Am Nachmittag des 22. Juli 2003 ist ein Mini-Tornado über Grünau gefegt. Direkt am See
sind zwei Dutzend Bäume umgeworfen worden, meist Pappeln, und es gab Schäden an Bungalows
und Wohnwagen sowie 2 Verletzte. Da taucht die Frage auf, ob der See mit solchen
Ereignissen etwas zu tun hat. Eindeutig ja. Im Sommer ist der See tags meist deutlich kühler
als die angrenzende Stadt. Wenn sich in Innenstadtlagen Beton und Steine richtig aufheizen,
kann die Temperaturdifferenz am Nachmittag 20°C und mehr betragen. Das führt zunächst zu
Wind und zwar vom See zum Zentrum. Da diese süd-west-Richtung unserer Hauptwindrichtung
entspricht, wird der Wind verstärkt, aber auch an sonst windstillen Tagen zieht es am See.
Nur Winde aus östlichen Richtungen setzen sich durch, werden aber eventuell etwas
abgeschwächt.
Die heiße Luft im Zentrum steigt auf, das führt zum Absinken des Luftdruckes über dem Zentrum.
Der Wasserdampf kondensiert beim Aufsteigen und es bilden sich Wolken. Verstärkt wird das dadurch,
dass die Luft in der Stadt mehr Staub enthält und diese Staubkörnchen als Konzentrationskern
dienen. Über der Stadt ist es zumindest nachmittags wolkiger als über dem See. Dort sinkt die
Luft über dem kühleren Wasser ab, der Luftdruck steigt dadurch und eventuelle Wolken lösen
sich in der absinkenden Luft teilweise auf. Die Wolken über der Innenstadt werden durch den
vorherrschenden Wind nach Nordosten verfrachtet. Als Folge ergibt sich ein Niederschlagsgefälle:
Am See und in Grünau ist es im Frühjahr und Sommer deutlich trockener als in Taucha und
Paunsdorf. Verstärkt wird das durch die hinzukommenden weiteren Bergbauseen. Im Süden und Südwesten
wird sich durch die Seen, die zusammen eine Wasserfläche von ca. 60 km2 haben werden, im Sommer
eine ausgedehnte Zone kühlerer Luft bilden. Der größte der künftigen Seen, der Zwenkauer See,
der mit fast 10 km2 ca. 6 ½ mal größer sein wird als der Kulkwitzer See, ist nicht allzu weit
entfernt.
An schwül-heißen Sommertagen wie am 22. Juli 2003 wirkt ein anderer Mechanismus. Durch die
Verdunstung über dem See beginnt die Kondensation des Wasserdampfes bereits über dem Ufer
des Sees in geringer Höhe. Dabei gibt der Wasserdampf sehr viel Energie an die Luft ab, die
dadurch erwärmt wird und aufsteigt und zwar nicht gerade nach oben, sondern in einer eng
gewundenen Spirale. Mit zunehmender Höhe wird es kühler, es kondensiert immer mehr
Wasserdampf und die aufsteigende Luftspirale wird gegenüber der umgebenden Höhenluft
noch wärmer, die Spirale dreht sich schneller. Wind und Sturm kommen auf. Erst wenn in
großer Höhe, nicht selten 10 km oder mehr, alles Wasser kondensiert ist, kommt dieser
Prozeß zum Erliegen, die Wolke läuft breit. So eine reife Gewitterwolke erinnert in der
Form an Pilze oder wegen des zerklüffteten oberen Randes an einen Blumenkohl. Der obere
Teil der Gewitterwolke besteht aus Eiskristallen. Beim Absinken wachsen sie zunächst zu
Hagelkörnern an, noch weiter unten beginnen diese wieder zu tauen, meist kommt dann
unten Wasser an. War die Wolke aber sehr hoch, werden die Hagelkörner so groß und so
kalt, dass die Zeit bis zur Erdoberfläche nicht reicht, um sie komplett wieder aufzutauen
und sie prasseln als Hagel herab. Später regnen sich dann die mittleren und unteren Teile
der Wolke ab und der Niederschlag erreicht uns als Wasser.
Durch die starke Verdunstung über dem See treten bei schwülwarmen Wetterlagen schwere
Gewitter über dem See und über Grünau häufiger auf als über dem Zentrum und über
dem Nordosten. Durch den sich gegenwärtig verstärkenden Treibhauseffekt werden diese
Gewitter noch verstärkt. Da die Wärmestrahlung in den unteren Teilen der Atmosphäre
festgehalten wird, werden die oberen Teile der Atmosphäre kälter: Was unten langsam
zuviel wird, fehlt oben. Die Temperaturdifferenz steigt und damit der Auftrieb der
Luftspirale. Sie steigt höher und dreht sich schneller. Die Folgen am Boden sind
heftigere Gewitterböen bis hin zu Minitornados und größer werdende Hagelkörner.
Auch die Wassermengen, die dann bei Gewitter in kurzer Zeit auf uns herunterprasseln,
wachsen.
Im Herbst und Winter kehrt sich das um: Der See ist dann meist wärmer als die
Umgebung, dabei ist die Differenz zu den Feldern größer als zur Stadt. Dort wird
durch immer noch schlecht gedämmte Gebäude reichlich Energie an die Luft abgegeben,
Mitte Dezember etwa so viel wie die tief stehende Sonne dann noch zu liefern vermag.
Die Luft strömt zum See, von den Feldern stärker als aus der Stadt, steigt über dem
See auf und regnet bei geeigneter Wetterlage auch hier wieder ab. In Grünau "zieht"
es im Winter und Herbst weniger, dafür regnet oder schneit es häufiger und ergiebiger
als in der Umgebung.
Kurz, die wachsende Seenplatte im Süden und Südwesten beschert uns im
Verhältnis zur weiteren Umgebung mehr und kräftigeren Wind, mehr Regen im Winter
und kräftigere Gewitter im Sommer und gleicht zunehmend extreme Temperaturlagen
aus: Im Sommer wird extreme Hitze gedämpft und im Winter extreme Kälte. Wenn
die langfristige Prognose des sächsischen Landesamtes für Geologie und
Umweltschutz eintrifft, derzufolge der normale Landregen bei uns immer seltner
wird, dafür aber Gewitter und Unwetter häufiger, werden wir solche
Minitornados wie am 22.7.03 in Zukunft häufiger erleben. Durch die zunehmend
milderen Winter können härtere subtropische Pflanzen (Lorbeer, Rosmarin,
Cistrosen, später dann auch Oleander und Zitronen, aber auch Sabalpalmen
oder Hanfpalmen) im Freien wachsen und brauchten nur in einem der seltener
werdenden kalten Winter Frostschutz. Hanfpalmen hätten die letzten Winter
am Ufer des Sees überlebt und eine Palmenriviera am Kulkwitzer See wäre
heute schon möglich (etwa alle 8 bis 10 Jahre müssten die Palmen dann mit
Stroh dick eingepackt und vor Frost geschützt werden, bis zu -12° bis -13°C vertragen
sie ein paar Tage ohne Schutz). Leider kommen aber mit den steigenden
Temperaturen auch ungebetene Gäste. Die Kastanienminiermotten gehören dazu
und auch die Malariaerreger werden in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich
folgen. Zum Glück aber eine Form, die sich leicht behandeln lässt, nicht die
schwere Malaria tropica. Der Südhang des Berges zwischen Grünau und dem See
wäre auch bestens zum Weinbau geeignet, auch Aprikosen, Kiwis und Feigen würden
im milden Klima um den See gut gedeihen und Früchte tragen, in Zukunft
auch Exoten wie Kakipflaumen.
Und wenn sich der eine oder andere dazu verleiten ließe, künftig seinen Urlaub
unter den Palmen am Strand von Kulkwitz zu verbringen statt zu Mallorcas oder
Teneriffas Palmen zu düsen würde er auch einen kleinen Beitrag dazu leisten,
dass der weitere Temperaturanstieg nicht zu schnell verläuft. Mindestens 2°
bis 3°C werden es in den nächsten 100 Jahren werden (entspricht einer Südverschiebung
unserer Region um etwa 800 bis 1000 km) und das nur, wenn es gelingt, den Ausstoß
an Treibhausgasen wie CO2 drastisch zu reduzieren. Geht es so weiter wie bisher,
können es leicht auch 10° Temperaturanstieg werden mit unabsehbaren Folgen für
unser Klima und schwersten Unwetterkatastrophen. Noch können wir das verhindern
und unseren Kindern und Enkeln ein warm-gemäßigtes Klima hinterlassen, das zwar
häufiger Wetterkapriolen bereit hält und auch heftigere Unwetter als wir sie
gewöhnt sind, deren Folgen sich doch noch beherrschen lassen werden.
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