Den ältesten Lausener zieht es regelmäßig an "seinen" See. So mancher Besucher des Kulkwitzer Sees erinnert sich noch an
die Jahre, als sich das Gewässer allmählich mit Wasser füllte. Darüber kann Walter Lippmann nur lächeln. Er kennt den
heutigen See aus eigenem Erleben noch als Wiese- bevor der Braunkohletagebau bei Lausen das unterste zu oberst kehrte.
"Ich bin im Mai 90 geworden", erzählt Walter Lippmann stolz. Die Jahre sieht man ihm kaum an: Jeden Tag geht er zum
Spazieren an den See. Solange es das Wetter zuließ, schwamm er ein paar Züge im Wasser.
Walter Lippmann ist nicht einfach ein Bewohner von Lausen, er ist ein Stück Ortsgeschichte. Nach seiner Schulzeit nahm er
die Lehre als Schuhmacher auf. Etwas später lernte er im Gasthof Lausen seine Lucie beim Tanz kennen. 1934 heirateten beide.
Als es ihn durch den Krieg nach Russland verschlug, floh er kurz vor dem Kriegsende. Er lief zu Fuß von Sibirien bis nach
Lausen, zu seiner Lucie.
Seitdem blieb Walther sesshaft in Lausen. Er kann sich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als rund um den Ort nur Felder
waren, er sah Grünau wachsen und den Tagebau Kulkwitz kommen und gehen. "Wir lebten früher sehr ruhig und romantisch hier",
erinnert er sich mit etwas Wehmut. Sicher auch deshalb, weil er seit drei Jahren ohne seine Lucie auskommen muss. Stolz ist
"Opa Walther" darauf, den Fußball nach Lausen gebracht zu haben. Zwar gab es "früher" schon einen Sportverein, aber eben
keinen Fußball. "Und genau der war doch meine Leidenschaft", beteuert Walther Lippmann. Kurz entschlossen gründete er
eine Mannschaft. Damals befand sich der Fußballplatz noch am Zschampert, nahe dem jetzigen Salzweg. Aufmerksam vermerkt
Walter Lippmann die Veränderungen, die das Gesicht des Dorfes Lausen seit der Wende erfuhr. Die LPG verödete. Hinter der
Bahnschranke entstanden die Neubauten von Neu - Lausen. Der Zug fährt seit einigen Jahren nicht mehr. "Leider", kommentiert
Walther Lippmann. Auf die Frage, ob es früher besser gewesen wäre, antwortete er nach kurzem Überlegen gelassen: "Es ist der
Lauf des Lebens, dass sich alles irgendwie verändert". Sicher, Lausen war in Felder und Wiesen idyllisch eingebettet. Das
gibt es heute nicht mehr. "Aber ich bin schon alt", meinte Walter Lippmann schulterzuckend. Und schließlich hätten sich
die Veränderungen allmählich vollzogen. Augenzwinkernd fügt er hinzu: "Außerdem bleiben die Alt-Lausener immer
Alt-Lausener. Daran ändert sich nichts".
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