Selbstüberschätzung führt zum Verhängnis

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Innerhalb von zehn Tagen wurde am Kulkwitzer See zwei jungen Tauchern ihr Hobby zum Verhängnis. Ein 26-jähriger Dresdner und eine 24-jährige Potsdamerin kamen bei Tauchunfällen ums Leben. Obwohl die Ermittlung der Unfallursachen noch nicht abgeschlossen ist, zeichnet sich ab, dass weder den See noch die dort "heimischen" Tauchsportler die Schuld an diesen Tragödien trifft.

Wie in allen unnatürlichen Todesfällen hat die Staatsanwaltschaft auch bei den jüngsten Ereignissen Ermittlungsverfahren eingeleitet. Daran beteiligt ist Polizeihauptmeister Andreas Böhm. Er ist als Angehöriger der sächsischen Wasserschutzpolizei in die Untersuchung aller Tauchunfälle im Freistaat eingebunden.

Kieler Institut erstellt Gutachten

"In beiden Fällen hat die Staatsanwaltschaft den Leichnam beschlagnahmt und die Obduktion angeordnet", so Böhm. Auf deren Grundlage erstellt Ullrich von Laag vom Marinemedizinischen Institut in Kiel ein tauchmedizinisches Gutachten. Außerdem wird die Ausrüstung der verunglückten Taucher in Eckernförde von Marinespezialisten geprüft. Erst nach Abschluss dieser Untersuchungen seien Aussagen zum Hergang beider Tauchunfälle möglich.

Den knapp 30 Meter tiefen Kulkwitzer See kennt Andreas Böhm dank eigener Tauchgänge recht gut. "Besondere Gefahren existieren dort nicht", betont er. "Aber er ist ein attraktives Gewässer und zieht viele Taucher an. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit von Unfällen." Deren häufigste Ursache kennt der Tauchprofi: "Ich habe in Sachsen seit 1998 acht Tauchunfälle untersucht - meist handelte es sich um unerfahrene Taucher, bei denen Selbstüberschätzung zum Verhängnis führte."

Diese Auffassung vertritt auch Tauchlehrer Reinhard Gräfe von der Tauchschule Delphin. "Wir weisen unsere Schüler immer auf elementare Sicherheitsregeln hin. Zu denen gehört, nie allein und als Anfänger nur mit erfahrenen Partnern zu tauchen." Beide Unfallopfer seien Anfänger mit wenigen Tauchgängen gewesen. Auch ihren Partnern mangelte es an Erfahrung.

Im Fall der jungen Potsdamerin, die als Mitglied einer vierköpfigen Tauchergruppe verloren ging und bei einer anschließenden Suchaktion ohne Lebenszeichen geborgen wurde, sieht Reinhard Gräfe noch ein anderes Problem. "Wir haben im See derzeit keine gute Sicht, in solchen Fällen sollten sich Taucher einer Gruppe per Sicherheitsleine mit ihren Partnern verbinden."

Untersuchungen zur plötzlich verschlechterten Wasserqualität, die nach Angaben von Sportlern vom Markranstädter Ufer auszugehen scheint, laufen derzeit. Mögliche Ursache: Beim Hochwasser drohte in der Stadt ein Regenrückhaltebecken überzulaufen. Das Wasser wurde darauf in den See geleitet.

Den ortsansässigen Tauchern mangelt es jedoch auch an Befugnissen, um mehr Sicherheit durchzusetzen. "Wer bei uns eine Tauchausrüstung leiht, muss seine Qualifikation nachweisen und erhält Hinweise zur Sicherheit. Das gilt auch für Gäste, die sich ordnungsgemäß anmelden", erläutert Tauchlehrer Gräfe. "Aber wenn jemand gegen elementare Regeln verstößt, müssen wir die Ordnungskräfte holen."

Lücken bei Wasserrettung

Dass in den meisten Unglücksfällen Delphin-Taucher bei Suche, Rettung und Bergung vor Ort sind, dürfe jedoch nicht über ein generelles Problem hinwegtäuschen, so Gräfe. "Natürlich sind wir zur Rettung ausgebildet, aber wir sind nur im Bereich unserer beiden Einstiegsstellen präsent. Im Hinblick auf die vielen Wassersportler und Badegäste am See klafft im Rettungsbereich eine Lücke." In der zu Ende gehenden Saison hatte der Zweckverband Erholungsgebiet Kulkwitzer See den Wasserrettungsdienst aus Geldmangel stark reduzieren müssen.

Außerdem fehlt es an Technik: Bei den jüngsten Unfällen mussten die Retter mit voller Ausrüstung bis zu 250 Meter weit schwimmen, um zur Unfallstelle zu gelangen.
Leipziger Volkszeitung - André Dreilich [21.09.2002]
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