Ich lebe gern in Grünau...
Ich lebe gern in Grünau und nicht nur ich, sondern auch meine Familie, Bekannte, Freunde, wir alle fühlen uns
hier seht wohl. Auch wenn mancher abfällig von "Plattenbauten" spricht, so sollte man doch bedenken, dass diese
mitunter oberflächliche Vorurteile sind, die da geäußert werden. Sicher gibt es einige "Brennpunkte", die nicht
so recht in Ordnung sind, aber die gibt es überall. Was mich persönlich stört, sind die Schmierereien an
Wänden. (Das müsste viel stärker bestraft werden) Die Wohnungen selbst sind hell, trocken, warm und was auch
wichtig ist, geräumig. Die Außenanlagen werden regelmäßig gepflegt. Es gibt viel Grün und auch Tiere haben
sich angesiedelt. Nicht für umsonst heißt es: "Grünau". Verkehrsanbindungen sind genügend vorhanden. An
Einkaufsmöglichkeiten mangelt es auch nicht. Das kulturelle Leben kommt auch nicht zu kurz. Dann ist die
Stadt auch nahe.
Durch besondere Umstände waren wir oft umgezogen und haben schon in ganz anderen Wohnungen und Gegenden
gelebt, so unter anderem auch fast neun Jahre am Bodensee. Eigentlich hätten wir uns da wohl fühlen müssen,
denn wir hatten Arbeit, neue Freunde, eine schöne Umgebung und wenn man wollte, war es nur ein "Katzensprung",
um nach Österreich, in die Schweiz und Italien zu gelangen, Aber nein, wir waren nicht glücklich!
Das Heimweh, die Eltern, alte gute Freunde, Kollegen, die Erinnerungen und die menschliche Wärme der Sachsen,
all das ließ uns wieder alles aufgeben und den Weg zurückgehen. Wir haben diesen Schritt nicht bereut. Was
mich nur etwas stört, sind diese seltsamen Mauern, die irgendwelche abgehobenen Designer da entworfen
haben. Z. B. am Stadtteilladen oder bei Preisfuchs, sie verschandeln das Umfeld. Sträucher würden ein
besseres Bild geben.
Ansonsten tut es gut zu sehen, wie immer wieder verbessert, verändert und erhalten wird. Das besonders
Kinder und Jugendliche darauf achten und selber pfleglich mit diesen Werten umgehen.
Ich lebe gern in Grünau...
... dazu muss ich etwas weiter ausholen. Wie wohl noch vielen bekannt ist, bekam man in den ersten
Jahren, als Grünau entstand, nicht so ohne weiteres eine Wohnung hier, die war nur Funktionären und
Genossen vorbehalten.
Das hat sich jedoch später geändert und auch ich kam durch einen Tausch in den Genuss einer Wohnung in
Grünau. Dies allerdings mit einer Einschränkung, denn als alleinstehende Person stand mir nur eine
Einraumwohnung zu, doch sie war groß genug. Für mich war wichtig, Fernheizung zu haben und ein Bad,
was damals ja keine Selbstverständlichkeit war in Leipzig. 1982 zog ich also in den Stadtteil WK 5/1 und
fühlte mich von Anfang an wohl.
Da ich noch berufstätig war, erwies sich als besonders günstig, dass man nur einige Minuten brauchte, um
zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen. Anfangs gab es zwar nur eine kleine Konsumverkaufsstelle,
die in einer Erdgeschosswohnung untergebracht war, doch für das leibliche Wohl war damit gesorgt.
Nach und nach entstanden dann Kaufhallen und Ladenstraßen, so dass die Einkaufsmöglichkeiten immer
günstiger wurden und niemand z. B. wegen einer Brille, Medikamenten oder einer Schuhreparatur in die
Stadt fahren musste, nein, es war alles vorhanden.
Abgesehen davon hat mich besonders beeindruckt, dass es vor allen Häusern eine kleine Grünfläche gab.
Den Wegen entlang waren Bäume gepflanzt und Blumenrabatten angelegt. Fast vor der Haustür hatte man den
Schönauer Park und selbst der Kulkwitzer See war in der kurzen Zeit erreichbar.
Ich fand schon immer, dass Grünau seinen Namen Ehre macht, es gibt keine Straße ohne "Grün". Das allein
ist doch schon Grund genug, sich hier wohl zufühlen.
Dabei ist das längst nicht alles, inzwischen gibt es z. B. ein Begegnungs- und Beratungszentrum,
Freizeittreffs für Kinder, Jugendliche und Familien, eine AOK - Außenstelle, ein Schwimmbad usw. usw.
Selbst für ältere Menschen, zu denen übrigens auch ich gehöre, ist gesorgt, indem es mehrere AWO-Stationen
gibt, Arztpraxen reichlich vorhanden sind und sogar Alten- und Pflegeheime geschaffen wurden.
Nicht zu vergessen, dass durch den Bau des Allee Centers die Einkaufsmöglichkeiten noch attraktiver
geworden sind und mehr Leben in Grünau eingekehrt ist, denn nicht nur die Grünauer kaufen hier ein,
nein, aus allen Stadtteilen Leipzigs kommen die Menschen und sind voll des Lobes, wie ich festgestellt
habe.
Sieht man sich doch einmal in Leipzig um, z. B. die Eisenbahnstraße mit ihren Nebenstraßen. Dort ist
es eng, düster, ungepflegt und kaum etwas Grün zu sehen.
Leider gibt es noch viel zu viel solche trostlosen Gegenden, vergleicht man das jedoch mit Grünau, so
haben wir es doch hier direkt "paradiesisch", oder etwa nicht? Natürlich gibt es auch hier ein paar
negative Seiten, doch wo gibt es die nicht, ganz gleich wo man wohnt. Deshalb kann ich nicht
verstehen, weshalb so viele Leipziger gegen Grünau sind, sicher waren sie noch nie hier.
All das von mir geschilderte, ist Grund genug für mich, gern in Grünau zu leben.
Ich bin Grünauerin und werde es bleiben.
Warum es mir in Grünau gefällt...
... weil man es nicht weit hat zu einem See, in dem man auch baden kann, auf dem man, besonders
zur Winterszeit, viele Wasservögel beobachten kann, weil man es nicht weit hat, sich im Jahreslauf
anzusehen, wie das Getreide auf den nahe gelegenen Feldern wächst, weil man zur Erdbeerzeit die
Erdbeeren auf einem der dafür vorgesehenen Felder selbst pflücken kann.
Warum es mir in Grünau nicht gefällt...: weil es eigentlich keinen Spaß macht, in einem See zu
baden oder an einem See ein Sonnenbad zu nehmen, wo gedankenlose Mitbürger altes Papier,
Kronenkorkverschlüsse oder gar Proviantreste liegen lassen, anstatt sie in einen Papierkorb
zu schaffen oder wieder nach Hause mitzunehmen.
Es macht auch keinen Sinn, Toilettenanlagen, die vor vielen Jahren am Kulkwitzer See gebaut worden
waren, wieder verfallen zu lassen. Nicht nur in der Badesaison, sondern auch während der
Nichtbadesaison kommt man damit Spaziergängern, die den See umrunden, nicht gerade entgegen.
Warum es mir in Grünau nicht gefällt, weil es viele Häuser gibt, die seit Jahren in halbmodernisiertem
Zustand unfertig dastehen, weil es auch etliche Häuser gibt, die seit Jahren nur Aufzüge zum
Anschauen aber nicht zum Benutzen haben. Warum es mir in Grünau überhaupt nicht gefällt, weil man
an Stellen, zum Teil sind inzwischen schon Rasenflächen daraus geworden, vorübergehen kann, wo
früher einmal Plattenbauten gestanden haben. Vorhanden gewesenen Wohnraum mit Fördermitteln
wieder abzureißen, anstatt wenigstens einen Teil der ehemaligen Plattenbauten zur Förderung
des Soziallebens zu verwenden, kann nicht mein Verständnis finden.
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