Petrijünger wollen Fortunabad und Kulki

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Ein Riesenwels dreht seit Jahren im Kulkwitzer See seine Runden und ist schon zu einem guten alten Freund der Tauchsportler geworden. Als Petrijünger dieser Tage einen großen Waller anlandeten, machten sich die Taucher allerdings Sorgen um "ihren" Riesen. Doch das Exemplar mit einer abgeknickten Bartel - so nennt man die bartähnlichen Gebilde am Maul von Fischen - wurde kurz darauf wieder gesichtet. Wer ihn eines Tages angeln darf, ist indes noch unklar: Die Stadt Leipzig hat nämlich die Fischereipachtrechte für den Kulkwitzer See und weitere Gewässer neu ausgeschrieben.

Noch bis 30. November können Interessenten ihr Pachtzinsangebot und ihr fischereiliches Bewirtschaftungskonzept für eine Reihe städtischer Gewässer einreichen. Neben dem Kulkwitzer See und den drei Teichen im Fortunabad sind auch kleinere Gewässer wie der Hintere Rosentalteich, der Parkteich Stünz, der Schwanenteich an der Oper, der Teich im Krankenhaus St. Georg und der Dorfteich Seehausen im Angebot. "Der zwölfjährige Pachtvertrag für den Kulkwitzer See läuft zum Jahresende aus", erläutert Hannelore Schaaf vom Umweltamt. "Das Pachtrecht wurde jetzt sachsenweit ausgeschrieben, um auf diese Weise allen Interessenten die Möglichkeit zu geben, sich darum zu bewerben".

Stadt preist Gewässer an

Die Stadt Leipzig wolle ihr Eigentumsfischereirecht durch die Verpachtung an fachlich versierte Partner wahrnehmen und sei gehalten, künftig alle zur Neuverpachtung anstehenden Gewässer öffentlich anzupreisen. "Trotzdem sind wir keineswegs verpflichtet, dem höchsten oder irgendeinem Gebot den Zuschlag zu erteilen, denn mitentscheidend ist für uns stets das Bewirtschaftungskonzept zur Hege und Nutzung des jeweiligen Gewässers." Die eingehenden Gebote würden gemeinsam mit der Fachbehörde geprüft, woraus Empfehlungen für den Vergabeausschuss abgeleitet werden. "Ich gehe davon aus, dass dieser noch im Dezember entscheidet, damit an den Gewässern kein rechtloser Zustand entsteht und ihre Bewirtschaftung kontinuierlich auch über den Jahreswechsel erfolgen kann", betont Hannelore Schaaf.

Das hofft auch Uwe Fricke, der Geschäftsführer des Anglerverbandes Sachsen (AVS), der "Kulki" und Fortunabad bisher gepachtet hatte. "Bei anderen Gelegenheiten haben wir Angler leider erleben müssen, dass Gewässer durch verspätete Entscheidungen über Monate nicht vergeben worden waren." Solch ein rechtsfreier Zustand stifte Unruhe nicht nur unter der Anglerschaft, sondern könne die öffentliche Hand in Zeiten leerer Kassen zusätzlich Geld kosten: Besteht kein rechtsgültiger Vertrag, wird schließlich auch kein Pachtzins fällig.

Vereine fischen im See

Natürlich bewerbe sich der AVS erneut sowohl um den Kulkwitzer See als auch um das Fortunabad. "Unsere Mitglieder kennen den Kulkwitzer See, der 1965 als Bergbaufolgegewässer entstanden war, wie ihre Westentasche und kümmern sich bereits seit 1973 um die Hege und Pflege eines artenreichen und gesunden Fischbestandes. Drei unserer Mitgliedsvereine haben sich sogar an den Ufern des 159 Hektar großen Areals angesiedelt."

Jährlich leisten diese Petrijünger hunderte freiwillige Arbeitsstunden, um den Fischbestand zu hegen, doch damit nicht genug. Auch die Uferbereiche halten sie sauber. "Natürlich hoffen wir nun sehr, dass die Stadt als Eigentümer diesen unermüdlichen Einsatz berücksichtigt und die fachliche Kompetenz sowie die Leistungsfähigkeit unseres Verbandes bei der Bewirtschaftung von Gewässern in ihre Überlegungen mit einbezieht." Dennoch könne niemand sicher sein, ob nicht doch ein Bewerber in der Anpachtung eines Gewässers die Chance sieht, sein Geld anzulegen und über hohe Gebühren beim Verkauf von Angelberechtigungsscheinen zu mehren. "Unsere mehr als 6500 Mitglieder wollen die Angelfischerei an den einheimischen Gewässern auch künftig so kostengünstig wie möglich und damit bezahlbar ausüben können, wobei uns klar ist, dass die Pachtpreise gegenüber dem bisherigen Vertrag kaum sinken werden", betont Fricke.

Angler pflegen Teiche

Sollte der AVS den Zuschlag erhalten, würden bereits im Frühjahr des kommenden Jahres neue Fische nachgesetzt. In den beiden vergangenen Jahren hielt sich der Verband mit Blick auf die anstehende Neuverpachtung verständlicherweise damit zurück. Doch den Petrijüngern geht es keineswegs "nur" darum, möglichst viele und große Fische anzulanden. "Wir bewerben uns daher auch um den Unteren und Oberen Dorfteich in Dösen, die beide fischereilich kaum genutzt werden können", erläutert Fricke. Diese beiden Seen wollen die Angler des AVS, der im Frühjahr dieses Jahres als Naturschutzverband im Freistaat anerkannt wurde, kostenlos in Pflege nehmen. "Als Petrijünger sind wir für den Schutz unserer Umwelt mitverantwortlich, denn nur an sauberen und intakten Gewässern können wir einen erlebnisreichen Angeltag inmitten der Natur genießen."

Doch wie bisher werden sich kaum Pächter für alle angebotenen Gewässer finden, befürchtet Hannelore Schaaf vom Amt für Umweltschutz. "Wir setzen darauf, dass uns wie bislang auch kompetente Partner wie die Anglerverbände bei der Bewirtschaftung fachlich unterstützen werden."
Leipziger Volkszeitung - Peter Salden [29.10.2004]
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