Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 2

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Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 2
Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce - Bleiches Waldvöglein

Das Bleiche Waldvöglein gehört zu den Orchideenarten, die im Jahr Mitte bis Ende Mai als erste auf der Kippe Kulkwitz blühen. Schon von weitem leuchten uns dann seine cremefarbenen Blüten entgegen. Als charakteristische Art von Säumen und lichten bis schattigen Wäldern wächst es vor allem auf konkurrenzschwachen Standorten, also dort, wo die übrige Vegetation noch sehr lückig ist. Auf der Kippe Kulkwitz finden wir es im nordöstlichen Teil überall entlang von Wegrändern und auf gebüscharmen Waldflächen.


Von seinen natürlichen Standorten im Saale-Unstrut-Triasland haben sich seine Samen über den Wind in die Braunkohlenbergbaufolgelandschaft ausgebreitet. Im Südraum Leipzig (einschließlich der Tagebauregion Zeitz-Weißenfels) haben sich mehrere Populationen mit sehr beachtlichen Individuenzahlen herausgebildet. Der Bestand auf der Kippe Kulkwitz gehört mit schätzungsweise 3.000 Individuen und noch leichter Ausbreitungstendenz zu den individuenreichsten und fungiert inzwischen als Wiederausbreitungszentrum in die umgebende Kulturlandschaft (50 km-Umkreis), wenn sich hier für die Etablierung geeignete Biotope entwickeln.

Während es in den Muschelkalkgebieten Sachsen-Anhalts und Thüringens noch reichlich Vorkommen von Cephalanthera damasonium gibt, ist sie in Sachsen nur noch von 11 Messtischblattviertelquadranten bekannt, wovon ein wesentlicher Teil in der Mitteldeutschen Braunkohlenbergbaufolgelandschaft liegt. Deshalb gilt die ansonsten in Deutschland sowie im Übrigen mitteldeutschen Raum nicht gefährdete Art in Sachsen als stark gefährdet (Rote Liste Sachsen 2). Leider werden gerade besonders schöne Gruppen der Pflanze an den Wegrändern immer wieder ausgegraben. Dabei sollten die Grabräuber wissen, dass es sich hier um eine "wandernde Art" handelt, die nur vorübergehend an einer Stelle wächst. Hat sie an dieser Stelle die für sie notwendigen Nährstoffe aufgebraucht, gehen die Pflanzen auch wieder ein. Da sich inzwischen an nah benachbarten Stellen neue Pflanzen etabliert haben, fällt dies jedoch dem Laien in der Regel gar nicht weiter auf. Dennoch ist der Egoismus der Grabräuber sehr ärgerlich, da sie viele andere Menschen des schönen Anblicks der Pflanzen berauben.

Das Bleiche Waldvöglein ist ein Rhizomgeophyt, dass heißt jedes Jahr bildet sich ein sehr kurzes Rhizomstück neu, dass dann bei günstigen Verhältnissen in einem oberirdischen Trieb endet. Rhizomgeophyten neigen meist auch zur vegetativen Vermehrung, in dem sie mehrere neue Rhizomknospen bilden. Beim Bleichen Waldvöglein tritt dies gelegentlich auf, so dass wir dann auch Büschel von bis zu 6 eng beieinander stehenden blühenden Trieben finden können. Die Stängel sind meist zweizeilig (distich) von breiteren, eiförmig-lanzettlichen, stumpf abgerundeten Blättern bewachsen. Die blühenden Pflanzen ereichen eine Höhe von 12 bis 60 cm. Die Anzahl der Blüten eines Sprosses schwankt je nach Kraft der Pflanze zwischen 2 und 16. Nur ganz selten treten in sehr günstigen Jahren, wie diesem 2008 besonders kräftige Pflanzen mit bis zu 25 Blüten auf. Die elfenbein- bis cremfarbenen (in anderen Regionen auch weißen) Blüten öffnen sich oft nur wenig und bei bestimmten Wetterlagen.

Häufig etablieren sich die Pflanzen des Bleichen Waldvögleins auf der Kippe Kulkwitz an Stellen, wo kurze Zeit später auch Gehölze aufwachsen. Ohne Entbuschung würde es von diesen Gehölzen häufig in den folgenden Jahren wieder verdrängt werden. Durch den Freischnitt der Wegränder im Auftrag der Gemeinde Markranstädt wird das Vorkommen des Bleichen Waldvögleins hier gefördert. Es ist deshalb auch überhaupt nicht notwendig abseits von Wegen nach der Art zu suchen. Gefährdet wird die Art zum Teil durch die Gehölzsukzession. Während sie sich unter Bäumen vereinzelter noch behaupten kann (selbst im stark schattigen Spitz-Ahornforst) wird sie von Gebüschen verdrängt. Außerdem treten Schädigungen durch Schneckenfraß und Rehverbiss auf. Aber auch dass Zertreten der unauffälligen jungen Austriebe der Pflanzen durch Querfeldeinwanderer und die Grabräuberei sind nicht unerheblich.
Weitere Artikel zu diesem Thema in unserer Rubrik:
•  Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 1
•  Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 3
•  Orchideen und weitere gefährdete Arten am Kulkwitzer See - Teil 4
Karl Heyde [29.06.2008]
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