Energetische Sanierung von Grünau

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Die Bundesregierung hat eine neues Förderprogramm für die energetische Sanierung von Altbauten aufgelegt. Für Grünau bietet das eine Riesenchance. Durch die standardisierte Bauweise, die glatten Fassaden und die Tatsache, dass in den Plattenbauten die Hauptleitungen in Kabelschächten zusammengefasst sind, könnten die Plattenbauten so saniert werden, dass sie den Heizenergieverbrauch von Passivhäusern erreichen. Die Heizkosten einer Grünauer Wohnung von 75 m2 Fläche könnten dann auf 50 bis 100 Euro pro Jahr sinken. Preiserhöhungen für Heizenergie wären dann kein Thema mehr. Passivhäuser sind Häuser, die durch starke Dämmung, Wärmerückgewinnung und Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung so wenig Heizenergie benötigen, dass sie nur noch wenig zusätzlich beheizt werden müssen. Die Wärmeproduktion von Haushaltgeräten, Wärmerückgewinnungsanlage, Sonnenkollektoren und die Abstrahlung der Bewohner (ca. 80 Watt je Erwachsenem) reichen bei mäßiger Kälte noch aus. Nur wenn es sehr kalt wird, muss geheizt werden. Die Wohnungen werden über eine Entlüftungsanlage ständig belüftet. Dabei heizt die ausströmende warme Luft über einen Wärmeaustauscher die angesaugte, kalte Frischluft. Die Fenster brauchen zum Lüften nicht mehr geöffnet zu werden und dennoch ist die Luftqualität in den Räumen besser als vorher.

Ich wohne seit 1998 in einem Passivhaus und weiß wovon ich rede. Im Sommer hilft die Konstruktion, die im Winter die Wärme nicht hinaus lässt, übermäßige Hitze nicht hinein zu lassen. Inzwischen gibt es in Leipzig auch ein Haus, das noch einen Schritt weitergeht. Das Nullenergiehaus der Firma Löser in Baalsdorf. Dank eines riesigen Warmwasserspeichers und einer Photovoltaikanlage zur Erzeugung von Sonnenstrom produziert es beinahe die gesamte von den Bewohnern verbrauchte Energie mit Hilfe der Sonne selbst. Allerdings ist das Löserhaus noch sehr teuer.

Die Miete würde nach solch einer energetischen Sanierung um etwa 50 Cent je m2 steigen, die Heizkosten um 60 bis 70 Cent sinken. Die Warmmiete der sanierten Wohnungen wäre dann sogar etwas geringer als vorher. Da die Energiepreise ständig weiter steigen, wird die Einsparung gegenüber den unsanierten Energiefressern immer größer. Da die energetische Sanierung der Grünauer Plattenbauten erheblich weniger kostet als die Sanierung von Altbauten, um den gleichen niedrigen Energieverbrauch zu erreichen, würde so eine Modernisierung dafür sorgen, dass die Grünauer Wohnungen die mit Abstand niedrigsten Warmmieten haben. Zusammen mit weiteren Vorteilen (viel Grün zwischen den Häusern, Kulkwitzer See, gute ÖPNV-Anbindung, Schönauer Park) könnte Grünau dann vor allem für Familien mit Kindern ein ausgesprochen attraktives Wohngebiet werden und wir könnten auf Zuzug hoffen.

Dem stehen vor allem zwei Probleme im Wege:
  • Investitionsrisiko. Wenn sich zu wenig Mieter finden, bleiben die Hauseigentümer auf den Kosten sitzen. Nur wenn sie hoffen können, dass Ihnen die energetische Sanierung hilft, neue Mieter zu gewinnen, werden sie das technisch machbare und bezahlbare wirklich voll ausschöpfen.
  • Umsatzeinbußen für die Stadtwerke: Grünau ist für die Stadtwerke ein ausgesprochen attraktives Versorgungsgebiet für Fernwärme. Durch die energetische Sanierung auf Passivhausniveau würde der Absatz von Fernwärme in Grünau drastisch zurück gehen. Die Stadtwerke sind an solchen Maßnahmen nicht interessiert und werden alle ihre Möglichkeiten nutzen, hier zu bremsen.
Hier sind vor allem die Mieter gefragt, ihre Vermieter bei anstehenden Modernisierungen / Sanierungen zu drängen. Die modernste Energiespartechnik zu installieren, soweit das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Nebenbei entstehen durch die energetische Sanierung der Häuser auch reichlich Arbeitsplätze im Leipziger Bauhandwerk. Diese Chance muss genutzt werden. Sie wird so schnell nicht wieder kommen.
Dr. Leonhard Kasek [28.04.2006]
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