Frieda kehrt gern auf der Ex-"Frieda" ein

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Kaum jemand, der in der italienischen Gaststätte La Barca am Kulkwitzer See einkehrt, weiß, was es mit dem Schiff auf sich hat. Frieda Müller aus dem Saalkreisstädtchen Wettin (Sachsen-Anhalt) kennt sich dafür um so besser aus. Sie ist Binnenschifferin im Ruhestand. Die 82-Jährige war und ist Zeit ihres Lebens mit der Saale verbunden. Und die heutige La Barca war einst ihre "Frieda".

Gern klettert sie heute noch auf den Wettiner Bismarckturm. "Von hier oben habe ich eine herrliche Sicht auf das blaue Band der Saale." An schönen Tagen lässt die ehemalige Schifferin dann den Blick in Richtung Merseburg schweifen, einst ein Ausgangspunkt ihrer Touren bis Hamburg, Stettin oder Düsseldorf. Fast drei Jahrzehnte fuhr sie an der Seite ihres Mannes auf einem privaten Schubboot, zuerst auf der alten "Luise". Später wechselte sie auf die "Frieda", die mittels eines dänischen Schweröl-Motors durch die Wellen pflügte.

"Keine leichte, aber eine schöne Zeit", erinnert sie sich. "Ich war Mutter, Hausfrau, Schiffsjunge und Steuermann." Bis zu 390 Tonnen, fällt ihr spontan ein, passten in den Bauch des Kahns. Holz, Kohle, Eisenerz, aber auch Maschinen und Anlagen gingen mit "Frieda" auf große Fahrt.

Ihre ganze Sippe war seit Urgroßvaters Zeiten auf der Saale unterwegs. Geschichten kann sie erzählen, beispielsweise wie dereinst bei Hochwasser die Baumstämme tollkühn über das Wehr bugsiert wurden. "Das ist unsere Art", sagt Frieda Müller und meint damit auch ein wenig ihren Sohn, der heute als Wärter an der Schleuse in Wettin tätig ist.

1972 entschloss sich das Ehepaar, das traditionelle Gewerbe aufzugeben. "Es war keine gute Zeit für Unternehmer, denn die volkseigene Reederei wurde bevorzugt", so die Schiffersfrau. Am Ende gelang Müllers aber noch ein kleines Kunststück: Um die Verschrottung ihres Schiffes zu verhindern, verkauften sie es kurzentschlossen nach Leipzig.

Quasi über Nacht wurde der Kahn in Halle-Trotha aus der Saale gehievt, in drei Segmente geteilt und auf Tieflader gepackt. Über die Autobahn erreichte der Transport sein Ziel und bekam die heute noch zu sehenden neuen Aufbauten. Am Strand des ehemaligen Tagebau-Restloches erlebt das Schiff seinen zweiten Frühling als maritime Gaststätte.

Frieda aus Wettin reist bis heute jedes Jahr einmal mit ihrer Familie dorthin - um wieder einmal auf der eisernen "Frieda" zu essen.
Leipziger Volkszeitung - R. B. [04.11.2005]
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