Wrack parkt nun auf Betonbett

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Nicht alltäglichen Bootsverkehr gab es am Sonnabend auf dem Kulkwitzer See. Vor den Augen hunderter Zuschauer wurde das Wrack der ehemaligen Hafenbarkasse "Geschwister Scholl" im See versenkt. Damit wurde der deutschlandweit bekannte Unterwasserpark im Kulkwitzer See um eine Attraktion reicher. Darüber hinaus soll das Wrack sowohl Sporttauchern als auch den Profis von Bundeswehr, Polizei und anderen Organisationen zu Ausbildungszwecken dienen.

Die Idee, ein Schiffswrack im See versinken zu lassen, hatte Reinhard Gräfe von der Tauchschule Delphin. Wie berichtet, hatte er die vom Elbhochwasser arg mitgenommene Barkasse in Dresden ausfindig gemacht und ihren Abtransport organisiert. Die Mitglieder des Tauchsportvereins "Leipziger Delphine" entfernten die alte Maschine, wuschen Öl und Fett ab und legten unter dicken Farbschichten den blanken Stahl frei.

"Schließlich wollen wir mit dem Wrack keine Schadstoffe ins Gewässer bringen", begründete Gräfe die aufwändigen Vorarbeiten. Nachdem auch das Leipziger Umweltamt grünes Licht gegeben hatte, legte die "Geschwister Scholl" am Sonnabend zu ihrer letzten Fahrt ab. Dieselte das 14 Meter lange Schiff einst bis hinauf zur Müritz, war ihm auf dem Kulkwitzer See nur eine kurze (Schlepp-)Fahrt beschieden, denn die Versenkungsstelle befand sich lediglich 100 Meter vom Ufer entfernt.

Gut 20 Meter unter der Wasseroberfläche hatten die "Leipziger Delphine" dem Wrack ein stabiles Betonbett bereitet. "Auf diese Weise bleibt der Bootskörper ein Stück über dem Seegrund, sodass beim Betauchen nicht unnötig Sedimente aufgewirbelt werden", erklärte Gräfe. Damit das Schiff auch tatsächlich auf dem Betonsockel landet, musste es kontrolliert versenkt werden - eine knifflige Aufgabe für die Pioniertaucher der Bundeswehr, für Technisches Hilfswerk und DLRG. Mit Hilfe von luftgefüllten Hebesäcken wurde das Wrack austariert, per Seilzug sollten die vier Tonnen Stahl in Zeitlupe in die Tiefe schweben.

Anfangs hielt sich das Wrack noch wacker an der Oberfläche. Als jedoch aus dicken Schläuchen Wasser hineingepumpt wurde, sank es tiefer und bekam Schlagseite. Meeresgott Neptun, der die Versenkung bis dahin vom Deck der "Geschwister Scholl" aus verfolgt hatte, brachte sich mit kühnem Sprung in Sicherheit. Wenig später verschwand das Schiff Heck voran unter dem Applaus der Zuschauer im See. Eine knappe Stunde später kam es an seinem letzten Liegeplatz an.

Umweltamtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch war's zufrieden. Sie hatte sich die Versenkung von einem Schlauchboot aus angeschaut und bescheinigte allen Akteuren perfekte Arbeit. Bernd Walter hingegen musste beim Anblick des sinkenden Schiffes gegen die Tränen ankämpfen. Der Dresdner Wassersportler war mit der "Geschwister Scholl" zu DDR-Zeiten über heimische Gewässer geschippert. "Es ist schon eine traurige Sache", sagte er. "Aber allemal besser als ein Ende auf dem Schrottplatz."

•  Nähere Informationen unter www.leipziger-delphine.de
Leipziger Volkszeitung - André Dreilich [23.08.2005]
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