Schwämme zeigen: Wasserqualität ist spitze
Sporttaucher untersuchen im Kulkwitzer See das Vorkommen seltener Organismen und machen spektakuläre Funde
Die Geschmäcker sind unterschiedlich - auch bei Tauchern am Kulkwitzer See. Während sich gerade während der
Sommerzeit Sporttaucher aus ganz Deutschland über möglichst große Fische freuen, zieht es Joachim Weiß eher
zu den unscheinbaren Organismen, die sich in den Tiefen des Gewässers verbergen. spektakuläre Funde hat er
dabei nachzuweisen.
Der 66-jährige Wissenschaftler gehört dem Tauchsportverein "Leipziger Delphine" an. Zusammen mit bis zu acht
Gleichgesinnten untersucht er bei den vom Verein regelmäßig durchgeführten Biotagen die Vielfalt des im See
existierenden pflanzlichen und tierischen Lebens.
"Wir haben vor etwa zehn Jahren begonnen, die im Gewässer vorkommenden Arten zu erfassen", erinnert sich Joachim Weiß. Diese Datensammlung sei nicht statisch, sondern könne durch das Auftauchen neuer und das Verschwinden bereits bekannter Organismen Veränderungen im See dokumentieren und Trends sichtbar machen. Für Aufsehen sorgt in der Fachwelt das Auftreten so genannter Armleuchteralgen ( Characeen) im Kulkwitzer See. Diese Pflanzen würde ein Laie wohl am ehesten mit dem Sammelbegriff "Kraut" bedenken. Sie verdanken ihren Namen quirlförmigen Ästen, deren Anordnung an Kronleuchter erinnert.
Gemeinsam mit der Botanikerin Angela Döge vom Leipziger Umweltamt gelang Joachim Weiß die zweifelsfreie Bestimmung von 5 Characeen - Arten. "Mit der Nitellopsis obtusa schafften wir allen Zweiflern zum Trotz sogar den Erstnachweis für Sachsen", freut sich Joachim Weiß. Das Auftreten von Armleuchteralgen sei ein Indiz für die sehr gute Wasserqualität des Kulkwitzer Sees, da die Characeen äußerst sensibel auf Schwebstoffe und chemische Verunreinigungen reagieren. "So, wie sie plötzlich vorkommen, können sie verschwinden".
Ähnlich sensibel sind auch die Süßwasserschwämme, die im Kulkwitzer See gedeihen. Bisher wurden diese Organismen nur an im Wasser liegenden Baumstämmen und ähnlichen Unterlagen entdeckt. Umso größer war das Erstaunen der Taucher, als im vergangenen Winter erstmals Schwämme an einer im See stehenden Feldbahnlore und an einer stählernen Tauchplattform in rund sechs Metern Tiefe gefunden wurden. Die Süßwasserschwämme seien ein biologisches Reinigungssystem, das die aus Organismenresten und Bakterien bestehenden Schwebstoffe aus dem Wasser filtere. "Die erreichte Größe von mehr als zehn Zentimetern spricht für die wirklich optimalen Bedingungen" betont Joachim Weiß. "Chemie und Temperatur müssen hier perfekt passen."
Umso besorgter ist er angesichts der Gefahren, denen der See ausgesetzt ist. "In der Seebucht, in der früher die Rutsche stand, haben wir vor einigen Jahren die ersten Flusskrebse entdeckt und auf ihre Verbreitung gehofft", sagt Weiß. Die sei eingetreten, allerdings verschwanden die empfindlichen Krebse genau wie die laichenden Hechte und eine Reihe Pflanzen inzwischen aus der nur vier Meter tiefen Bucht, da dort der Sauerstoffgehalt stark gesunken sei. "Unter Wasser erscheint die Bucht bereits tot", berichtet der Taucher. "Schuld am der Verschlechterung der Wasserqualität ist der hohe Nährstoffeintrag." Der habe seine Ursache vor allem in der übermäßigen Fütterung und den verstärkten Ausscheidungen der ständig wachsenden Vogelschar, aber auch in den organischen Hinterlassenschaften mancher Badegäste.
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