Wellen des Kulkwitzer Sees "lecken" gefährlich an B87

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Pegel dramatisch angestiegen / Risse in der Böschung an der Nordseite

Das Umweltamt schlägt Alarm: Der Kulkwitzer See steigt dramatisch an, die Bundesstraße 87 zwischen Grünau und Markranstädt ist in absehbarer Zeit gefährdet. Das jedenfalls sagt Amtsleiter Christian Aegerter. Auch der Chef des Staatlichen Umweltfachamtes, Günter Kleinschmidt, fordert: Eine Stabilisierung der Böschung an der B 87 ist dringend geboten! Inzwischen untersuchen Experten, wie Wasser aus dem See in den Zschampert gepumpt werden kann. Noch im ersten Halbjahr 1995 muß damit begonnen werden, verlangt Aegerter.

Die Situation verschärft sich von Tag zu Tag am 32 Meter tiefen See. Seit der Wende ist der Wasserspiegel um mehr als zwei Meter angestiegen. "Anfangs hielten wir diese Entwicklung nicht für alarmierend", meint Uwe Dörling, der Geschäftsführer des Zweckverbandes "Kulkwitzer Erholungsgebiet". Der Anstieg des Grundwassers sei erwartet worden, nachdem für die meisten Braunkohletagebaue der Region das Aus kam- indes nicht in solchem beängstigendem Maße. Hinzu kam, daß die ehemalige LPG Leipzig-West in Konkurs ging. Sie allein hatte dem See in jedem Jahr mehr als 500 000 Kubikmeter Wasser zum Beregnen der Gemüsefelder entnommen. Auch das mittlerweile stillgelegte Wasserwerk in Göhrenz-Albersdorf bediente sich jahrelang in der Kulkwitzer Badeoase. "Insgesamt wurden aus dem See in jeder Saison etwa 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser gepumpt", so Eckart Rausch von der unteren Wasserbehörde. Und da das ehemalige Kulkwitzer Tagebauloch über keinerlei Abfluß verfügt, wird die Badewanne nun immer voller.

Zur Jahrhundertwende stand der Grundwasserspiegel bei 118 Meter über Meereshöhe, wie Rausch versicherte. Und mit diesem Pegel müsse 1997 wieder gerechnet werden. Das hieße, in den nächsten 3 Jahren einen Anstieg des Sees um mehr als drei Meter. Da wäre nicht nur der gesamte Badestrand vernichtet, auch die Isolierwannen der nahen Grünauer Häuser stünden auf Dauer unter Wasser, malt Uwe Dörling den Teufel an die Wand. "Das wird nicht geschehen", ist Christian Aegerter überzeugt. Sein Amt hat ab 1. Januar erhebliches Mitspracherecht am See, da zu diesem Zeitpunkt Lausen in Leipzig eingemeindet wird. Zunehmend prekärer entwickelt sich die Situation für die B 87 an der Nordseite des Sees". Die schmalste Stelle zwischen Straße und Ufer beträgt nur noch 17 Meter", sagt Dörling. An der Böschung brechen großflächig die Wände ab, da die Wellen mit Wucht gegen die Böschung schlagen. "Die Erosion ist gewaltig", warnt der Chef des Zweckverbandes vor den Folgen. "Es verlaufen bereits Risse in Richtung Straße, aus denen der Kies rieselt, wenn dicke Brummer vorbei fahren".

Mit 114,84 Meter über Meereshöhe hat der See in dieser Woche seinen bisher höchsten Wasserstand erreicht. Im Frühjahr soll mit dem Abpumpen in den Zschampert begonnen werden. "Wenigstens 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser müssen raus, und dann muß der erreichte Pegelstand gehalten werden", so Aegerter. Bei Lausen wäre der Weg zum Zschampert am kürzesten, doch der Fluß ist zwischen Lausen und Miltitz "undicht", wie Dörling erklärt. Da würde ein Großteil des Wassers in den See zurücksickern. So spreche vieles für ein Leitungssystem unter der B87 hindurch zum Zschampert. Auch eine Variante mit einem Windkraftwerk werde untersucht, mit dem das Wasser in den Zschampert gelangen soll. Doch jetzt müsse erst einmal Sturm gemacht werden, damit alle den Ernst der Lage erkennen.
Leipziger Volkszeitung - Günther Gießler [18.12.1994]
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