Der Kulkwitzer See wird allein durch Grundwasser gespeist. Im Moment steigen überall in Grünau und Umgebung die
Grundwasserspiegel an. Sie werden in Zukunft, wenn die Bergbauseen um Leipzig saniert und geflutet sind,
wahrscheinlich wieder die Höhe vor dem Beginn des Bergbaus erreichen. Für den Kulkwitzer See würde das bedeuten,
dass der Wasserspiegel noch einmal kräftig stiege, in nassen Jahren bis ca. 2 m unter den Rand. Allerdings sind
die Prognosen ziemlich ungenau: Gehen durch den Klimawandel die Niederschläge im Sommer im Raum Leipzig zurück,
dürfte es weniger werden. Andererseits sind durch Tiefbaumaßnahmen und besonders den Kiesabbau in Schönau einige
Grundwasserleiter zerstört und blockiert. Das dürfte zu einem Rückstau und damit zu steigendem Grundwasser führen.
Wie dem auch sei: am See würde die Campinghalbinsel und wahrscheinlich auch die Ferienhäuser überflutet, ließe
man dem steigenden Grundwasser freien Lauf. Daher ist in den letzten Jahren regelmäßig Wasser in den Zschampert
abgepumpt worden. Um die damit verbundenen Kosten künftig zu vermeiden, wurde diese Freispiegelleitung gebaut.
Sie mündet etwa 200 m nördlich der Lützner Straße in den Zschampert. Näher am See wäre eine Einmündung nicht
möglich, da dort der Zschampert zu hoch liegt. Steigt das Wasser im See nun höher als die Einmündung in den
Zschampert, fließt das Wasser automatisch ab bis die angestrebte Sollhöhe von 114,5 m über dem Meeresspiegel
erreicht hat. Die Öffnung im See liegt 30 cm tiefer. Es wird also Oberflächenwasser abgeleitet. Auf die auch
diskutierte Variante, die Einmündung im See tiefer zu legen, um damit sauerstoffarmes Tiefenwasser abzuleiten
wurde verzichtet, um Kosten zu sparen. Die Kosten für diese Leitung hat im Wesentlichen die mit der Sanierung
der Bergbauschäden beauftragte LMBV getragen. Nach dem Einigungsvertrag hätte die LMBV eigentlich alle Bergbauschäden
sanieren müssen. Das heißt vor allem, den Zschampert vollständig sanieren und mit Wasser versorgen. Die Quelle
des Zschampert lag bei Knautnaundorf und versiegte durch die bergbaubedingte Grundwasserabsenkung. Daraufhin
wurde der Zschampert seit Anfang des 20. Jahrhunderts durch Kühlwasser aus dem Kraftwerk Kulkwitz versorgt.
Seit dessen Stilllegung gibt es keine kontinuierliche Wasserversorgung mehr. Der Wiederanstieg des Grundwassers
auf die ursprüngliche Höhe ist dagegen kein Bergschaden. Die Stadt Leipzig hatte es aber Anfang der 90er Jahre
versäumt, ihre Ansprüche an die Sanierung der Bergschäden rechtzeitig anzumelden. In Folge kam es zu dem jetzt
verwirklichten Kompromiss. Auch die Umsetzung hat lange gedauert, ursprünglich sollte die Leitung schon 2000
fertig sein.
Parallel zum Bau der Freispiegelleitung wurden am Miltitzer Auenweg die Brücke über den Zschampert und das
Bachbett saniert. Seit Anfang April ist alles fertig und die Leitung geöffnet. Das Wasser floss aber bedingt
durch die lange Trockenheit nur einige Tage kräftig genug um den Zufluss an der chemischen Fabrik in Miltitz
zu erreichen. Dort wird gereinigtes Abwasser kontinuierlich in den Bach geleitet, so dass eine stabile
Wasserversorgung auch bei Trockenheit gewährleistet ist. Im Moment hat der Abschnitt des Zschampert zwischen
dem Auenweg und der chemischen Fabrik bei Trockenheit kein Wasser. Durch das weiter steigende Grundwasser
werden aber diese trocknen Phasen immer kürzer werden. Der Zschampert ist Wanderweg für Tiere vom Auwald zum
Kulkwitzer See und zu den Kulkwitzer Lachen sehr wichtig. An ihm entlang können Tiere ohne die Gifte der
Felder und ohne unter Autorädern zu enden einigermaßen sicher den See erreichen. Auf diese Art sind in den
letzten Jahren zum Beispiel bereits Laubfrösche vom nördlichen Auwald über den See bis an die Kulkwitzer
Lachen gewandert.
Der Teil des Zschampert von Göhrenz bis zur Einmündung der Freispielleitung wird dagegen nur durch Regenwasser
und aus Rückhaltebecken versorgt. Um zu vermeiden, dass das wenige Wasser versickert, wurde der Zschampert
entlang des Sees mit Ton abgedichtet. Bei Trockenheit steht nun dort das Wasser und verwandelt sich in dicke,
stinkende Brühe. Wenn es länger nicht regnet, trocknet er in diesem Bereich ganz aus. Für Vandalen und
verantwortungslose Zeitgenossen ist das leider geradezu eine Einladung, sich dort ihrer Abfälle zu entledigen.
Zur Aufwertung des Naherholungsgebietes, aber auch für den Schutz der Natur ist es wichtig, auch von Göhrenz
bis Miltitz die Wasserversorgung des Baches zu verbessern. Angesichts der leergefegten Leipziger Kassen wird
dazu noch viel Engagement der Anwohner und der anderen Besucher des Sees nötig sein.
Weitere Informationen zu diesem Thema:
• Magazin Grün-AS, Ausgabe 06/2007: Der Kulkwitzer See hat seit Anfang April 2007 einen Abfluss, Artikel von Dr. Leonhard Kasek
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