Die Idee ist nicht neu. Gleich nach dem Kollaps der DDR wurde auch im Rathaus öffentlich darüber diskutiert, über eine
Windkraftanlage Wasser aus dem Kulkwitzer See in den Zschampert zu pumpen. Später wurde dann eine Elektropumpe installiert.
Die verbraucht viel teuren Strom und wird daher abgeschaltet, sobald der Wasserspiegel des Kulkwitzer Sees unter eine
kritische Grenze gefallen ist. Geplant ist auch, dass im Zuge der Bergbausanierung der See einen natürlichen Abfluss
erhält. Da der Zschampert aber bis zum Ortsrand von Miltitz zu hoch liegt, soll unter der Lützner Straße ein Tunnel
gegraben werden, der erst kurz vor den ersten Miltitzer Häusern in den Zschampert mündet. Was wird aber dann mit dem Bach
von Göhrenz bis Miltitz? Der See wird durch den natürlichen Überlauf die kritische Marke nicht mehr überschreiten und der
Zweckverband leidet unter notorischem Geldmangel. Wird dann die Pumpe abgestellt und der Bach bis Miltitz trocken gelegt?
In meiner Phantasie türmten sich schon Müllberge im trockenen Bachbett. Da erhielt ich vor einigen Tagen einen Anruf von
Werner Möritz aus Seebenisch. Möritz, von Beruf eigentlich Dachdecker, hat bis zur Rente im Buchbindereimaschinenwerk in
Plagwitz gearbeitet (heute Brehmer im Gewerbegebiet Nord-Ost). Er bastelt seit Jahren an einem Windrad und lud mich ein,
es anzusehen. Es steht auf dem Gelände eines Agrarunternehmens auf einer Art Damm. Im Gegensatz zu seinen vier großen
Vettern, die etwa 400m entfernt in der Albersdorfer Flur stehen, dreht es sich wie ein Karussell um die vertikale Achse.
Es wird 5m Durchmesser haben und 3 bis 4m hoch sein. Möritz schätzt, dass es etwa 2 bis 3 PS Leistung bringt. Das heißt, es
würden pro Jahr etwa 2500 kWh Strom geliefert werden können. Für unseren Haushalt würde das reichen. Im Moment gibt es
allerdings noch keine Energie ab. Möritz tüftelt und verbessert es ständig. Das Geniale ist die Einfachheit seiner
Konstruktion. Es besteht aus einem Rahmen, der zur Zeit mit Aluminiumplatten und Segeln aus Plaste bespannt ist. Kommt der
Wind von hinten, werden die Metallplatten und die Segel an den Rahmen gedrückt, kommt er nach einer halben Umdrehung von
vorn, flattern die Segel frei im Wind und die Platten zeigen ihm ihre schmale Seite. Möritz hatte zunächst mit Holzklappen
experimentiert. Aber die waren zu schwer, zu laut und zu störanfällig. Verwendet hat er viel Altmaterial. Das Windrad ist
vorwiegend aus Recyclingmaterial gebaut. Mit den perfekten Hightech-Vettern kann es im Aussehen nicht konkurrieren. Aber
dafür hat Möritz die Konstruktion so vereinfacht, dass es preiswert von jedem geschickten Bastler nachgebaut werden kann.
In geschlossenen Ortschaften auf umfriedetem Privatgrundstück brauchte er dazu nach sächsischem Baurecht nicht einmal eine
Genehmigung. Er brauchte nur etwa 30 bis 40m² Fläche, die vom Wind ungebremst durchzogen werden kann. Strom will Möritz
übrigens nicht erzeugen, er will Wasser in ein höher gelegenes Becken pumpen. Das soll dann über eine Turbine nach unten
laufen, wenn Strom gebraucht wird. Möritz träumt von Tausenden seiner Windkarussells entlang von Flüssen und Seen, mit
denen auch kleine Haushalte ihren eigenen Strom preiswert erzeugen könnten.
Meine Träume gehen nicht so weit: So ein Windrad von Möritz könnte bei Göhrenz aufgestellt werden und Wasser in den
Zschampert pumpen. Damit wäre eine Mindestversorgung gesichert. Wenn die Anlage einmal steht, kostet sie auch kaum noch
etwas. Sie könnte von Handwerkern aus der Region gebaut werden. Die Kosten muss natürlich die Bergbausanierungsgesellschaft
LMBV übernehmen. Der Bergbau hat die Zschampertquelle zerstört und steht nun in der Pflicht, Ersatz zu schaffen. Das
Möritzsche Windkarussell wäre zugleich eine weitere Attraktion am See, das Besucher und Spaziergänger anlocken würde.
Wenn es gelänge, Fördermittel aufzutreiben, könnte man oben im Pappelwald einen Sumpf anlegen, per Wind mit Wasser versorgen
und dieses dann gleichmäßig in den Zschampert ablaufen lassen. So wäre eine Wasserversorgung auch dann gesichert, wenn der
Wind sich gerade ausruht und die Landschaft um den See hätte einen artenreichen Lebensraum mehr. Vielleicht ließen sich
dann auch Besucher animieren, eigene Windkarussells zu bauen und ihren eigenen Strom zu erzeugen, vielleicht sogar auf den
Flachdächern von Grünau.
An der Stelle dämpfte mich Möritz. Er begann über durchgeknallte Grüne zu schimpfen, die nun sogar die Windkraft bekämpften.
Gemeint war die Erklärung des Naturschutzbundgeschäftsführers in der Leipziger Volkszeitung. Da ich selbst Grüner bin,
zuckte ich natürlich zusammen. Es fiel mir angesichts dieser Erklärung schwer, zu erklären, dass alle Natur- und
Umweltverbände die Windkraft unterstützen, auch der Naturschutzbund. Der sächsische Geschäftsführer hat sich hier auch quer
zur Politik seiner eigenen Organisation gestellt. Möritz hat mir dann auch seine Nachbarn, die vier großen Windräder
gezeigt. Zu hören war nichts und da der Himmel wolkenverhangen war, gab es auch keine Schattenspiele. Nur bei sehr starkem
Wind gibt es Geräusche, ein "ffft", wenn ein Flügel am Turm vorbei läuft. Allerdings ist es an jeder auch nur mittelmäßig
befahrenen Straße lauter und die Windriesen müssen weit entfernt von Wohnhäusern gebaut werden. Was die
Landschaftsverschandelung angeht, mich stören die Fernleitungen, die sich hinter den Windriesen über die Flur ziehen, viel
mehr. Sie sind auch für Vögel ungleich gefährlicher. Aber dazu etwas zu sagen, schien dem Nabugeschäftsführer nicht
opportun.
Vielleicht ließe sich dieser Herr ja dazu gewinnen, zu helfen, Möritz Karussell am See zu errichten. Die Landschaft würde
nicht verschandelt, dazu ist es zu klein und für den Naturschutz wäre viel gewonnen, wenn der Zschampert ganzjährig in
voller Länge Wasser führte. Mit dem Sumpf im Pappelwald würde sogar ein wertvolles Biotop hinzugewonnen. Das
Möritz-Windkarussell kann übrigens nach Voranmeldung (Tel.: 034205/59662) besichtigt werden. Der Weg dorthin führt von
Göhrenz vorbei am Naturschutzgebiet Kulkwitzer Lachen über Gärnitz nach Seebenisch. Von der Südspitze des Sees bis nach
Seebenisch sind es knapp 4km.
Text: Dr. Leonhard Kasek, Miltitz
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