Ozon: Gefahr am See

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Wenn die Sonne so brennt wie jetzt Anfang August 2003, zieht es die meisten Grünauer an den Kulkwitzer See, Abkühlung suchen. Leider ist dieses Vergnügen an heißen Tagen nicht ungetrübt. Vor allem Dank der vielen Autos lauert dort stärker als in der Stadt eine Gefahr für unsere Lungen: Sommersmog. Sein wichtigster Bestandteil ist Ozon, ein farbloses Gas, das in höherer Konzentration stechend riecht.

Ozon ist eine Verbindung, die aus drei Sauerstoffatomen besteht ("normaler" molekularer Sauerstoff - O2 - ist zweiatomig). Die chemische Formel lautet: O3. Ozon entsteht durch die Reaktion von molekularem Sauerstoff mit atomarem. Es ist chemisch sehr reaktiv, greift also viele andere Stoffe an und kann deshalb Menschen, Pflanzen und Materialien (zum Beispiel Kunststoffe und Metalle) schädigen. Darüber hinaus ist Ozon ein Treibhausgas, trägt also zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei.
Das Ozon in höheren Schichten der Atmosphäre (10 km bis ca. 80 km Höhe) absorbiert schädliche UV-Strahlung und trägt damit zum Schutz aller Lebewesen bei. Da die Konzentration dieses Ozons durch menschgemachte Schadstoffe (organische Chlorverbindungen, vor allem Fluorchlorkohlenstoffe, FCKW) stark vermindert wurde (sogenanntes Ozonloch), trifft vor allem auf der Südhalbkugel, in den letzten Jahren verstärkt aber auch im Norden, mehr UV-Strahlung auf den Boden. Beim Menschen führt das zu einem starken Anwachsen der Erkrankungen an Hautkrebs. Da oft Jahrzehnte von der latenten Schädigung der Haut bis zum Ausbruch des Hautkrebses vergehen, werden die Folgen der heute auf uns einwirkenden Strahlungsdosis erst in 20 bis 30 Jahren voll absehbar sein. Allerdings ist das verhaltensabhängig. Sonnenbrand sollte auf jeden Fall vermieden werden, stundenlanges braten in der Sonne auch. Die UV-Strahlen tragen auch zu einer schnelleren Alterung der Haut bei. Die Bronzevenus von heute ist die Backpflaume von morgen, pflegt Professor Haustein, Chef der Hautklinik der Leipziger Universität, seinen Studenten einzuschärfen. Da wir durch die Sonne auch in unseren Breiten meist schon zuviel abbekommen, sollte jeder, dem seine Haut teuer ist, Solarien konsequent meiden. Die Strahlung dort verursacht zwar keinen Sonnenbrand, aber der Anteil, der zum raschen Altern der Haut und zu Hautkrebs führt, wirkt uneingeschränkt.

Wer sich den ganzen Tag am Kulkwitzer See tummelt, sollte sich auf jeden Fall zwischen 11 Uhr und 15 Uhr an sonnigen Tagen in den Schatten verziehen und reichlich Sonnencreme mit möglichst hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

Neben dem für uns und alle Lebewesen sehr nützlichen Ozon in höheren Schichten der Atmosphäre gibt es auch in Bodennähe Ozon. Dort ist es ein starkes Gift. Es greift die Haut an und beim Einatmen Schleimhäute und Lunge. In höherer Konzentration und über längere Zeit eingeatmet, ist Ozon krebserregend. Ein erster Hinweis auf Ozon ist meist ein leichtes Brennen der Augen.

Bodennahes Ozon entsteht, wenn flüchtige Kohlenwasserstoffe (z.B. verdampfte Lösungsmittel, verdunsteter Kraftstoff oder in die Atmosphäre entwichenes Erdgas) mit Stickoxiden reagieren. Damit die Reaktion zustande kommt, ist reichlich UV-Strahlung nötig und Wärme. Strahlend blauer Himmel und Hitze über mehrere Tage treiben die Ozonwerte am Boden in die Höhe und es entsteht Sommersmog. Dabei gibt es ein Paradox: In Ortschaften, vor allem Großstädten und an stark befahrenen Straßen, gibt es reichlich andere Luftverschmutzungen, mit denen das Ozon reagiert und damit unschädlich gemacht wird. Das heißt, die Flucht ins Grüne hilft gegen Sommersmog nicht. Im Gegenteil, je sauberer die Luft, um so höher die Ozonkonzentration. Da Grünau der Leipziger Stadtteil mit der saubersten Luft ist, ist hier an heißen Tagen schon mehr Ozon in der Luft als in der Innenstadt und noch mehr atmet man am Kulkwitzer See ein.

Hauptquelle der Stickoxide ist der motorisierte Straßenverkehr. Die Katalysatoren arbeiten erst optimal, wenn der Motor heiß ist. Auf kurzen Strecken, wie bei Fahrten in der Stadt üblich, erreichen die Motoren meist nicht die erforderliche Temperatur und das Abgas enthält reichlich Stickoxide. Die zweite wichtige Quelle sind Landwirtschaft (und Kleingärtner!): zuviel in den Boden eingebrachter Stickstoffdünger wird von Bodenbakterien teilweise in Stickoxide umgewandelt. Die zweite Komponente, die gasförmigen Kohlenwasserstoffe stammen vorwiegend aus Kraftwerken und Großfeuerungsanlagen, erst in zweiter Linie vom motorisierten Verkehr. Ein Trost ist, dass die Stickoxidwerte in den letzten 10 Jahren deutlich zurückgegangen sind. Das ist ein Erfolg moderner Umwelttechnik und vor allem des Katalysators, der bei längeren Fahrten sehr gut wirkt. Als Folge ist die mittlere Ozonkonzentration ebenfalls zurückgegangen. Aber in langanhaltenden Hitzeperioden wie dem Sommer 2003 hilft das alles nichts.

Aber immerhin kann jeder etwas gegen das Ozon tun: Bei Strecken bis 3 km an sonnigen Sommertagen das Auto grundsätzlich stehen lassen. Radfahren und zu Fußgehen kräftigt nebenbei auch den Kreislauf und hilft Fett abzubauen. Bei längeren Strecken in der Stadt sollte, wenn immer möglich, der öffentliche Nahverkehr oder das Rad genutzt werden. Ansonsten gilt, wenn in Presse und Fernsehen vor Ozon gewarnt wird:
  • moderat bewegen, viel, aber langsam, damit die eingeatmete Luft nicht zu tief in die Lunge gerät
  • nicht den ganzen Tag im Freien verbringen und vor allem nicht in der Sonne braten. In geschlossenen Räumen ist die Ozonkonzentration deutlich niedriger als an der frischen Luft, vorausgesetzt es arbeiten dort keine Geräte, die selbst Ozon produzieren, wie z.B. ältere Kopierer, Scanner oder Laserdrucker.
  • Früh kräftig lüften und dann bis zum Abend die Fenster geschlossen halten.
  • Viel Trinken, am besten Getränke ohne Kohlensäure: Früchtetees, Kräutertees, Wasser (auch Leitungswasser ist gut), verdünnte Obstsäfte. Alkohol, auch Bier, meiden. Tee und vor allem Kaffee regen die Wasserausscheidung an und entziehen dem Körper mehr Wasser als sie zuführen, daher an heißen Tagen am besten nicht trinken und wenn, dann hinterher die doppelte Menge Wasser.
  • Viel Obst und Gemüse essen. Sehr gut geeignet sind Tomaten, roh oder gekocht. Tomaten enthalten einen Stoff, Lycopin, der bestens geeignet ist, freie Radikale wie Ozon im Körper unschädlich zu machen. Wenig Fett und wenn, dann Pflanzenöl. Mit tierischen Fetten (auch in Butter, Wurst und fettem Käse) sehr zurückhalten und auf schweres Essen verzichten.
Kurz: Bewegung ist immer gut, aber an heißen ozongetränkten Tagen möglichst ohne Anstrengung und Leistungsehrgeiz. Viel Trinken, aber keinen Alkohol und die pralle Sonne meiden wo immer es möglich ist, Schatten und leichte helle Kleidung im Freien sind anzuraten. Wer sich an solchen Tagen die Kleidung am See ganz oder fast ganz vom Leib reißt, um seinen wohlgeformten Körper den staunenden Mitbürgern zu präsentieren, geht gesundheitliche Risiken ein. Am Besten wäre es, sich nur zum Baden auszuziehen oder sich wenigstens in einen möglichst tiefen Schatten zurückzuziehen.

Wenn die Augen beginnen zu brennen und damit signalisieren, dass Ozon und andere Schadstoffe ihre Wirkung tun, sollte man einen geschlossenen Raum aufsuchen. Das kann auch eine Gaststätte (wenn dort nicht geraucht wird), ein Kino oder ähnliches sein. Besonders ozongefährdet sind ältere Menschen und kleinere Kinder.
Dr. Leonhard Kasek
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