Firma vom Cospudener See soll Grünauer Badewanne übernehmen

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Der Kulkwitzer See soll ab nächsten Monat durch einen privaten Investor bewirtschaftet werden. Favorit ist Christian Conrad, der mit seiner Firma Pier 1 bereits den Cospudener See betreut. Die Städte Leipzig und Markranstädt hoffen, Conrad werde mehr Schwung und zusätzliche Attraktionen für die Badewanne Grünaus schaffen. Im Gespräch sind zum Beispiel ein neues Strandbad, eine Tauchstation und Fährlinie.

Bislang bewirtschaftet der Zweckverband Erholungsgebiet Kulkwitzer See (ZEG) das 300 Hektar große Erholungsgebiet allein. Neun Mitarbeiter sorgen für Ordnung und technische Dienste, für jährlich 20.000 Übernachtungen auf dem Campingplatz, im Feriendorf und anderes mehr. Noch bevor in drei Wochen die neue Saison beginnt, soll sich aber einiges ändern, so der ZEG-Vorsitzende und Markranstädter Bürgermeister Martin Schmeling (CDU). "Wir wollen die Verwaltung des gesamten Territoriums in private Hände legen. Der Zweckverband bleibt dabei erhalten. Er wird auch künftig Eigentümer des Grund und Bodens sein."

Alle Mitarbeiter können bleiben

Mit Christian Conrad wurden detaillierte Verhandlungen über einen Geschäftsbesorgungsvertrag geführt, so Schmeling weiter. Wenn die ZEG-Versammlung am 23. März das Papier absegnet, könne er schon zum 1. April das Zepter übernehmen. "Alle neun Mitarbeiter haben Vertragsangebote zur Übernahme in die künftige Betriebsgesellschaft erhalten."

Der Bürgermeister sieht in der Privatisierung viele Vorteile. Die Angestellten könnten flexibler eingesetzt werden, je nach Bedarf auch am anderen Gewässer. Eine Firma sei bei Investitionen viel beweglicher als ein Verband - obwohl der ZEG mit Leipzig und Markranstädt nur zwei Mitglieder zählt. Das größte Plus sei die einheitliche Vermarktung beider Erholungsgebiete. "Dadurch lassen sich Tourismus-Pakete schnüren und unerwünschte Konkurrenz vermeiden."

Christian Conrad findet, der Kulkwitzer See habe zwei besondere Trümpfe, die man weiter ausbauen muss. Einerseits seien es die Übernachtungsmöglichkeiten mit Zelten, Finnhütten, Bungalows. Andererseits der Sport: von der Wasserskianlage über das Kanu-Zentrum bis zum Tauchen. "Ich denke, ein Zwei-Seen-Konzept wäre sehr vernünftig und bringt sicher Synergieeffekte", sagt der Leiter der "Costa Cospuda". Zu Details will er sich aber erst äußern, wenn der Vertrag unterschrieben ist.

Fährlinie mit vier Stationen

ZEG-Vorsitzender Schmeling weist indes auf zwei Projekte hin. So könne im seit Jahren leer stehenden "Roten Haus" am Leipziger Ufer ein weiteres Tauchsportzentrum einziehen. Für das Markranstädter Ufer sei ein neues, großzügiges Strandbad mit Gastronomie geplant. Laut ZEG-Geschäftsführer Andreas Berthold laufen außerdem Gespräche mit dem Bootsverleih Wittig. Diese Firma will ab 2004 auf dem "Kulki" eine Fährlinie mit vier Stationen anbieten: Schiff "La Barca", das neue Strandbad oder der Segelhafen in Markranstädt, Tauchschule Göhrenz, "Rotes Haus".

Leipzig und Markranstädt erhoffen sich durch die Privatisierung eine finanzielle Entlastung. Die Städte zahlen zusammen mehrere 100.000 Euro pro Jahr an den ZEG. "Dank des Geschäftsbesorgungsvertrages könnten wir die Umlagezahlungen bis 2008 auf Null reduzieren", erklärt Schmeling.

Stichwort Kulkwitzer See - Grundwasser füllt einstige Gruben

Der Kulkwitzer See entstand aus den Restlöchern zweier Tagebaue. In den Abschnitten bei Kulkwitz und Miltitz wurde von 1937 bis 1963 Braunkohle gefördert. Danach begann die Umgestaltung in ein Erholungsgebiet. Das Grundwasser füllte die Gruben auf. Ringsum wurden Bäume und Sträucher gepflanzt sowie mehrere Badestrände angelegt. 1972 öffnete der ausgediente Saale-Lastkahn "Frieda" als Restaurantschiff "MS Leipzig". Das Gewässer war einer der Hauptgründe für die Entscheidung, das 1976 begonnene Neubaugebiet Grünau im Westen Leipzigs anzusiedeln.

Seit der Wende kümmert sich in Zweckverband um Tourismus und Naherholung, durch die Eingemeindungen 1995 gehören dem Zweckverband nur noch Markranstädt und Leipzig an. Bürgermeister Holger Tschense (SPD) sprach sich 1997 dafür aus, die Bewirtschaftung des Sees an eine Firma zu übertragen. Vor zwei Jahren kündigte er ein Konzept für mehr private Investitionen an, das im Herbst 2001 in den Stadtrat gehen sollte. Beides geschah nicht. Vielmehr wurde ein Bebauungsplan für das ganze Territorium angefangen, der in diesem Jahr fertig werden soll.

Größtes Problem am Kulki ist der ständig steigende Wasserstand. Jährlich werden 1 Million Kubikmeter in den Bach Zschampert abgepumpt- sonst könnten die Naherholungsanlagen ringsum überflutet werden.

Ein Segen für den Tourismus

Den Unterschied zwischen dem Kulkwitzer und dem Cospudener See bemerken viele Touristen beim ersten Anruf. Wer Freitag im Zweckverband Kulkwitzer See nachfragen will, ob sich das Gewässer für einen Wochenendausflug eignet, hört nur eine Bandansage. Die Kollegen seien Montag bis Donnerstag 9 bis 15 Uhr erreichbar, heißt es da. Man könne jetzt eine Nachricht hinterlassen: Doch im selben Moment schaltet das Gerät ab. Ganz anders an der "Costa Cospuda". Dort meldet sich am Freitag wie Dienstagabend eine nette Mitarbeiterin, die alle Fragen klärt. Viel mehr muss man zur Begründung, warum eine private Firma den "Kulki" besser managen kann, eigentlich nicht sagen. Dieser Weg ist richtig. Hoffentlich wird er nach Jahren des Zauderns nun schnell und konsequent beschritten. Dazu gehört auch, dass der alte Zweckverband aufgelöst wird. So ein Gebilde mag nach der Wende gut gewesen sein, um Eigentumsprobleme zu lösen und die Infrastruktur zu erneuern. Als Tourismusveranstalter ist der ZEG untauglich, als reines Aufsichtsgremium zu teuer.
Leipziger Volkszeitung - Jens Rometsch [17.03.2003]
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