuten stehe ich wieder auf den Brettern,
eigentlich hocke ich. Der Mitnehmer kommt. Worauf habe ich mich nur eingelassen? Nicht daran denken.
Ich schaffe das. Ich schaffe das ganz sicher. Ich schaffe es tatsächlich. Ein Ruck, ein Schub und ich
bin auf dem Wasser. Ohne hineingefallen zu sein. Noch ein paar Meter, dann stehe ich auf und lasse mich
über den See gleiten. Ein paar Meter weiter und ich liege wieder im See. Eine 90-Grad-Kurve am Ende der
Anlage wurde mir zum Verhängnis - und das bedeutet 50 Meter zum Strand schwimmen und 300 Meter mitsamt
den Skiern zurück laufen. Super. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Beim dritten Versuch hat es
dann letztlich geklappt. Ich bin eine Runde rum gekommen. Ist also doch nicht so schwer. Wer es auch
einmal probieren möchte, kann sich direkt an der Wasserski- und Wakeboardanlage melden. Anfänger sollten
vor allem den Vormittag nutzen, da am Nachmittag meist viel los ist.
Rausch der Tiefe
Um Gottes willen. Ich mit meiner Platz-, Höhen- und sonstiger Angst. "Alles halb so schlimm", beruhigt
mich Tauchlehrerin Adriana Juwig. Ja ja, alles halb so schlimm. Einziger Trost. Nass wurde ich schon
von oben - durch den Regen ist der See nicht so kalt. Dennoch zwänge ich mich in einen Neoprenanzug.
Einen Shorty mit kurzen Armen und kurzen Beinen. Mit Flossen in der Hand und Sauerstoffflasche auf
dem Rücken watschele ich zum Einstieg der Tauchschule Delphin am Lausener Strand. Am frühen Morgen
sind hier schon viele unterwegs. Wie ein Pinguin fühle ich mich in dieser Kluft. Wir knien uns zunächst
ins Wasser. Irgendwie fehlt bei mir etwas Blei. Ich komme einfach nicht unters Wasser. Adriana schnallt
mir einen mindestens Drei-Kilo-Block an den Gürtel. Will sie mich etwa versenken? Nun bleibe ich aber
unten und kann das Luftgemisch aus der Flasche testen. "Um den Druck auszugleichen, müssen wir die Nase
zuhalten und kräftig ausatmen", erklärt die Tauchlehrerin. "Dadurch werden die Ohren wieder frei."
Trocken klappt es schon mal. Nun unter Wasser. Bei einem Meter Tiefe, versteht sich. Klappt auch. Also
wagen wir einen Versuch in die Tiefen des Kulkwitzer Sees. Da ein Hecht. Oder ist es doch ein Karpfen?
Warum bekomme ich auf einmal keine Luft mehr? Ich zeige Adriana den Daumen nach oben, das bedeutet
Auftauchen. Weit sind wir ja bisher nicht gekommen. Noch ein Blick auf die Anzeige der Luftflasche.
"Steht auf Maximum. Ist eigentlich in Ordnung", sagt die 21-Jährige. Also wieder hinunter. Diesmal
klappt es besser und wir beginnen tatsächlich zu schwimmen. Mein rechtes Ohr macht mir Probleme. Es
drückt. Das einmalige Pusten durch die Nase hilft nicht. Also nochmal. Besser. Der Ausflug unter
Wasser kann beginnen.
Langsam gleiten wir über ein paar Loren hinweg. Die sind scheinbar noch vom Kohleabbau übrig geblieben.
Ruhig ist es in der Tiefe des Kulkwitzer Sees. In fünf Metern Tiefe. Adriana zeigt auf einen vorbei
schwimmenden Fisch. Das war definitiv ein Karpfen. Bis zu 30 Meter soll der See tief sein. Mir reichen
die fünf schon völlig aus. Bloß gut, dass mich Adriana am Schlafittchen hat. Sonst wäre ich wohl dem
Fischschwarm, der uns eben umschwirrte, hinterher geschwommen. Wie die Anfänger eben so sind.
Trotzdem: Ich werde das Gefühl zu ertrinken nicht los. Ruhig atmen. Das ist die Grundregel. Ich
reiße mich zusammen. Wieder ein Fisch und gleich dahinter zwei Taucher. Allein runterzugehen ist
absolut tabu.
Vor allem, wenn dann Schiff oder Flugzeug in 24 und 19 Metern Tiefe angepeilt werden. So weit kommen
wir beim Schnuppertauchen aber nicht. Und das ist gut so. Im Flachwasserbereich ist vor allem Flora
und Fauna zu bestaunen. Marmor- und Spiegelkarpfen, Zander und Barsch, Hecht und Algen - das ist es,
worauf Adriana und ich lauern. Doch auch den Fischen ist das Wetter wohl zu schmuddelig. Außer Karpfen
gibt es nichts zu sehen. Nach 20 Minuten tauchen wir wieder auf. Mit wackeligen Beinen watschele ich
zurück zur Basis. Geschafft, aber glücklich. Die Schnupperkurse kosten zwischen 12,50 und 50 Euro.
Zudem bieten die Leipziger Delphine geführte Tauchgänge an. Besondere Attraktion des Kulkwitzer
Sees sind das gesunkene Schiff und die Piper. Demnächst soll noch eine Kirche hinzukommen, in der
auch das Trauen möglich ist. Neben den Delphinen ist am Göhrenzer Ufer die Tauchschule Florian
stationiert. Am Cospudener See geht es bis auf 60 Meter in die Tiefe. Die Tauchschule Lutz Kamski
bietet dort Kurse und Bootstouren zum versunkenen Wald und zur Steilwand an. Das Schnuppertauchen
kostet 35 Euro im See und sechs Euro im Schwimmbad.
Brett bewegend
Surfen ist sowohl am Cospudener als auch am Kulkwitzer See möglich. Auf Grund der Windverhältnisse
eignet sich dafür eher der Cospudener See. Nichtsdestotrotz gibt es die Surfer am "Kulki" bereits
seit etwa 25 Jahren - sie waren dort die Pioniere des Wassersports. Damals fuhren sie noch mit
selbst gebauten Brettern, heute läuft alles etwas professioneller ab.
Einsteigerwochenendkurse finden auf der Markranstädter Seite am 2. und 3. September sowie am 23.
und 24. September statt. Sie kosten 111 Euro inklusive zehn Stunden Training und Prüfung mit
Erlangen des Surfscheines. Anmeldungen sind möglich bei Jürgen Roßbach, Abteilungsleiter Surfen
des Leipziger Sportvereins Süd-West. Am Cospudener See bieten zwei Surfschulen Kurse an - zum einen
das Surfcenter Leipzig und zum aderen Sunshine Surf + Fun. Beide sind im Hafen zu finden. Ein
Grundkurs im Windsurfing kostet 115 Euro, ein Wochenendkurs 95 Euro. Eine Aufbaueinheit kostet
80 Euro. Genau so viel zahlen Kinder für einen Grundkurs. Natürlich können Interessierte auch einen
internationalen Surfpass erwerben. Mit dem kann man sich dann weltweit in die Fluten stürzen.
Törn tauglich
Am Kulkwitzer See gehört das Segeln zu den traditionsreichsten Sportarten. Alljährlich finden
Regatten statt. Der Seglerhafen befindet sich am Westufer des Sees, wo auch zahlreiche
Segelvereine ansässig sind. Genauso wie der Kulkwitzer verfügt auch der Cospudener See über
gute Wind- und Wasserverhältnisse, die das Segeln selbst im Winter möglich machen. An beiden
Gewässern sind Liegeplätze für Jollen vorhanden. Ein Wasserliegeplatz für Segel- und
Elektromotorboote bis vier Meter Länge kostet am Cospudener See 500 Euro pro Saison. Pro
weiteren Meter Bootslänge sind 60 Euro pro Saison zu entrichten. An Land wird es etwas günstiger.
Für Segelboote und Katamarane bis maximal sieben Meter Länge werden 260 Euro pro Saison fällig,
für Kleinstboote wie Kanus 170 Euro. Ein Tagesliegeplatz im Wasser kostet 15 Euro, an Land
fünf Euro. Wer einen Liegeplatzvertrag braucht oder Informationen möchte, kann sich am Hafenkontor
am Pier 1 melden.
Paddel praktisch
Der Kulkwitzer See bietet in puncto Bootfahren sowohl den Freizeit- als auch den Profisportlern
genügend Möglichkeiten. Wer gemütlich auf einem Ruderboot, Kanu oder Wassertreter über den See
schippern möchte, ist im Strandbereich Lausen richtig. Genau gegenüber dem Campingplatz können
die verschiedenen Wassersportgeräte ausgeliehen werden. Kanus kosten fünf, Ruderboote sechs und
Wassertreter acht Euro, mit Rutsche oder Sprungturm zehn Euro pro Stunde. Sportlicher geht es auf
der anderen Seite beim Kanu- und Freizeitclub Markranstädt zu. Dabei legt der Verein vor allem
Wert auf die Nachwuchsarbeit. Schnuppertraining findet für Kinder bis elf Jahre immer montags
und donnerstags von 17 bis 19 Uhr am Markranstädter Ufer statt.
Bad begeisternd
Neben den verschiedenen Wassersportarten kann natürlich an beiden Seen im Südraum Leipzig auch
gebadet werden. Der Kulkwitzer See hat verschiedene Strände auf Leipziger und Markranstädter
Seite. Besucher müssen sich allerdings eher auf steiniges und grasiges Ufer einstellen. Am
Cospudener See ist vor allem der sandige Nordstrand für Badegäste attraktiv. Mutige und
Durchtrainierte können sich auch im Langstrecken-Schwimmen versuchen. Einmal durch den
Kulki - dafür braucht es aber schon einige Muskeln. Wer keine Angst vor frostigem Wetter hat,
kann sich im Winter den Eisbadern anschließen. Sie steigen vorwiegend bei Schneefall in die
eiskalten Fluten am Lausener Ufer des Kulkwitzer Sees.
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