Ungewöhnliche Töne zogen am Sonntag bei eisigen Temperaturen und stürmischem Wind über den Kulkwitzer See.
Die "Leipziger Delphine" hatten aus Anlass des Totensonntags zur dritten Andacht an ihr Hausgewässer geladen.
Mehr als 40 Zuhörer waren dieser Einladung gefolgt.
Auf einer kleinen, vor der Tauchbasis der "Leipziger Delphine" im Wasser schwankenden Insel trotzte der
Markranstädter Pfarrer Michael Zemmrich den Elementen und hielt eine Predigt, in der viel vom Tod, aber
noch mehr vom Leben die Rede war.
Er erinnerte an die Gefahren des Tauchens, die zugleich den Blick für die Begrenztheit des eigenen Lebens
öffnen sollten. Zugleich verwies er auf die Parallelen zum Bergsteigen, denn trotz seiner Kameraden sei
auch ein Taucher unter Wasser auf sich allein gestellt. Er bewege sich in einem Medium mit eigenen Gesetzen
und gewinne Zugang zu einer andersartigen Welt. Das hinterlasse in den Tauchern Spuren. "Sie tauchen aus
dem Wasser anders auf, als sie untergetaucht sind", beschrieb Zemmrich die Veränderungen.
"Der Tod mündet in die Auferstehung", resümierte der Markranstädter Pfarrer seine Überzeugung angesichts
der Unfälle, die sich auch beim Tauchen im Kulkwitzer See immer wieder ereignen. In sein Gebet für die
Menschen, die im "Kulki" Leben oder Gesundheit einbüßten, schloss er ausdrücklich auch jenes Opfer mit
ein, das seinem Leben in diesen Jahr im See ganz bewusst ein Ende setzte.
Unterstützt wurde Zemmrich durch die Mitglieder des Markranstädter Posaunenorchesters, die trotz kalter
Lippen und eines Windes, der den Noten den Kampf angesagt zu haben schien, die Andacht musikalisch
umrahmten.
Nachdenkliche Töne gab es im Anschluss in einem beheizten Zelt am Seeufer zu hören. Dort berichtete
Andreas Böhm, Kommissar bei der sächsischen Wasserschutzpolizei, über die Ergebnisse seiner
Ermittlungen bei einer Reihe von Tauchunfällen, die sich seit 1997 in Sachsen ereignet haben.
Insgesamt waren bei diesen Unfällen zehn Tote zu beklagen, drei Taucher trugen Verletzungen davon,
einer von ihnen ist an den Rollstuhl gefesselt.
Als Ursache praktisch aller Unfälle führte Andreas Böhm eine unglückliche Mischung aus Leichtsinn,
ungenügender Erfahrung und Selbstüberschätzung an. Technische Defekte hätten hingegen in keinem
Fall zwingend zu Unfällen geführt.
"Immer wieder höre ich von Tauchern, die sich über Sicherheitsvorschriften hinwegsetzen, dass sie
doch nur zum Spaß unterwegs seien", beklagt Andreas Böhm. "Wer so zu einem Tauchgang aufbricht, für
den hört irgendwann der Spaß auf."
Dass es im Kulkwitzer See praktisch jährlich einen schweren Tauchunfall gibt, habe nichts mit einer
besonderen Gefährlichkeit des Gewässers zu tun. "Im Gegenteil, andere Seen sind viel tückischer
und bergen erhebliche Risiken für die Taucher", so Böhm. "Aber der Kulkwitzer See ist sehr beliebt
und zieht viele Taucher an. Damit wächst auch die Unfallwahrscheinlichkeit."
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