Pleite: Wasserrutsche wird verkauft

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Besitzer hat sich verkalkuliert/ Spanier wollen die Anlage vom Kulkwitzer See ans Mittelmeer holen

Die Wasserrutsche am Kulkwitzer See ist in Gefahr. Der Betreiber hat sich verkalkuliert. Bank und Verpächter drängen auf ihr Geld. Inzwischen wurde das Objekt neu ausgeschrieben. Interessenten soll es auch in Spanien geben.

In diesen heißen Tagen hat Uwe Polland, Besitzer der Wasserrutsche am Kulkwitzer See, Besuch bekommen. Aber nicht nur die langersehnten, Geldbringenden in Badehose und Bikini, sondern auch langbefürchteten, geldfordernden in Schlips und Kragen - zwei Herren von der Bank. Deren Sprecher: "Herr Polland ist bankrott, seine Rutsche rechnet sich nicht, von der Rückzahlung unseres 600 000 Mark Kredits haben wir noch keine müde Mark gesehen".

Dabei gings mit der Rutsche des gelernten Autoschlossers nicht immer abwärts: " Bei einem Badeurlaub in Ungarn habe ich so eine ähnliche Wasserrutsche erlebt und war sofort begeistert, wollte so etwas unbedingt auch in Leipzig aufbauen, rannte ein Jahr lang von Behörde zu Behörde und von Bank zu Bank, bis ich mit dem Zweckverband Erholungsgebiet Kulkwitzer See einen Pachtvertrag über zehn Jahre abschloß und auch mit der Bank einig wurde."

Doch heute wird immer klarer: Uwe Polland hat die Gewinne viel zu hoch kalkuliert. "Das Wetteramt prognostizierte mir jährlich 100 Sonnentage, was einen Gewinn von 400 000 Mark bedeutet hätte". Doch Petrus machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Badegäste blieben fast völlig aus und so flossen nur 32000 Mark in die Kasse, minus 27000 Mark Nebenkosten. Damit konnte er nur sich und seine beiden Mitarbeiter über Wasser halten, das Geld für Pacht und Strom fehlte jedoch. Der Zweckverband des Erholungsgebietes reagierte mit einer schriftlichen Mahnung. Uwe Polland: "Die längste Rutsche in Ostdeutschland ist mein Lebenswerk und sie ist Attraktion für Leipzig". Umso mehr ärgert ihn, daß ihm das Regierungspräsidium jegliche finanzielle Förderung versagte und auch Uwe Dörling vom Zweckverband sein Versprechen nicht wahrmachte, über einen neuen Pachtpreis zu reden. Von einem solchen Versprechen weiß dieser nichts. Uwe Dörling: "Ich kenne bis heute seine tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben nicht. Und was das Regierungspräsidium betrifft, so gibt es seit vorigem Jahr eine gesetzliche Kann-Bestimmung, solche Projekte in Erholungsgebieten zu fördern, allerdings nur vor Baubeginn und nicht nachträglich, so wie Herr Polland möchte". Außerdem bezweifelt der Verband die Standfestigkeit der Rutsche, nachdem der Wasserspiegel 80 Zentimeter gestiegen ist und beauftragte das Bauamt mit der Prüfung.

Trotz Geldnot ging Polland mit den Preisen runter - von einer Mark auf 50 Pfennige für einmal rutschen. Gewinn verspricht er sich sowieso nur noch aus seinem Nebenbei-Verkauf von Eis und Getränken. "Der Verkauf ist bei uns bis heute nicht ordnungsgemäß angemeldet", läßt der Zweckverband wissen und bereitet derweil die Auflösung des Pachtvertrages vor. Die Bank hat das Objekt neu ausgeschrieben. Uwe Polland befürchtet nun, daß die Rutsche vielleicht irgendwann nicht mehr in Leipzig stehen wird. Er weiß, daß eine spanische Firma großes Interesse an der Anlage hat, sie lieber heute als morgen abbauen und am Mittelmeer aufbauen würde, dort, wo die Sonne garantiert mehr als 100 Tage im Jahr scheint.
Leipziger Volkszeitung - Haig Latchinian [26.06.1994]
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