In 10 Meter Tiefe leuchtet ein Tannenbaum

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Der Kulkwitzer See ist zu jeder Jahreszeit ein Paradies für Erholungssuchende zu Wasser und zu Lande / 40 Taucher tummeln sich in Neptuns Reich

Kein Datum scheint ungeeignet, kein Wetter ungünstig, keine Temperatur unpassend und keine Uhrzeit ungelegen zu sein, um dem Kulkwitzer See einen Besuch abzustatten. Seit über einem Jahrzehnt erfreuen sich an den Ufern des Kleinodes alljährlich zehntausende Gäste aus Nah und Fern. Am Sonnabend kamen die Leute von der Tauchschule "Delphin" bereits in aller Frühe und präparierten den See für ihr Weihnachtstauchen.

Irgendwo auf dem Grund des mehr als 30 Meter tiefen und 150 Hektar großen Gewässers leuchtete das fest verankerte Weihnachtsbäumchen still vor sich hin. 20 Taucherpärchen aus Leipzig und Bamberg, Zwickau und von anderswo waren gekommen, um der Leipziger Tauchschule den Vorweihnachtsboten "abzutauchen". Die lediglich 6 Grad, die das Thermometer im Wasser anzeigte, störten dabei weder Froschmänner noch Froschfrauen. Die Luft für einen gut halbstündigen Tauchgang auf dem Buckel, stiegen die Sportler hinab in Neptuns Reich. "Die Sicht im Kulkwitzer See ist super", lobten die Chefsekretärin Susanne Boser und der Vermessungstechniker Thomas Sprigode, die mit ihren Freunden aus Zwickau angereist waren. Sie tauchten zwar ohne den angeputzten Baum wieder auf, waren aber trotzdem nicht traurig. "Hier ist jeder Tauchgang ein Erlebnis. Der See hat viel saftiges Grün und eine Menge Fische".

Stefan Piesker, Tauchlehrerassistent und Sportstudent aus Frankfurt, war auch zufrieden. "Schön, daß wieder so viele gekommen sind", meinte er. In den drei Jahren, die diese Schule jetzt besteht, hätten hier immerhin schon an die 300 Frauen und Männer das Einmaleins dieses Wassersports erlernt. Dieser See sei das schönste betauchbare Gewässer Deutschlands, verrät Piesker ,was Taucher aus der ganzen Bundesrepublik nach Kulkwitz zieht. "Riesige Hechte, Karpfen und Aale gibt es hier. Und nachts, wenn sie aus dem Kraut kommen, das reizt viele." Derweil er so im Schwärmen war, reckten die Schwäne auf dem See neugierig ihre langen Hälse: Nicht Neptun, nein, Joachim Weiß war da aufgetaucht und zeigte stolz sine Trophäe: Den leuchtenden Weihnachtbaum. Um ein Haar hätte der Leipziger sein Ziel verpaßt, denn als er in 10 Metern Tiefe nur noch 6 Meter von sich entfernt das Bäumchen zum Greifen nah sah, wurde ihm langsam die Luft knapp.

Kürzlich die Winterbader, jetzt die Taucher, und am zweiten Feiertag abermals ein Weihnachtstauchgang mit der anderen Leipziger Tauchschule - langweilig ist es am Kulkwitzer See offenbar nie.

Rund 30 000 Übernachtungen zählte der Zweckverband Erholungsgebiet Kulkwitzer See übrigens im zurückliegenden Sommer. Ein Drittel davon wurde auf den beiden Campingplätzen registriert, und das, obwohl der letzte Sommer nicht gerade ein heißer war. Maximale Wassertemperaturen um 23 Grad hielten die Badegäste zwar nicht ab, führten aber auch nicht zu Rekordbesucherzahlen. "An heißen Wochenenden schätzten wir 12000, bei normalen Wetter zwischen 5000 und 6000 Besucher", sagte Reinhard Ihle vom Zweckverband.

Die elf Mitarbeiter des Erholungsgebietes und eine Reihe ABM-Kräfte bemühten sich redlich, das 450 Hektar große Gelände in Schuß zu halten. Sie renovierten die Finnhütten und Bungalows, erneuerten Sitzgruppen, Grills und Fahrradständer. Für das kommende Jahr haben sie sich vorgenommen, das Sanitärgebäude am Miltitzer Strand wieder freizugeben. Im Veranstaltungskalender sollen neben den traditionellen Sportveranstaltungen auch wieder so viele Kulturangebote wie in Vor-Wende-Zeiten einen Platz bekommen.
Leipziger Volkszeitung - Cornelia Lachmann [20.12.1993]
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