Am schönsten ist`s, wenn's draußen fröstelt

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An den Wochenenden springen die Leipziger Pinguine in den kalten Kulkwitzer See / Bei Familie Kelle sind drei Generationen Eisbader

Frostbeulen sind die Leipziger Pinguine nicht. Wenn `s draußen fröstelt, laufen die Extrem-Sportler zur Hochform auf. Im Winter - für die 39 Vereinsmitglieder die schönste Jahreszeit - gehen mitunter drei Generationen zum Eisbaden in den Kulkwitzer See.

"Sei kein Frosch", Oma Monika Kelle will den Mut bei Jung- Pinguin und Enkel Nico herauskitzeln. Einfach fällt es dem 13- Jährigen nicht: "In das kalte Wasser rein - nein, danke", stellt sich Nico quer. In das 3 Grad im Vergleich zu anderen Tagen noch "warme" Wasser würden ihn dieses Mal keine 10 Pferde bekommen. Dabei war es Nico, der unbedingt zu den Eisbadern gehören wollte, sogar Mama Jana steckte er mit seiner Begeisterung für den nicht alltäglichen Sport an.

Oma Monika, von allen nur Moni genannt, schwimmt sich schon seit 15 Jahren bei eisigen Temperaturen fit. "Am schönsten ist`s, wenn`s draußen fröstelt", erzählt sie. Mit der Spitzhacke in die Schneedecke vom Kulkwitzer See ein Loch hinein, " und dann als Belohnung in die kalten Fluten stürzen". Was den einen größtes Vergnügen bereitet, lässt andere schon beim Zuschauen erstarren. "ins Schwitzen kommen wir jedenfalls nicht", kommentiert Moni, nur mit blauer Bommel- Mütze bekleidet.

Dass Familie Kelle nun bereits in dritter Generation ins kühle Nass springt, freut die 60-Jährige, die übrigens der älteste Pinguin der 39-köpfigen Truppe ist. Enkel Nico saß bis vor kurzem draußen am Lausener Strand, schaute der Oma beim winterlichen Vergnügen zu. "Dabei muss es ihn wohl gepackt haben", vermutet Moni. Auch die Mama wurde angesteckt. Alle drei springen sie nun jeden Samstag und Sonntag als Nackedeis in den Kulki. "Na klar fördert das auch den Zusammenhalt in der Familie" sagt die 33-jährige Jana. Erst im Sommer kehrte sie mit ihrem Sohnemann an die Pleiße zurück. Für zwei Jahre hatte sich die Rechtsanwaltsfachangestellte in Nordrhein- Westfalen niedergelassen. "Die verpasste Zeit müssen wir jetzt aufholen." Dazu gehört nicht nur das wöchentliche Badevergnügen. "Wir unternehmen auch sonst viel miteinander", erzählen die die drei. Gemeinsam kaufen sie ein, unternehmen Ausflüge. Und dann sind da noch die berüchtigten Bingo-Abende bei Oma.

"Eisbaden kurbelt die Durchblutung und bestimmt auch die Fettverbrennung an", hofft Jana. Da könnten dann die bei Oma Moni angefutterten Pfunde abgespeckt werden. Ihr Hobby sei auch ansonsten gesund, eine Kampfansage gegen zu hohen Blutdruck und zugleich extremste, aber wirksamste Form zur Abhärtung. Das weiß auch Klein-Nico. Mit gutem Zureden durch die anderen Pinguine fasst er sich am Sonnabend schließlich ein Herz. Zuerst ganz zaghaft vortasten - nur mal mit dem großen Zeh probieren. Dann stürzt er sich rein in die Fluten des Kulkwitzer Sees. "War doch gar nicht so kalt", meint er anschließend, eingemummelt in einen warmen Bademantel und mit einer Tasse heißen Tee in der Hand.
Leipziger Volkszeitung - Anja Landmann [05.11.2004]
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