Kiesabbau in Schönau

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Die Firma Papenburg AG hat den Antrag gestellt, den Kiesabbau an den Schönauer Lachen fortzusetzen. Betroffen wäre ein Gebiet, das sich in Ost-West-Richtung vom jetzigen Kiessee bis zur Kleingartenanlage und an der Lyoner Straße etwa bis zur Kiewer Straße erstreckt. In Nord-Süd-Richtung geht das Gebiet von der Bahnlinie bis etwa 150 m an die Lyoner Straße heran. Der Kiesabbau würde sich bis etwa 2035 hinziehen, mit Verfüllen des Restloches bis 2040.
Bisher hat der Kiesabbau die Grünauer kaum gestört. Was würde sich durch die Erweiterung ändern?
  1. Das Erweiterungsgebiet ist ein wichtiges Naherholungsgebiet vor allem für die Schönauer, die Bewohner des WK 7 und die Miltitzer. Es sollte nicht zuletzt daher von der Stadt unter Landschaftsschutz gestellt werden. Da Grünau der am dichtesten bewohnte Stadtteil ist, werden solche Naherholungsgebiete dringend gebraucht. Durch den Kiesabbau würde das Gebiet bis 2040 für die Naherholung verloren sein.

  2. Das neue Kiesloch soll mit lehmiger Erde verfüllt werden. Im Gegensatz zu Kies ist Lehm sehr schlecht wasserdurchlässig. Das führt zum Rückstau des Grundwassers mit der Folge, dass das Grundwasser in der Umgebung teilweise um bis zu 2 m steigt. In Schönau und in Miltitz würde dann ab etwa 2010 das Grundwasser in nassen Jahren bis zu 1 m unter die Erdoberfläche ansteigen. Die Keller in diesem Gebiet würden im Wasser stehen, Gärten teilweise versumpfen. Diese Versumpfung würde auch einige Handwerker in Miltitz und die beiden Chemiewerke betreffen. Dort wären dann Arbeitsplätze bedroht. Wenn die Chemiewerke als Folge zu hohen Grundwasserstandes woanders hinziehen müssten, würde Miltitz über 200 Arbeitsplätze verlieren. Beim Kiesabbau sind 6 beschäftigt.

  3. Solche nährstoffarme Wiesen wie im Gebiet des geplanten Kiesabbaues sind in unserer intensiv genutzten Landschaft sehr selten geworden. Arten, die auf solchen Wiesen leben sind daher in Deutschland vom Aussterben bedroht. Auf dieser Wiese brüten mindestens 6 existenzbedrohte Arten wie z.B. das Braunkehlchen regelmäßig, in manchen Jahren wie z.B. 2004 sind sogar schon Wachtelkönige im Gebiet gesehen worden. Auch die seltene, streng geschützte Wechselkröte lebt auf dieser Wiese. Der Kiesabbau würde dafür sorgen, dass diesen Arten in Schönau die Existenzgrundlage entzogen werden. Die verbleibenden Restflächen reichen nicht aus, damit sich für die inzuchtfreie Fortpflanzung genügend Tiere im Gebiet halten können. Direkt am vorhandenen Kiessee würde ein kleines Schutzgebiet am Ufer zerstört und das Flächennaturdenkmal an den Schönauer Lachen würde in seiner Schutzwirkung beeinträchtigt, weil der Lebensraum für die dort lebenden Tiere spürbar verkleinert wird. Außerdem können jetzt naturinteressierte Bürger beim Spazierengehen geschützte Tiere und Pflanzen vor der eigenen Haustür erleben. Mit der Erweiterung des Kiesabbaugebietes wäre das vorbei.

  4. Der Verkehr zum Abtransport des Kieses würde zwar insgesamt nicht zunehmen, aber viel dichter als bisher an Grünau heranrücken. Das beträfe vor allem die Lyoner Straße, die Saturnstraße und die Burghausener Straße. Vor allem auf der sehr engen und schlechten Burghausener Straße würde das zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führen und die Lärmbelastung in den angrenzenden Teilen des WK 7 könnte in Spitzenzeiten um bis 30 Dezibel steigen (das wäre eine Steigerung von der Lautstärke eines normalen Gespräches auf einen anfahrenden Tatrastraßenbahnwagen).

  5. Dazu kämen vor allem bei Trockenheit und Wind aus nördlichen Richtungen Staubbelastungen in Schönau und im WK 7.
Aus diesen Gründen lehnt der Naturschutzbund den Kiesabbau in diesem Gebiet ab. Der Markt ist mit Sand und Kies übersättigt. Es gibt also keinen Bedarf, das Abbaugebiet zu Lasten der Grünauer und Miltitzer zu erweitern. Im KOMM-Haus liegt eine Zusammenfassung der Gutachten zu den Auswirkungen des Kiesabbaues aus, die die Firma Ihren Antrag auf Kiesabbau beigefügt hat. Diese Zusammenfassung, ca. 35 Seiten, bietet eine gute Information über die Folgen, obwohl vor allem die Folgerungen der Gutachter im Interesse des Auftraggebers, der Firma Papenburg, abgefasst sind und einige der schwersten Probleme einfach verschwiegen worden sind, z.B. das von der Versumpfung Wohngebiete betroffen sind. Voraussichtlich wird dazu im Herbst ein Planfeststellungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung eröffnet. Zum entsprechenden Zeitpunkt werden wir Sie über zuständige Ansprechpartner informieren. Ähnlich wie beim Bebauungsplanentwurf Kulkwitzer See werden Unterschriftslisten mit einer allgemeinen Stellungnahme ausgelegt werden, der sich jeder Bürger anschließen kann. Diese Listen werden im Komm-Haus ausliegen. Sollten Sie, liebe Grünauer/Innen, Ihre eigenen Einsprüche verfassen wollen, können Sie diese ebenfalls im Komm-Haus in der Selliner Straße abgeben. Von dort aus werden sie weitergeleitet.

Weitere Informationen zu diesem Artikel:
•  Plangebiet (Bebaungsplan) Schönauer Lachen
•  Aktuelle Informationen und Berichte zu den Schönauer Lachen in unserer Rubrik Flora und Fauna
Dr. Leonhard Kasek [17.07.2006]
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