Mieter klagt, weil Eigentümer ihn vor die Tür setzt

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Die Dschunke am Kulkwitzer See schippert in unruhigem Fahrwasser

Erst war Eigentümer Wolfgang Kaiser froh, mit Thomas Schlag und Hartmut Rumpf nach dem Abgang von China-Gastronom Li neue Mieter gefunden zu haben. Nun droht ein Rechtsstreit, weil er den beiden eine außerordentliche Kündigung geschickt hat und der neue Mieter bereits im Schiff seine Pläne umsetzt.

"Am 22. Oktober haben wir den Mietvertrag über 15 Jahre mit Immobilien-König Kaiser abgeschlossen", erzählt Thomas Schlag. Nachdem Li aufgegeben habe, sei Kaiser auf ihn zugekommen. Schlag betreibt in Nachbarschaft zur Dschunke seit fünf Jahren die Partytonne.

Im Anhang des Vertrages vereinbarten Schlag, Rumpf und Kaiser einen Passus, der nicht ungewöhnlich in der Gastro-Szene ist, aber jetzt für Wirbel sorgt: "Mit der Reudnitzer Brauerei sind Verträge abzuschließen, dergestalt, dass grundsätzlich die Getränke von der Brauerei Reudnitz zu beziehen sind, die diese Brauerei im Programm hat", heißt es dort wörtlich. Zu diesem Vertrag ist es jedoch nie gekommen.

Schlag sagt, er habe im Brauhaus um einen Kredit für den Innenausbau der Schiffsgaststätte gebeten. Auch dies ist in der Gastronomie nicht ungewöhnlich. Die Antwort aus Reudnitz verwunderte Schlag dafür umso mehr. Am 7. November schickte ihm die Brauerei eine Absage. Begründung: Es gebe mehrere Bewerber für die Schiffsgaststätte. In Abstimmung mit dem Vermieter habe man sich für einen Betreiber entschieden, der die geforderten Sicherheiten bieten könne.

Schlag sagt, er habe nichts von einem anderen Bewerber gewusst und im Glauben auf den Vertrag investiert: "Rund 10 000 Euro stecken in der Dschunke." Inzwischen baue sein Nachfolger in der Gaststätte um. Schlag hat gestern eine einstweilige Verfügung beantragt, will seinen Vertrag einklagen.

Wolfgang Kaiser erwidert, Schlag habe keine Finanzierung über Reudnitzer erhalten und damit den Vertrag nicht erfüllt. "Ich kann nicht warten, bis einer irgendwann mal Geld bekommt. Schlag hätte sich vorher fragen sollen, ob er mit dem Brauhaus einig wird."

Schlag wiederum sagt, der Vertrag sehe wörtlich bloß eine Belieferung vor. Seit der Absage bemühe er sich um einen einfachen Liefervertrag mit Reudnitzer, werde dort aber abgewiesen. Im Brauhaus war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.
Leipziger Volkszeitung - Jörg ter Vehn [09.12.2002]
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