Teams beschwören den Geist, der Berge versetzen hilft

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Aus einem Team schöpfen nicht nur Olympioniken Kraft. Auch in der Wirtschaft beschwören Unternehmen zunehmend jenen Geist, der Berge versetzen helfen soll. Orte, an denen das geschieht, sind unter anderem Klettergärten. Am Kulkwitzer ist ein neuer im Entstehen, im Hotel Breitenfelder Hof wartet bereits seit Juni ein Hochseil - Garten auf Bezwinger.

Mit leuchtenden Augen steht Barbara Schmidt vor meterhohen Stämmen aus Lerche und Douglasie, die zurzeit vier Männer der Firma Holzbau Reiter aus dem Oberallgäu am Lausener Strand des Kulkwitzer Sees für sie zusammenzimmern. Europaweit seien sie im Einsatz, sagt einer der baumstarken Kerls und geht weiter seinem Job nach. Es gibt noch viel zu tun, bis Mitte September die neue Attraktion am "Kulki" eröffnet werden kann. "Ich bin schon ganz aufgeregt", gibt die gebürtige Markranstädterin zu, die die Freizeiteinrichtung nicht nur besitzt, sondern auch ganzjährig betreiben wird.

Auf 2500 Quadratmetern entstehen 17 Kletterstationen in Höhen bis zu 14 Meter. "Unser Outdoorzentrum richtet sich sowohl an Unternehmen als auch an Familien, Schulen und abenteuerlustige Jugendliche", erläutert die gelernte Elektronik - Ingenieurin und Dozentin für Erwachsenenbildung. Solch ein Parcours vereine auf besondere Weise Sport, Freizeit und Abenteuer mit Erlebnispädagogik und Therapie.

Bis zu zehn ausgebildete und zertifizierte Trainer stehen den Teilnehmern zur Seite, wenn es darum geht, zu kooperieren und Hindernisse im Team zu bewältigen. "ich habe in meinen bisherigen Tätigkeiten oft gespürt, dass vieles besser funktionieren könnte, wenn wir anders miteinander umgehen würden", betont die 40- Jährige. Der Hochseilgarten sei ein Instrument, daran zu arbeiten.

Die Stärken eines Hochseilgartens schätzt Tanja Bakry. Die Geschäftsführerin vom Hotel Breitenfelder Hof hat in ihrem Hotelpark auch bereits einige Elemente erklommen. "Das macht mächtig Spaß, bringt zugleich aber unerwartete Konstellationen zu Tage," erzählt sie. Zwischen alten Eichen, Platanen und Eiben sind die Installationen ihres Kooperationspartners, der Hochseilpark Werdenfels KG, auf den ersten Blick gar nicht zu entdecken. In Höhen zwischen sieben und zehn Metern gespannte Seile gilt es mit Hilfe des Teams zu überwinden. "Die Teilnehmer sind dabei wie Bergsteiger gesichert, so dass nichts passieren kann", sagt Bakry. Dennoch sei für manchen bereits eine Überwindung nach oben zu klettern.

Aber auch zu ebener Erde gibt es Elemente, die Teamgeist erfordern. Beim Spinnennetz muss jeder aus der Gruppe durch ein anderes Geviert auf die andere Seite gelangen, beim Vertrauensfalls sich jeder von einem Podest in die Arme seiner Mitstreiter fallen lassen. Das da mal keiner schlapp macht!

Auch der Baumstamm, der im Gras liegt, gehört zum Kurs", schmunzelt die Hotel- Chefin. Das sei der "Zeitstrahl". Auf dem nehme die Truppe erst einmal Aufstellung. Wenn dann der Trainer auffordert, sich dem Geburtsdatum nach zu ordnen, ohne den Baum zu verlassen, werde es ernst. "Alleingänge sind dann nicht mehr drin. Als Chef kann nur bestehen, wer alle hinter sich weiß." Wenn sein Vorschlag nicht von jedem mitgetragen wird, gerate der Chef rasch ins Abseits. Das sei die Chance für andere, über sich hinauszuwachsen und die Truppe an Ziel zu führen. Diese Erfahrungen würden sich immer mehr Unternehmen wie Warenhäuser, Banken oder Versicherungen zunutze machen, so Tanja Bakry.
Leipziger Volkszeitung - Cornelia Lachmann [31.08.2004]
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