Triathleten stürzen sich in den Kulkwitzer See
Start zur olympischen Distanz beim 23. LVB-Triathlon am Kulkwitzer See: 413 Athleten sprangen bei
brütender Hitze in die Fluten, um die 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10
Kilometer Laufen zu bewältigen. Sieger der Hauptstrecke wurde Falk Cierpinski vom SV Halle. Insgesamt
beteiligten sich 1008 Triathleten.
Sohn des Marathon-Champions gewinnt LVB-Triathlon
Was wäre der LVB-Triathlon ohne seine Dramatik? Der größte Triathlon des Ostens hat schon viel erlebt: Einen
Top-Favoriten, der sich auf der Radstrecke verfranzte und plötzlich im Niemandsland stand. Einen Sieger, der
nach einem Zusammenprall mit einem Auto blutüberströmt ins Ziel lief und sofort in die Klinik gebracht werden
musste.
Die gestrige 23. Auflage (mit 1008 Startern) schrieb ein neues Kapitel ins dicke Kuriositäten-Buch des
Leipziger Triathlons. Vorjahressieger Ronny Dietz versuchte auf der ersten von vier Radrunden nach Kräften,
sich von seinen Verfolgern abzusetzen, als sich eine Wespe in seinem Helmgurt verfing. Das Insekt fackelte
nicht lange und stach den Chemnitzer in den Hals. "Ich bin noch eineinhalb Runden gefahren. Zunächst
dauerte es ewig, ehe ich den Stachel mit den Fingern erwischt habe", sagte der 27-Jährige, der nach
drei Runden aufgab. "Mein Hals war sehr geschwollen, bei der hohen Belastung habe ich kaum noch Luft
bekommen", ergänzte der Cross-Spezialist, der seinen Humor trotzdem nicht verlor.
Ob Ronny Dietz gegen einen bestens aufgelegten Falk Cierpinski gestern eine Chance gehabt hätte, steht
auf einem anderen Blatt. Der Sohn des zweimaligen Marathon-Olympiasiegers hatte sich erst 24 Stunden vor
dem Rennen für einen Start entschieden. "Bis Freitag hatte ich die Nachwirkungen der Deutschen
Meisterschaften deutlich in den Beinen gespürt. Ich hatte mich am Schliersee auf den ersten 20
Radkilometern übernommen", schilderte der 28-Jährige, der erstmal seit dem Jahr 2000 (Mario Kopf) den
Erfolg wieder an die Saale holte. Für Cierpinski jr. klappte es gestern mit der ersehnten Premiere am
Kulkwitzer See. "Ich wollte schon immer beim größten ostdeutschen Triathlon mitmachen. Obwohl ich
nur 30 Kilometer weg wohne, ging es wegen der Bundesliga nie."
Nächste Woche wollen die Hallenser in München ihren vierten Rang in der Eliteliga noch ein Stück
verbessern. Gestern feierten sie einen Dreifach-Triumph am Kulki, wobei der Zweitplatzierte ein
waschechter Leipziger ist. Per Bittner erntete viel Applaus für seinen aufopferungsvollen Kampf
um Silber. "Ich bin sehr zufrieden. Gegen Falk war im Laufen nicht mehr drin", meinte der 21-Jährige,
der als Dritter vom Rad stieg. 2007 würde er gern wieder für das Stadtwerke-Team des SC DHfK starten,
das in der 2. Liga Ost klar dominiert und vor dem Wiederaufstieg steht. Dessen Kapitän Bastian
Dobrowald sorgte gestern als Vierter und bester DHfK-Mann für die eigentliche Sensation. Vor
Jahresfrist galt er noch als hoffnungsvolles Hindernistalent beim LAZ, nach langer Knieverletzung
stieg der Schwimmmeister in der Uni-Halle um, vor zwei Monaten bestritt er seinen ersten
Triathlon. "Es ging super, vor allem beim Laufen", sagte der 22-Jährige, der als
"No-Name-Athlet" 15 Meter hinter den Favoriten starten musste. "Das hat mich geärgert. Dafür
hatte ich in der Wechselzone freie Bahn, während es bei den ersten Startnummern ziemlich eng
zuging."
Auch der schnellste Schwimmer durfte nicht in der ersten Reihe starten, obwohl er lange mit
einem Kampfrichter diskutierte. Da der avisierte Jan Sibbersen überraschend fehlte, war der
Weg zur 100-Euro-Prämie dennoch frei für Christian Otto vom TV Dresden. Der Gesamt-Zwölfte
lauerte im Wasser zunächst hinter Per Bittner und zog nach der letzten Boje vorbei. Schließlich
gab es sogar noch einen "Profi"-Sieg: Die Vorjahreszweite Katja Wollschläger (SV Nordhausen)
steigerte sich um mehr als drei Minuten und gewann souverän vor Kathrin Bogen (SC DHfK). Die
Thüringerin arbeitet halbtags als Apothekerin ("Ich habe immer Spätdienst und kann früh
trainieren"), bei der Ironman-Serie misst sie sich ab dieser Saison mit den Berufs-Athletinnen.
Die zweimalige Hawaii-Zweite in der AK 25 hätte vor zwei Jahren in Frankreich als Vierte 2000
Euro verdienen können. Doch sie ging leer aus, weil sie als Amateur eingeschrieben war. Bleibt
Hawaii ihr großer Traum? "Entweder man liebt es oder man hasst es." Ihre leuchtenden Augen
verraten die Antwort.
Ergebnisse 23. Leipziger LVB-Triathlon:
Olympische Distanz:
(1,5 km Schwimmen/40 km Radfahren/10 km Laufen) mit 413 Startern (395 Finisher)
Männer:
1. Falk Cierpinski 1:58:23 h, 2. Per Bittner 1:59:46, 3. Christian Ritter (alle SV Halle)
2:00:21, 4. Bastian Dobrowald 2:02:54, 5. Frank-Peter Müller (beide Stadtwerke-Team Leipzig/SC
DHfK) 2:04:03, 6. Mario Kopf (USV Halle) 2:04:25, 7. Ulrich Konschak (SV Nordhausen) 2:05:13,
8. Jürgen Wernitz 2:05:33, 9. Kersten Adler (beide SC DHfK Leipzig) 2:08:50, 10. Holger Federmann
(Coburger Turnerschaft) 2:09:03, 11. Marcel Glaser (Eintracht Naumburg) 2:09:28, 12. Christian
Otto (TV Dresden) 2:09:28, 13. Florian Pasemann (SV Halle) 2:09:40, 14. Glenn Kahmann 2:10:54,
15. Olaf Ueberschär (beide SC DHfK) 2:11:39, 16. Arved Schwendel (TSV Freiberg) 2:11:42, 17.
Harald Harnisch (TV Dresden) 2:11:48, 18. Anton Breunig (Stadtwerke Leipzig) 2:11:51, 19. Klaus
Johannsen (PSV Konstanz) 2:12:04, 20. Thomas Lindig (Elbland Coswig-Meißen) 2:13:23
Schwimm-Prämie:
Christian Otto (TV Dresden) 19:25 min.
Frauen:
1. Katja Wollschläger (SV Nordhausen) 2:15:56, 2. Kathrin Bogen (SC DHfK) 2:20:03, 3. Jana
Richter (LATV Plauen) 2:21:18, 4. Sabrina Schulz (SC Riederau/Bayern) 2:22:08, 5. Sylvia
Münch (SV Zwickau) 2:26:38, 6. Jana Hänsel 2:29:44, 7. Diana Haase (beide Moritzburger TV)
2:30:55, 8. Ann-Kathrin Sourell (SV Nordhausen) 2:31:10, 9. Yvonne Most 2:34:24, 10. Katy
Hillgruber 2:36:04, 11. Anja Meichsner (alle Leipzig) 2:38:37
Fitness-Distanz (550 m Schwimmen/20 km Radfahren/5 km Laufen) mit 549 Startern und 495 Finishern, Männer:
1. Oliver Bräuning (SC DHfK Leipzig) 1:03:30, 2. Matthias Hünig (TSV Flöha) 1:05:04, 3.
Jens Oswald (Post SV Leipzig) 1:07:17, 4. Mario Hoppe (TSV Leuna) 1:07:22, 5. Martin
Wörmer (Leipzig) 1:07:53, 6. Udo Geldner (MSC 2 Leipzig) 1:08:06.
Schwimm-Prämie:
Sebastian Halgasch (SC DHfK Leipzig) 6:06 min. Frauen: 1. Franziska Bittner (Tri Sport
Wurzen) 1:10:21, 2. Lydia Faltus (Eintracht Naumburg) 1:10:53, 3. Julia Tempel (Leipzig)
1:13:16, 4. Juliane Kummich (LAZ Leipzig) 1:17:42, 5. Anett Gräfe (Stolpen) 1:19:25, 6.
Sabrina Oschatz (SC DHfK/ Triathlon) 1:20:12.
Staffel (27 Teams), Männer:
1. Porsche Leipzig (Liebwald, Schwarz, Ewig) 1:05:00, 2. Aiesec Leipzig (Gensch, Renner,
Josten) 1:06:53, 3. Power of elements Ashanti Leipzig (Dobroschke, Schlaubke, Abraham) 1:08:35
Frauen: 1. Physio-Cats Leipzig (Seidel, Pienknierski, Pauli) 1:21:59, 2. Consulere die
Weiblichen Leipig (Seidel, Fröbel, Harnig) 1:24:08, 3. Saferserve Leipzig Nutzwerk (Ingolffstein, Wiatrowski, Krieghoff) 1:24:58
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