Historisches: Die Geschichte des Sees - Teil 2
Der See war zunächst starken Belastungen ausgesetzt: Die Markranstädter Zuckerfabrik entnahm Wasser und
auch Abwasser gelangte auf der Markranstädter Seite hinein. Noch gefährlicher waren aber ausgewaschene
Düngemittel von den Feldern.
1973 wurde dann der See als Naherholungsgebiet eröffnet. Seine Wahrzeichen sind die alte "Frieda", ein
alter Lastkahn, der zur Gaststätte umgebaut wurde und ein kleiner, in unmittelbarer Nähe stehender
Leuchtturm. Weitere Anlagen kamen dazu. Als 1975 begonnen wurde, Grünau zu bauen, nahm mit den neuen
Nachbarn auch der Badebetrieb weiter zu. Im gleichen Zug wurde es am Elster-Saale-Kanal, dem alten
Badeeldorado, immer ruhiger. In den 80er Jahren erreichte der Badebetrieb am Kulkwitzer See seinen
Höhepunkt: Über 300.000 Menschen suchten dann manchmal an seinen Ufern an heißen Sommertagen Abkühlung
und Entspannung. Ausbau zum Naherholungsgebiet und Massenbetrieb blieben für Wasserqualität und die
Natur nicht ohne Folgen. Seltenere Tier- und Pflanzenarten, die sich zunächst angesiedelt hatten,
verschwanden wieder. Da trotz aller Appelle viele Badegäste ins Wasser urinierten und sich beim Baden
teilweise auch ihrer festen Stoffwechselendprodukten entledigten und einige dies wohl immer noch tun,
erhält der See einen ständigen Nährstoffstrom. Dazu kommen alle möglichen, beim Baden abgewaschenen
Sonnenschutz- und Hautpflegemittel. Aus der Luft mit dem Regen eingewaschene Stickstoffverbindungen
(Hauptquelle sind der motorisierte Verkehr und die Landwirtschaft) und mit dem Grundwasser zufließende
Düngemittel versorgen die Algen mit weiterer Nahrung. Im Spätsommer sieht man diese Algenmastkur dem
See auch an. Die Algen sterben im Herbst ab, sinken in die Tiefe und entziehen dem Tiefenwasser
Sauerstoff, wenn sie von Bakterien zersetzt werden. Im Sommer ist das Wasser stabil geschichtet:
Das warme Oberflächenwasser schwimmt auf kaltem Tiefenwasser und gelangt nicht nach unten. Dazu ist
der See zu tief. Erst wenn im Frühjahr und Herbst Oberflächen- und Tiefenwasser überall etwa 4°C haben,
können Stürme den See richtig umwälzen und Sauerstoff gelangt wieder in die Tiefe. Der muss dann bis
zum Herbst reichen. Leider gelangen dabei auch die im Sommer in der Tiefe abgelagerten Nährstoffe
wieder nach oben. Geht der Sauerstoff im Sommer zur Neige, setzen im Tiefenwasser Fäulnisprozesse
ein. Der dabei entstehende Schwefelwasserstoff verursacht nicht nur den typischen Geruch faulen
Wassers, sondern er tötet auch die meisten Tiere und Pflanzen ab. In den 90er Jahren kam diese Schicht
toten Wassers manchmal bis 10m an die Oberfläche heran. Die Badenden merken von all dem nichts, nur
die Algen sollten warnen: So geht es nicht ewig weiter.
In den 70er und 80er Jahren haben sich am See zahlreiche Vereine angesiedelt: Z.B. Angler, Segler,
Winterschwimmer, Taucher, Windsurfer, Wakeboarder. Auch der Grünauer KOMM e.V. engagiert sich seit
Jahren dafür, die Naherholungsmöglichkeiten am See zu verbessern und Natur und Wasserqualität zu
erhalten. Um die kommunalen Aktivitäten und Pflichten im Naherholungsgebiet besser zu koordinieren,
wurde Anfang der 90er Jahre ein Zweckverband von den Anliegerkommunen gegründet. Inzwischen sind durch
Eingemeindungen nur noch Markranstädt und Leipzig übrig.
Inzwischen ist der See auf eine Fläche von 150 ha angewachsen. Er ist damit einer der kleineren
Tagebauseen. Der Cospudener See ist annähernd 3 mal so groß und der Zwenkauer See wird mit knapp
1000 ha sogar reichlich die sechsfache Wasserfläche erreichen. Das Wasser steigt noch immer und
bedroht die Halbinsel mit dem Dauercampingplatz auf der Ostseite. Vorläufig wird es abgepumpt, wenn
es zu hoch hinaus will. Damit wird zugleich ein anderer Bergbauschaden repariert. Der von Göhrenz
kommende und sich an der Ostseite entlangziehende Bach Zschampert erhält so wenigstens zeitweise
wieder Wasser. Seine Quelle wurde vor über 100 Jahren vom Bergbau zerstört. Später wurde er vom
Kraftwerk Kulkwitz mit Wasser versorgt. Dazu kamen ungeklärte Abwässer aus Göhrenz, Lausen und später
auch Grünau. Nach dem Ende des Kraftwerkes lag der Bach dann Mitte der 90er Jahre völlig trocken. In
Zukunft soll er mit einer Freispiegelleitung aus dem See versorgt werden. Dazu soll eine Rohrleitung
Tiefenwasser aufnehmen und als künstliche Quelle in Miltitz in den Zschampert einleiten. Am See ist
das nicht möglich, da dort das Bachbett etwas höher liegt als der Wasserspiegel des Sees.
Der Cospudener See hat dem Kulkwitzer See Entlastung gebracht. Auch in der Landwirtschaft wird etwas
verantwortungsbewusster mit Düngemitteln umgegangen. Einige wilde Strände, an denen es keine Toiletten
gab, sind verschwunden. Das alles hat dazu beigetragen, dass der Druck auf den See nachgelassen hat.
In den nächsten Jahren wird es durch das wachsende Durchschnittsalter der Grünauer und die wachsende
Zahl der Bademöglichkeiten an anderen Seen zu einer weiteren Entlastung kommen. Es besteht damit die
Chance, dass die Zahl der Badegäste ohne unpopuläre Maßnahmen so weit zurückgeht, dass der See mit
den wohl unvermeidlichen Verschmutzungen allein fertig wird und das Wasser die gute Qualität, die
es trotz aller Belastungen dank seiner Tiefe immer noch hat, noch Jahrhunderte behält. Unterstützt
werden könnte das, wenn die Ausbreitung von Schilfgürteln gefördert würde. Schilf entzieht dem Wasser
Nährstoffe, reinigt es und bietet vor allem Wasservögeln Nistmöglichkeiten. Eingestellt werden sollte
das Füttern der Vögel: Was die fressen, verlässt sie schließlich wieder. An den Futterplätzen ist der
Boden im Wasser kräftig zugeschissen, teilweise wird dort trotzdem gebadet...
Nicht gut für den See ist auch der Dauercampingplatz. Der Weg zum See durch den Boden ist zu kurz,
so dass verschmutztes Wasser, auch Spuren von Kraftstoffen und Öl nicht ausreichend vom Boden
abgefiltert werden können, bevor sie den See erreichen werden. Der Campingplatz auf der Halbinsel
sollte daher mittelfristig geschlossen werden. Es gibt etwas weiter vom Wasser entfernt ausreichend
geeignete Plätze, auf denen Camper die Wasserqualität im See nicht beeinträchtigen.
Spätestens hier wird deutlich, dass es einen Konflikt gibt zwischen den kurzfristigen Interessen
der Geschäftsleute, die am See aktiv sind und dem Erhalt der Wasserqualität. Sehr viele Gäste sind
gut fürs Geschäft, aber nicht für das Wasser. Bis etwa Mitte der 90er Jahre haben die Einnahmen
aus dem Freizeitgeschäft am See die Ausgaben für laufende Pflege, Abfallbeseitigung und Reparaturen
gedeckt. Durch die rücklaufenden Besucherzahlen muss die Stadt seitdem in wachsendem Umfang zuzahlen.
Außerdem werden die Möglichkeiten eingeschränkt, einen Teil der Arbeiten kostengünstig von
ABM-Kräften erledigen zu lassen. Der daraus resultierende Kostendruck war wohl auch der Hauptgrund,
dass der Zweckverband, dessen Mitglieder die beiden Anliegerkommunen Leipzig und Markranstädt sind,
die Bewirtschaftung des Sees auf ein privates Unternehmen übertragen hat, das schon den Cospudener
See bewirtschaftet.
Das versucht nun, durch neue Attraktionen und besseres Marketing wieder mehr zahlungskräftige Gäste
an den See zu bekommen.
Und genau hier gibt es einen Interessenkonflikt.
Denn vorrangig wollen die Anwohner am See spazieren gehen oder baden, die Natur genießen, den See
uneingeschränkt für ihre Freizeitgestaltung nutzen können, ohne über finanzielle Konsequenzen
nachdenken zu müssen. Es wird also auch an den Grünauer und Markranstädter Bürgern hängen, den
See mit seiner guten Wasserqualität vorwiegend als ihr Naherholungsgebiet zu erhalten, und nicht
nur für den Moment, sondern auch noch für viele weitere Generationen.
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Vom Kohlebergbau zum Naherholungsgebiet,
Wie Sie den See erreichen
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