Seit Öffnung des Cospudener Sees rückt der Kulkwitzer See in der öffentlichen Diskussion meist in den Hintergrund.
Dabei hat die riesige Badewanne vor den Toren Grünaus tausende Stammbesucher - und ebenso viele kleine und große
Probleme. Denen nimmt sich seit Mai dieses Jahres die Interessengemeinschaft (IG) Kulkwitzer See an, die am
Mittwochabend erstmals Bilanz zog.
Abfälle am Strand des Kulkis abladen, am Ufer Flaschen zerdeppern und Krawall machen - bei dieser Art
Vandalismus will die Interessengemeinschaft (IG) Kulkwitzer See nicht mehr länger zusehen. "Wir sind
schließlich alle betroffen. Anwohner, Camper, Besucher und Sportler", meinte Frank Albrecht, Stadtvorstand
der Grünen und Moderator der IG-Sitzung am Mittwochabend. Sogleich klagte einer der rund 20 Anwesenden
im Publikum "über Mülltourismus auf Lausener Flur". Eine Bewohnerin der Bungalow-Siedlung berichtete
aufgebracht von "regelmäßigen Saufgelagen Jugendlicher, die deutliche Spuren hinterlassen". Schnell müsse
eine Lösung des Problems her, forderte sie.
"Wir brauchen mehr Ordnungskräfte am See, die die Schmutzfinken und Vandalen zur Kasse bitten", meinte
Dr. Leonhard Kasek, der die Diskussion am Mittwochabend im Komm-Haus gemeinsam mit Albrecht leitete.
"Nein, hart auf hart bringt nichts", entgegnete Klaus-Dieter Wittig vom hiesigen Bootsverleih. "Wir
müssen die Jugend stärker einbinden, ihr eine Chance geben, sich zu integrieren." Leonhard Kasek
berichtete von einem Miltitzer Projekt, "das dort jahrelang gut funktioniert hat". Einem Treff,
zu dessen Aufgabe die Reinhaltung des Zschamperts gehörte. "Wir müssen den Kids Rechte einräumen,
verbunden mit konkreten Pflichten."
Scarlett Wiewalds großer Moment: Ihr Cliquentreff "Kübel" hat's vorgemacht. "Die Mädchen und
Jungen haben einen ehemaligem Imbiss zum Clubhaus umgestaltet", erzählte die Streetworkerin.
"Jetzt denken wir darüber nach, die Patenschaft für einen Spielplatz zu übernehmen. Die Jugendlichen
würden dort gegen ein kleines Entgelt für Ordnung sorgen", erklärte sie ihre Überlegungen. Konkrete
Gespräche könnten schon im Frühjahr 2005 laufen, bekundete Seenbetreiber Christian Conrad
Interesse.
Conrad war es denn auch, der von Plänen für eine Freispiegelleitung sprach, über die zukünftig
das Wasser vom See in den Zschampert ablaufen könnte. Diese würde die elektrische Pumpe südlich
der Wasserskianlage ersetzen. "Hunderttausende Kubikmeter Wasser werden derzeit abgepumpt, um
den Pegel stabil zu halten", sagte Conrad. Mit 300 000 bis 400 000 Euro Anschaffungskosten
rechnet er. "Eine langfristige Sache. Und besser, als die Stromkosten in Höhe von 25 000
Euro jährlichen und zusätzlicher 8000 Euro Instandhaltungskosten." Die Summe für den Kauf
allerdings könne der Zweckverband des Naherholungsgebietes nicht aus eigener Tasche
bezahlen.
Im Mai war die IG Kulkwitzer See gegründet worden, um "allen Nutzern und Betreibenden des
Sees die Möglichkeit zu geben, Informationsdefizite auszugleichen", erklärte Albrecht. Zudem,
"um gemeinsame Wege bei Vorhaben und Veränderungen zu gehen und den See mit seinem Umfeld
bedarfsorientiert und seiner Entwicklung zu lenken". Seitdem sei viel geschehen. 1783
Unterschriften wurden gesammelt. Mit ihnen wird gefordert, alle Wege am See tagsüber zu
öffnen, auf hohe Zäune zu verzichten und lieber Sträucher zu pflanzen. "Wochentags ist
unser Platz von 9 bis 16 Uhr geöffnet", erklärte dazu Sigfried Hirschel, stellvertretender
Vereinsvorsitzender der Dauercamper.
So manche Seebesucher werten das als einen ersten Erfolg - deshalb gab's auch zufriedene
Gesichter bei den Vertretern der IG Kulkwitzer See.
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