Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 3
Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 3
Pyrola rotundifolia - Rundblättriges Wintergrün
Das Rundblättrige Wintergrün ist eine von sieben Arten der Wintergrüngewächse in Deutschland. Wie der deutsche
Name verkündet, behalten sie im Winter ihre grünen Blätter. Das Rundblättrige Wintergrün verliert bei uns seine
Blätter Ende März/ Anfang April. Ab Ende April treiben neue Seitensprosse mit Blättern aus. Gleichzeitig
entwickeln sich an einigen Sprossspitzen des Vorjahres nach dem Blattverlust die Knospen für die Blütenstände.
Pyrola rotundifolia ist heute hauptsächlich noch eine alpin und montan verbreitete Art. Im Tiefland sind
seine Vorkommen in mageren, halbschattigen bis schattigen durch die allgemeine Eutrophierung im Rückgang.
Einzelne Vorkommen auf Primärstandorten finden sich noch in der Dübener Heide.
Wenn das Rundblättrige Wintergrün die Etablierung in Bergbaufolgelandschaften geschafft hat, findet es hier
häufig ideale Bedingungen zur Massenvermehrung. Durch die Kombination aus generativer Vermehrung über Samen
für die Fernausbreitung und vegetativer (klonaler) Vermehrung mit oberflächennahen Rhizomen kann es sich
sowohl an Ort und Stelle als auch in der näheren Umgebung rasch ausbreiten. Auf diese Weise finden wir über
die ganze Kippe Kulkwitz verteilt mehr oder weniger großflächig ausgebreitete Klone dieser Art, die derzeit
schätzungsweise zwischen 5.000 bis 10.000 Sprosse umfassen.
Obwohl das Rundblättrige Wintergrün in Deutschland noch nicht als gefährdet eingestuft wird, ist in Sachsen
gerade noch ein reichliches Dutzend an Vorkommen im Verbreitungsatlas (2000) verzeichnet. Deshalb gilt die
Art in Sachsen als vom Aussterben bedroht (Rote Liste 1). Durch die Ausbreitung in den Bergbaufolgelandschaften
auch in der Lausitz dürfte sich die Anzahl der Vorkommen vorübergehend merklich erhöht haben. Allerdings
unterliegen auch in den Bergbaufolgelandschaften an die Oberfläche gebrachten mageren Substrate dem allgemeinen
Nährstoffeintrag aus der Luft und der Bodengenese, so dass die Vorkommen hier nur vorübergehend Asyl finden.
Die Familie der Wintergrüngewächse gehört zur Ordnung der Heidekrautartigen. Obwohl sie damit auch nicht
annähernd mit den Orchideen verwand sind (paraphyletisch), haben die Wintergrüngewächsen der Evolution einige
sehr ähnliche Verhaltensweisen herausgebildet. Wie die Orchideen bedienen sie sich der Mykorhiza, in dem sie
den Pilzen ausgehöhlte Rindenzellen zum Eindringen anbieten, in denen sie dann die Pilzhyphen verdauen.
Allerdings gelten die Wintergrüngewächse als obligat mykotroph, was bedeutet, dass sie im Gegensatz zu vielen
Orchideenarten dauerhaft von der Mykorhiza abhängig sind. Deshalb loht es sich auch nicht, diese Art
auszugraben und in andere Substrate, zum Beispiel im Garten umzupflanzen. Die meisten Gartensubstrate sind
viel zu nährstoffreich, als dass die zum Überleben notwendige Mykorhiza dieses Umsetzen übersteht. Auch
bilden die Pyrolacen in ihren fünfteiligen Samenkapseln sehr viele staubfeine und sehr leichte Samen, die
vom Wind weit verweht werden können. Die Samen bestehen aus einer pergamentartigen Testa mit wabenartiger
Verstärkung und einem deutlich kleineren Samenkorn darin.
Das Rundblättrige Wintergrün bildet unter den Pyrola-Arten die kräftigsten Pflanzen mit den größten Blättern
aus. Allerdings sind die Pyrola-Arten im sterilen Zustand kaum unterscheidbar. Wesentliches Merkmal zum
Erkennen von Pyrola rotundifolia ist der deutlich seitlich geschwungene, und damit nicht mittig stehende
Griffel, der auch an den Samenständen noch längere Zeit gut erkennbar ist. In der Regel bildet das Rundblättrige
Wintergrün weit geöffnete schirmartige Blüten. Bei sehr trockener Witterung kommt es auf lichteren Standorten
zur Überstreckung der Kronblätter.
Ende Mai bis Anfang Juni entfaltet Pyrola rotundifolia auf der Kippe Kulkwitz seine volle Blütenpracht. Vor
allem im Norden und auf der halbhohen östlichen Zwischenberme zum See sind die attraktiven Pflanzen häufig
auch am Rand von Wegen zu finden. Hier sollten Sie sich an ihrem Anblick erfreuen und die Pflanzen zur
Freude der nach Ihnen kommenden unbeschädigt stehen lassen.
Weitere Artikel zu diesem Thema in unserer Rubrik:
• Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 1
• Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 2
• Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 4
Grafik: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thome (1885): Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera
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