Das neueste Projekt des Tauchsportvereins Delphin kann man getrost als solchen bezeichnen, denn die derzeit
im Bau befindliche Taucherplattform ist nicht nur preislich sondern auch konzeptionell eine kleine Sensation
und darum der Porsche unter den Plattformen. Mittlerweile gibt es ja schon einiges zu bestaunen im
Unterwasserpark des Kulkwitzer Sees: Beispielsweise die versenkte Barkasse, das Flugzeug in 20 Meter Tiefe,
Loren aus dem Tagebau und natürlich auch diverse Beschilderungen. All dies zieht Jahr für Jahr hunderte
Taucher aus ganz Europa an einen der klarsten Seen Deutschlands.
Das Projekt Unterwassertauchausbildungsplattform entstand aus der Not, dass in Leipzig immer weniger
Schwimmhallenzeiten für die Tauchausbildung und Sicherheitstrainings zur Verfügung stehen. Auch für
die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen des Vereins musste eine Lösung gefunden werden. Kleinere,
schon bestehende Plattformen konnten dem Ansturm der Taucher nicht mehr genügen. Was tun? Eine neue
Plattform muss sich dem Seeprofil anpassen und über mehrere Stufen die Gewöhnung an die Tiefe ermöglichen.
In langen Winterstunden bastelte André Starke ein Modell aus Streichhölzern, das die Grundlage für die
späteren professionellen Planungen der Gerüstbauer und des Ingenieurbüros Krüger bildete. Die Umsetzung
allerdings erschien recht unwahrscheinlich: Finanziell konnte der Verein das Projekt unmöglich allein
realisieren, wenn auch der Enthusiasmus zum Mittun von Anfang an riesig war. Torsten Fischer, Taucher
und Mitarbeiter vom Gerüstproduzenten Layher, stand dem Verein mit Fachwissen und Kontakten zur Seite,
und engagierte sich zudem beim Gewinnen zusätzlicher Spendenmittel.
8,5 Tonnen Stahl und 24 Tonnen Beton sollen in allein zweitausend Tauchstunden - die Vorbereitungsarbeiten
sind noch gar nicht berücksichtigt - verbaut werden und das in kürzester Zeit. Bereits im Herbst dieses
Jahres soll alles fertig sein. Bevor jedoch begonnen werden konnte, musste einiges getan werden. Ein
Konzept wurde erstellt, Genehmigungen vom Umweltamt, der Bergbaubehörde, der Leipzig Seen GmbH eingeholt
und Anträge auf Förderung bei der Stadt Leipzig und beim Land Sachsen gestellt, um das Projekt überhaupt
realisieren zu können.
Letzteres sollte den Tauchenthusiasten einen Teil der Kosten aus der Sportförderung für die
Riesentauchplattform sichern. Oftmals stand der Vorstand des Vereins, Dr. Petra Pfrepper, kurz vorm
Aufgeben. Nachdem die Stadt Leipzig sich nicht an dem Projekt beteiligt hatte, fand der Verein trotzdem
sach- und fachkundigen Rat und Unterstützung beim Landessportbund, Herrn Bär, und beim
Regierungspräsidium/Sportförderung, Herrn Textor. Der Kampf durch den Förderdschungel hat sich letztlich
gelohnt. Freudig nahmen die Tauchsportfreunde um Reinhard Gräfe den Förderbescheid entgegen.
Somit konnte es schon im Januar losgehen. Unterstützung kam wie schon so oft von den
DLRG-Rettungstauchern Leipzig und der Tauchergruppe des Pionierbataillons 701 der Bundeswehr aus Gera.
Derart personell und technisch gestärkt konnten die Delphine André Starke, Lutz Drößler, Thomas Gressler,
Marko Schnabel und Christian Neundorf nun loslegen: Die wichtigste Grundlage wurde durch die Sondierung
des Baugrundes und die Vermessungsarbeiten geschaffen, danach konnte mit der Absenkung der Betonteile
mittels eines schwimmenden Pontons (gesponsert von der Wasserskianlage) mit Kettenzug begonnen werden.
Hierbei ist größte Vorsicht geboten, denn die Fundament Betonringe, befüllt mit Steinen und verfüllt
mit Beton - wiegen am Ende knapp zwei Tonnen.
Hinzu kommt, dass das Arbeiten in 20 Meter Tiefe bei nur vier Grad Wassertemperatur nicht mit normalem
Sportauchen zu vergleichen ist. Denn man verbraucht mehr Luft als gewöhnlich und auch der Körper muss
sich erst an die Anstrengung der einstündigen Tauchgänge gewöhnen. Zur Sicherheit ist natürlich immer
eine Flasche voll Pressluft mit einem Ersatzregler vor Ort und es wird sich auch nicht unter zu
transportierendem Material aufgehalten, um Unfälle zu vermeiden. Wenn das Fundament steht, soll die
erste Gerüstebene montiert und in Waage ausgerichtet werden, um dann mit dem weiteren Aufbau der 20
Meter hohen Plattform fortzufahren.
Doch die Delphine sind nicht nur bestrebt, sich ein neues Anwesen im Kulki zu schaffen. Darüber
hinaus hat das Projekt auch einen ökologischen Anspruch. Zum einen siedeln sich unter den Teilen
Fische und Süßwasserschwämme an, welche man sonst selten zu Gesicht bekommt. Der wohl wichtigste
Aspekt aber ist, dass die Taucher bei ihrer Ausbildung keine Sedimente vom Grund aufwühlen. Das
schützt die Pflanzen vor Ablagerungen und ermöglicht über die Photosynthese die Produktion von
Sauerstoff und sichert damit nachhaltig die Wasserqualität des Sees. Die gesamte Aufbauphase wird
obendrein von der Foto- und Videogruppe der Taucher dokumentiert.
Wer noch die Chance ergreifen möchte, an der Entstehung eines einzigartigen Projektes mitzuwirken - ob
über oder unter Wasser oder mit finanzieller Unterstützung - kann sich gern an der Basis der "Delphine"
am Lausener Strand melden. Nach der Eröffnung kann man nach Anmeldung an der Station E III am
Campingplatz neben Porsche fahren auch die weiteren Highlights des Unterwasserparks besuchen - und
natürlich gespannt sein, was sich die verrückten Taucher um Reini noch alles einfallen lassen, um
den See immer attraktiver zu gestalten.
Der Tauchclub "Delphin" dankt nachstehend genannten für Ihre Unterstützung:
- dem Sport- und Bäderamt Frau Neugebauer, Frau Jochmann
- dem Landessportbund Sachsen, Herrn Bär
- dem Regierungspräsidium Leipzig, Herrn Textor
- dem Umweltamt Leipzig, Untere Wasserbehörde
- der DLRG Leipzig, Rettungstaucher
- der Tauchergruppe des Pionierbataillon 701 Gera der Bundeswehr
- dem Betonwerk HABABeton Groß
- dem Metallbaubetrieb Volker Heidtmann
- der Metallveredlung Lorenz Ingenieurbüro Michael B. Krüger
- FCB Fachbüro für Consulting und Bodenmechanik GmbH Espenhain, Herr Dyck
- Colditzer Bau Service
- Torsten Fischer; André Starke; Lutz Drößler, Thomas Gressler, Christian Neundorf, Marco Schnabel, Henri Lange, Stefan Konicki und Petra Pfrepper sowie allen nicht genannten freiwilligen Helfern
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